Einfluss Chinas

„Aufwachen ist angesagt“: Özdemir sorgt sich um die Zukunft von Daimler

Die Konzernzentrale der Daimler AG spiegelt sich in einer Scheibe. Rechts in einer Bubble: Grünen-Politiker Cem Özdemir.
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Spaltung der Daimler AG und Einfluss aus China - Cem Özdemir sorgt sich um Zukunft des schwäbischen Autobauers.
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Die Daimler AG wird zukünftig in zwei Unternehmen aufgespalten. Grünen-Politiker Cem Özdemir sieht die Spaltung kritisch und warnt vor dem großen Einfluss Chinas.

Stuttgart - Die Daimler AG ist mit ihrem bisherigen Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz auf der ganzen Welt bekannt und zählt zu den wichtigsten Autoherstellern überhaupt. Den Traditionskonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart, der bis auf die Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz zurückgeht, wird es in der aktuellen Form jedoch bald nicht mehr geben. Die vor wenigen Monaten angekündigte Spaltung der Daimler AG in zwei unabhängige Unternehmen schlug hohe Wellen. Vor allem die Daimler-Mitarbeiter waren von der Nachricht „wie vom Blitz getroffen“ und viele befürchteten, dass die deutlich kleineren Unternehmen auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnten.

Durch die Spaltung der Daimler AG wird die Auto-Sparte zukünftig als Mercedes-Benz AG in Stuttgart bleiben, während die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ihren Hauptsitz ins Nahe Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) verlegt. Ein Autoexperte sagte bereits, dass BMW mit Mercedes fusionieren könnte. Das würde das definitive Ende der heutigen Daimler AG bedeuten. Auch Grünen-Politiker Cem Özdemir sieht die Spaltung des Stuttgarter Konzerns kritisch und warnt vor allem vor dem immer größer werdenden Einfluss der chinesischen Investoren, wie er in einem Podcast von auto-motor-und-sport.de sagte.

Daimler AG: Zukunft des Konzerns aus Stuttgart - wie groß ist der chinesische Einfluss?

Für die großen deutschen Autobauer ist China inzwischen mit Abstand der größte und wichtigste Markt. Auch die Daimler AG ging bereits zahlreiche Bündnisse mit chinesischen Unternehmen ein. Der Investor Li Shufu hält über die Firma Tenaciou3 Prospect Investment Limited sogar den größten Aktienanteil an dem schwäbischen Autobauer. Ein weiteres Bündnis mit China könnte jetzt jedoch sogar die komplette E-Auto-Offensive gefährden. Das Unternehmen Farasis lieferte nämlich Zellmuster, die bei Daimler als „katastrophal“ bezeichnet wurden und hat noch immer keine Baugenehmigung für das geplante Werk in Bitterfeld. Durch die Spaltung des Konzerns könnten die chinesischen Investoren nun noch mehr Einfluss auf die zukünftig deutlich kleinere Mercedes-Benz AG erhalten.

In einem Podcast des Automagazins auto-motor-und-sport.de sprach Cem Özdemir, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages, unter anderem auch über die Zukunft der Daimler AG. „Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Die Aufspaltung des Konzerns hat natürlich auch damit zu tun, dass 15 Prozent der Aktien zwei chinesischen Großinvestoren gehören“, sagte der Grünen-Politiker. Er pflege einen regen Austausch mit Daimler-Chef Ola Källenius und schätze ihn sehr, so Özdemir. Durch die Spaltung stelle sich jedoch zukünftig eine wichtige Frage beim Austausch zwischen Autobauer und Verkehrspolitik. „Mit wem verhandle ich da eigentlich künftig? Verhandle ich mit Ansprechpartnern hier oder muss ich zukünftig mit dem chinesischen Staat verhandeln?“

Daimler AG: Özdemir um Sorge um die Zukunft des Autoherstellers - „das will ich nicht“

Die bevorstehende Spaltung der Daimler AG bringt für beide neu entstehenden Unternehmen große Veränderungen mit sich. Auch bei der Daimler Truck AG soll der Fokus mehr auf der E-Mobilität liegen. In einem persönlichen Brief vom Betriebsrat an die Mitarbeiter hieß es, dass dadurch 40 Prozent der Jobs wegfallen werden. Cem Özdemir sieht die Gefahr für die Mercedes-Benz AG dagegen in dem wachsenden Einfluss der chinesischen Investoren. Die Aussicht, zukünftig nicht mehr mit dem Vorstand in Stuttgart, sondern mit dem chinesischen Staat verhandeln zu müssen, widerstrebt dem Politiker. „Das will ich nicht“, sagte er im Podcast von auto-motor-und-sport.de.

Ihm gehe es darum, dass Europa sich davor schützen müsse, dass andere Länder durch strategische Übernahmen auch politische Druckmittel erkämpfen. „Das ist extrem gefährlich, das wird mir viel zu sehr unterschätzt“, so Özdemir. Der Grünen-Politiker könnte als Verkehrsminister die Nachfolge von Andreas Scheuer (CSU) antreten und will die Verkehrspolitik umkrempeln. „Jetzt ist Fortschritt angesagt, jetzt ist Hightech angesagt, jetzt ist ‚German can do‘ angesagt und nicht mehr ‚German Angst‘ à la CSU“, so der Schwabe mit türkischen Wurzeln im Podcast. Auch in Bezug auf die Daimler AG brauche man „dringend Schutzmechanismen“, die eine mögliche Übernahme durch ausländische Unternehmen zukünftig verhindern.

Daimler AG: Gibt es den Konzern in Zukunft noch? - „Ich will das“, sagt Cem Özdemir

Die große Konkurrenz der Daimler AG und der anderen deutschen Autobauer seien jedoch nicht europäische Unternehmen. „Unser Konkurrent ist nicht der europäische Nachbar, um das noch mal klar zu stellen“, sagte Cem Özdemir im Podcast. „Unsere Konkurrenz sind chinesische Staatskonzerne, die mit unlauteren Wettbewerbsbedingungen arbeiten.“ Der Staat subventioniere die Mittel nach unten und arbeite zum Teil „auch mit unfairen Methoden, was Ingenieurskunst angeht“.

In Bezug auf die chinesischen Investoren und die Zukunft der Daimler AG sprach Özdemir eine Warnung aus. „Da ist Aufwachen angesagt, dringend“, sagte der Politiker. Die nächsten Jahre seien ganz entscheidend für den Stuttgarter Autobauer. „Gibt es den Konzern in Zukunft noch? Ich will das“, sagte der Grünen-Politiker. „Was ist das dann für ein Konzern? Ist das ein Konzern aus dem Schwabenland, aus Deutschland oder ist das zunehmend ein Konzern wo die Entscheidungen irgendwann woanders getroffen werden?“ Letzteres wolle er ausdrücklich nicht, so Özdemir im Podcast des Automagazines.

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