Stuttgarter Autobauer im Visier Chinas

Ganze Unternehmen ausgelöscht: So gefährlich ist Chinas Macht für Daimler

Mercedes-Stern auf einem Gebäude im Abendlicht
+
China ist für die Daimler AG mit Abstand der wichtigste Markt - die Wut könnte nun auch den Autobauer treffen. .
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die aktuelle Abhängigkeit von China könnte für die Daimler AG fatale Folgen haben. Den Stuttgarter Autobauer könnte ein ähnliches Los treffen wie jüngst die Modekette H&M.

Stuttgart - Für die Daimler AG ist China inzwischen mit Abstand der wichtigste Markt. Mit dem Investor Li Shufu, der über die Tochterfirma Tenaciou3 Prospect Investment Limited seit 2018 den größten Anteil an dem schwäbischen Autokonzern hat, kommt auch der größte Investor aus China. Durch den starken Fokus auf die E-Mobilität macht sich der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart weiter von dem fernöstlichen Land abhängig. Daimler will nämlich nach wie vor keine eigenen Batteriezellen für die E-Auto-Akkus bauen, sondern setzt auf ausländische Zulieferer - diese kommen unter anderem eben auch aus China.

Der starke Absatzaufschwung auf dem chinesischen Markt zum Ende des vergangenen Jahres brachte der Daimler AG letztendlich einen Milliardengewinn ein. Durch die Verlagerung der Produktion, beispielsweise vom Kultzweisitzer Smart von Europa nach China sind auch in Deutschland zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr. Das ist jedoch nicht die einzige Bedrohung für den großen Autohersteller aus Stuttgart. Die Volksrepublik China wird von der kommunistischen Partei Chinas (KPCh) autoritär bis sogar totalitär geführt. Staatsoberhaupt Xi Jinping baut immer mehr Druck auf westliche Konzerne auf. Das könnte auch für die Daimler AG ein großes Problem werden, wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet.

Daimler AG: Nach H&M und Adidas - gerät nun auch der Stuttgarter Autobauer ins Visier?

Die Zustände im bevölkerungsreichsten Land der Welt sind im Westen nur teilweise bekannt. Beispielsweise ist in China die Suchmaschine Google verboten und durch eigene chinesische Plattformen ersetzt worden. Der große Einfluss des asiatischen Großstaates zeigt sich nicht nur bei der Daimler AG, sondern auch beim Autokonzern VW sowie den Modehändlern H&M und Adidas. Ende vergangener Woche löschte die Suchmaschine Baidu auf Befehl der chinesischen Staatsführung alle Hinweise auf Läden und Online-Angebote der schwedischen Modekette H&M, wie Capital berichtet. Grund dafür war die Entscheidung des Konzerns, zukünftig keine Baumwolle mehr aus der Provinz Xinjiang zu beziehen, solange dort Zwangsarbeiter zum Einsatz kommen.

Die Daimler AG ist inzwischen deutlich vom chinesischen Staat abhängig und damit auch der Willkür der Regierung ausgesetzt. In China boomt derzeit vor allem das Geschäft mit Luxusautos, was dem Stuttgarter Konzern zwar einen deutlichen Aufschwung einbrachte, die Risiken aber immer weiter ansteigen lässt. Ein Problem zeigte sich vor wenigen Wochen auch im Bereich der Batterielieferung. Daimlers E-Auto-Strategie ist bedroht wegen „katastrophal“ schlechter Batterien aus China. Durch die Aktienanteile der chinesischen Investoren am schwäbischen Autobauer könnte man annehmen, dass die Stuttgarter einen Weg gefunden haben, mit der Staatsregierung Hand in Hand arbeiten zu können. Die Machthaber reden allerdings nur von „Partnerschaft“, wenn es ihnen in den Kram passt, berichtet das Wirtschaftsmagazin.

Daimler AG: Einfluss Chinas wächst - Staat reagiert mit kompromissloser Härte auf EU-Sanktionen

Die Daimler AG geriet bereits in der Vergangenheit mit der chinesischen Staatsführung aneinander. Vor etwa drei Jahren veröffentlichte der Stuttgarter Autobauer ein Bild eines weißen Coupés von Tochter Mercedes-Benz auf dem Fotonetzwerk Instagram. Untertitel war das Bild mit dem Spruch „Look at situations from all angles, and you will become more open.“ (Sieh dir Situationen aus allen Blickwinkeln an, und du wirst offener werden), wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) damals berichtete. Das große Problem war allerdings, dass dieser Spruch ausgerechnet vom Dalai Lama stammte, dem erklärten Staatsfeind Nummer 1 der Volksrepublik China. Daimler brachte dieser Post gerade auf dem größten Absatzmarkt viel Kritik und Empörung ein.

Nach dem Post der Daimler AG vor drei Jahren bezeichnete die chinesische Volkszeitung den Stuttgarter Konzern offiziell als „Volksfeind“. Der damalige CEO Dieter Zetsche, Vorgänger des heutigen Daimler-Chefs Ola Källenius, bat mehrfach öffentlich um Verzeihung für den Instagram-Beitrag. Nun könnte Daimler und auch der Wolfsburger Autokonzern VW jedoch wieder ins Visier der chinesischen Staatsführung geraten. China reagiert laut Capital aktuell mit kompromissloser Härte auf die eigentlich moderaten Sanktionen aus Europa. Welche Folgen das haben kann, zeigt auch das Beispiel H&M. Jede noch so kleine Kritik könne aktuell eine Lawine mit drastischen Folgen für die Konzerne auslösen.

Daimler AG und VW: Forderung aus China - Konflikt mit USA hat auch Folgen für die Autobauer

Die Daimler AG hat in Bezug auf den möglichen Groll einen Vorteil gegenüber VW. Der Stuttgarter Autobauer betreibt im Gegensatz zu den Wolfsburgern kein Werk in der chinesischen Provinz Xinjiang. Dort spitzt sich die Lage aufgrund der Unterdrückung der Uiguren aktuell immer weiter zu. Vor der Willkür der chinesischen Staatsregierung ist Daimler jedoch auch nicht sicher. Die deutschen Konzerne sollen ihre nächsten Geschäftsberichte um einen speziellen Risikoteil zur Volksrepublik China ergänzen, lautet die Forderung, wie Capital berichtet.

Die Lage wird demnach immer angespannter und auch die Verhärtung zwischen China und den USA hat weitreichende Folgen auf Europa und die deutschen Autobauer. Die Daimler AG muss demnach aufpassen, dass den Konzern kein ähnliches Los ereilt als beispielsweise H&M. Dadurch, dass China für Daimler der mit Abstand größte Absatzmarkt ist, hätte eine solche Maßnahme für den kompletten Konzern fatale Folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare