Mercedes-Werk in Berlin

„Peinlich für Daimler“: Tesla stellt Konkurrenten in Deutschland bloß

Der Mercedes-Stern, das Logo der Automarke Mercedes dreht sich auf dem Turm des Hauptbahnhofs
+
Die Daimler AG plant im Berliner Werk einen Stellenabbau - während Konkurrent Tesla eine Gigafabrik baut.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Der massive Stellenabbau bei der Daimler AG trifft das Werk in Berlin mit voller Härte. Der Werksleiter verabschiedete sich in Richtung Tesla - seine Nachricht an die verzweifelten Mitarbeiter ist dreist.

Stuttgart/Berlin - Die Daimler AG baut an verschiedenen Werken in ganz Deutschland massiv Stellen ab. Grund für den drastischen Sparplan sind zum einen die fatalen Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft und zum anderen die groß angelegte Umstrukturierung des weltbekannten Autokonzerns zugunsten der E-Mobilität.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Daimler in sechs deutschen Werken ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen droht und auch eines der wichtigsten deutschen Werke soll stark eingedampft werden. Dabei handelt es sich ausgerechnet um das Stammwerk des Herstellers in Untertürkheim, einem Stadtteil der Landeshauptstadt Stuttgart.

Ein traditionsreiches Werk der Daimler AG ist von Umstrukturierung und Stellenabbau ganz besonders betroffen. Der Autobauer stellt nach 118 Jahren die Produktion von Verbrennern im ältesten deutschen Werk ein. In der Fabrik in Berlin-Marienfelde müssen etwa 2.000 Mitarbeiter um ihre Arbeitsstelle fürchten.

Daimler AG: Mitarbeiter in Berlin fürchten um ihre Jobs - Werksleiter verabschiedet sich per SMS

Große Teile der Belegschaft gingen vergangenen Donnerstag, dem 12. November, vor dem Daimler-Werk auf die Barrikaden. Für besonderen Unmut sorgte die Nachricht, dass der bisherige Werksleiter zu Beginn nächsten Jahres zum Konkurrenten Tesla wechsele. Er hinterließ eine dreiste Abschiedsnachricht an die Mitarbeiter, wie Business Insider am Sonntag berichtete.

Die Daimler-Mitarbeiter sind entsetzt über die Quasi-Schließung des Werks in Berlin. Bei der Umstrukturierung der Produktion vom Verbrenner weg und hin zur Elektromobilität könnten im schlimmsten Fall von den derzeit 2.500 Mitarbeitern nur noch 500 übrig bleiben. Das käme einer Schließung des Werkes gleich, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall vergangener Woche laut Angaben der Berliner Morgenpost. Gegenüber Business Insider äußerten sich mehrere Mitarbeiter der Daimler AG zu den geplanten Stellenstreichungen in Berlin.

Die Mitarbeiter der Daimler AG sagten, sie wüssten, dass der Verbrenner ein Auslaufdatum habe. Sie seien jedoch bereit für Weiterbildungen und Umschulungen, um weiterhin in dem Werk in Berlin-Marienfelde arbeiten zu können - nur eben an der Elektro-Technologie. „Als ich hier meinen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, da dachte ich, der hält bis zu Rente“, sagte Patric Succo, ein Mitglied des Betriebsrats in Berlin gegenüber Business Insider. Mehrere Angestellte des Werkes, das bereits im Jahr 1902 die Produktion aufnahm, bestätigten, dass sich der Werksleiter René Reif lediglich per SMS verabschiedet habe.

Daimler AG: Angestellte in Berlin fassungslos - „wir sind keine Personalnummern [...] wir sind Menschen“

Der Weggang des bisherigen Werksleiters war für die verzweifelten Mitarbeiter der Daimler AG ein weiterer herber Schlag. Vor allem, dass Reif ausgerechnet zum US-Konkurrenten Tesla wechselt, sorgte für Unverständnis. „Für Daimler ist es peinlich, dieses Werk zusammenkürzen zu wollen, während der Konkurrent Tesla vor den Toren Berlins groß auffährt“, sagte Sören Lieske, der Geschäftssekretär der IG-Metall im Gespräch mit Business Insider. „Und dann macht sich auch noch der Werksleiter aus dem Staub zu exakt diesem Konkurrenten“. Tesla baut nur etwa 50 Kilometer vom Daimler-Werk in Berlin entfernt eine „Giga-Factory“, die bis zu 10.000 Arbeitsplätze schaffen soll.

Die Belegschaft der Daimler AG in der Hauptstadt hofft auf eine mögliche Umwandlung der Stellen, um den Jobverlust zu vermeiden. Die IG Metall stärkt den Angestellten den Rücken und fordert ein Umdenken von dem Vorstand des Stuttgarter Fahrzeugherstellers.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare