E-Mobilität statt Verbrenner

Tod des Verbrenners: Daimler stellt nach 118 Jahren Produktion in ältestem deutschen Werk ein

Der Mercedes-Stern über dem Werk in Düsseldorf neben einer roten Ampel
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Ausgebremst: Die Daimler AG stellt im historischen Berliner Werk die Produktion des Verbrenners ein
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart konzentriert sich vermehrt auf die E-Mobilität. Im Zuge der Umstellung stellt der Konzern nun die Produktion seines ältesten noch aktiven Werks ein - in Berlin-Marienfelde.

Stuttgart/Berlin - Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hat in letzter Zeit mit deutlichen Problemen zu kämpfen. Durch die massiven wirtschaftlichen Verluste als Folge des Coronavirus in Baden-Württemberg verfolgt der Automobilkonzern einen noch strengeren Sparplan als von CEO Ola Källenius vorhergesagt. Erst kürzlich kündigte der Automobilhersteller an, eines der wichtigsten deutschen Werke einstampfen zu wollen, dadurch sind tausende Jobs in Gefahr. Das Werk in Stuttgart-Untertürkheim, wo sich auch die Zentrale der Daimler AG befindet, soll künftig Batterien für die E-Mobilität produzieren.

Ola Källenius, Chef der Daimler AG setzt vermehrt auf die E-Mobilität. Dadurch verabschiedete sich das Unternehmen von der Brennstoffzelle, einem Gebiet, auf dem die Stuttgarter einst führend waren. Ein hochrangiger Toyota-Berater sah das als fatalen Fehler an. Im Rahmen der Konzentration auf E-Autos soll nun auch das älteste noch aktive Werk in Berlin-Marienfelde seine Produktion einstellen - nach 118 Jahren.

Daimler AG: Konzern stellt Verbrenner-Produktion ein - E-Autos benötigen deutlich weniger Personal

Das Mercedes-Benz Werk der Daimler AG in Berlin wurde bereits im Jahr 1902 eröffnet und ist ein wichtiger Bestandteil des Powertrain-Produktionsverbundes und einer der großen Arbeitgeber der Region Berlin-Brandenburg, schreibt der Stuttgarter Automobilkonzern auf seiner Website. Das Werk ist der älteste noch produzierende Standort der Daimler AG. Im Zuge der Ausrichtung auf die E-Mobilität entschied die Führung, nicht mehr in die Technologie des Verbrennungsmotors zu investieren, wie der Tagesspiegel am Mittwoch berichtete. Durch den Wegfall der Produktion sind am Standort Berlin rund 2.500 Arbeitsplätze in Gefahr, die Produktion von E-Autos kommt mit deutlich weniger Personal aus.

Die Motoren für die Fahrzeuge der Daimler AG werden bislang im sogenannten „Leitwerk“ in Untertürkheim und in Berlin-Marienfelde gebaut. Nach Angaben des Autobauers aus der Schwaben-Metropole produziert das Berliner Werk Komponenten mit Technologien zur Verminderung von CO2-Emissionen. Das gehört mutmaßlich bald der Vergangenheit an. In dem Werk in Berlin soll jedoch nicht die vollständige Produktion zum Erliegen kommen. Die „Montage eines elektrischen Antriebsmoduls für Fahrzeuge der Produkt- und Technologiemarke EQ“ wird nach Angaben aus der Konzernzentrale auch weiter in der Hauptstadt erfolgen.

Daimler AG: Tod des Verbrenners kommt nicht überraschend - und vielleicht zur richtigen Zeit

Dass die Daimler AG nicht mehr in den Verbrenner investieren möchte, kommt nicht überraschend. Bereits Anfang Juni verabschiedete die Regierung ein Konjunkturpaket, um die fatalen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft abzumildern. In dem Konjunkturpaket sind Prämien für E-Autos und Hybrid vorgesehen, nicht jedoch für den Verbrennungsmotor. Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht sah in dieser Entscheidung eine „massive" Bedrohung für den Stuttgarter Automobilhersteller. Laut ihm arbeiten rund 95 Prozent aller Angestellten der deutschen Fahrzeughersteller an konventionellen Antrieben. Für die Konzernführung in Stuttgart dürfte der Schritt demnach nicht einfach gewesen sein, er kommt möglicherweise jedoch zur richtigen Zeit.

Die EU-Kommission verkündete kürzlich, den CO2-Ausstoß reduzieren zu wollen. Im Zuge dessen will die EU den Verbrennungsmotor verbieten. Ein Albtraum für die Daimler AG. Sollte sich das Verbot durchsetzen, war die Konzentration auf die E-Mobilität und die Aufgabe des Verbrennungsmotors sicherlich die richtige Entscheidung. Für die Mitarbeiter im Mercedes-Benz Werk in Berlin ist das jedoch sicher kein Trost. In der Hauptstadt geht mit der Einstellung der Produktion auch eine Ära zu Ende. Anlässlich des 100. Geburtstags des Berliner Standorts sprach der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp im Jahr 2002 von einem „beeindruckenden Stück deutscher Industriegeschichte“, wie der Tagesspiegel berichtet. Nach 118 Jahren ist diese Geschichte nun wohl zu Ende.

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