Fahrdienstanbieter Free Now

US-Konzern will Daimler-Sparte für eine Milliarde aufkaufen

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Die Daimler AG ist zu einem strikten Sparkurs gezwungen. Dem könnte jetzt ein Gemeinschaftsunternehmen mit BMW zum Opfer fallen. Der Fahrdienstanbieter Uber bietet ein Vermögen dafür.

Stuttgart/München - Die Daimler AG baut nicht nur Fahrzeuge. Seit 2009 verfolgte der Konzern aus Stuttgart mit der Tochter car2go auch völlig neue Mobilitätskonzepte wie das Carsharing. Eine Strategie, die eine Gemeinsamkeit von Daimler und BMW ausmacht.

Dementsprechend war es wenig überraschend, dass Daimler und BMW beim Carsharing kooperierten. Aus car2go von Daimler und Drive Now von BMW ging 2019 das Gemeinschaftsunternehmen Share Now hervor. Die Kooperation der beiden Fahrzeughersteller im Bereich „Sharing Mobility“ ging allerdings noch weiter.

Auch in den Bereichen Autonomes Fahren und Fahrdienstanbieter wollten die Konzerne zusammenarbeiten. Lange Zeit gab es deshalb gar Gerüchte einer Fusion von Daimler und BMW. Doch es folgte Ernüchterung. Share Now und die gemeinsame Taxivermittlung Free Now sind Verlustgeschäfte. Letzteres sollte kürzlich sogar noch an die Börse gehen. Jetzt hat der Fahrdienstanbieter Uber allerdings eine ordentliche Summe für Free Now geboten.

Kooperation von Daimler und BMW: Fahrdienstanbieter Free Now sorgt für Uneinigkeit bei den Konzernen

Wie das Magazin Gründerszene berichtete, haben die Daimler AG und BMW allein im vergangenen Jahr eine Milliarde Euro durch Free Now verloren. Einem Bericht des Manager Magazins zufolge bietet Uber jetzt sogar mehr als diese Summe, um Free Now von den beiden deutschen Fahrzeugherstellern abzukaufen.

Daimler und BMW dürfte dieses Angebot zum Nachdenken bringen. Denn schon seit geraumer Zeit läuft die Zusammenarbeit der Fahrzeughersteller nicht mehr wie gewünscht. Mitarbeiter verzweifelten gar an der Daimler-Strategie - zu unrealistisch seien die Zielvorgaben und zu unklar das weitere Vorgehen bei dem Fahrdienstleister Free Now.

Daimler und BMW sind sich uneins über die Zukunft ihrer Taxivermittlung Free Now.

Zudem sind angesichts der Corona-Pandemie und dem Strukturwandel hin zur E-Mobilität sowohl die Daimler AG als auch BMW zu einem strikten Sparkurs gezwungen. Ein Angebot von mehr als einer Milliarde Euro für ein Verlustgeschäft wie Free Now dürfte da sehr verführerisch klingen.

Uber bietet Milliarden für Free Now von Daimler und BMW - doch die Konzerne könnten einen Verkauf noch bereuen

Der Fahrdienstanbieter Free Now von Daimler und BMW war aus dem Unternehmen mytaxi hervorgegangen. Inzwischen bietet es Fahrdienste in über 100 Städten mit mehr als 100.000 Fahrern an. Das Geschäft leidet allerdings ebenso wie die Autoverkäufe an der Corona-Pandemie.

Trotzdem sollten sich Daimler und BMW einen Verkauf an Uber gut überlegen. Die Unternehmensberatung Horvarth & Partners hatte unlängst dem gesamten Bereich „Sharing Mobility“ noch eine berauschende Zukunft prophezeit. Entsprechend könnte sich Daimler von einem Geschäft trennen, das bald 2.350 Milliarden Euro wert sein wird. Die Unternehmensberatung rechnet damit, dass der Wert von neuen Mobilitätskonzepten bis 2030 enorm ansteigt.

Uber selbst hat bisher in Deutschland sehr viel Gegenwind erfahren. Inzwischen werden in acht deutschen Städten Fahrten mit Uber angeboten, allerdings wehrten sich immer wieder Taxiunternehmen juristisch gegen den Konzern aus San Francisco.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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