Wachstum in China

Daimler wendet sich von Deutschland ab - Mitarbeiter müssen zittern

Motorhaube eines Mercedes vor Hochhäusern in China
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Daimler wendet sich immer weiter von Deutschland ab und blickt nach China
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG hat im dritten Quartal 2020 einen Milliarden-Gewinn erzielt. Der Konzern will nun verstärkt ins Ausland expandieren und legt große Hoffnungen in den größten Automobilmarkt der Welt.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hatte in jüngster Zeit massiv unter den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu leiden. Durch die Konsequenzen der Pandemie für die Wirtschaft fährt der Konzern einen deutlich strengeren Sparplan, als ursprünglich vorhergesagt. Als Folge des Sparplans plant Daimler, eines der wichtigsten deutschen Werke massiv einzudampfen. Auch das älteste noch aktive Werk des Konzerns in Berlin stellt nach 118 Jahren die Produktion ein.

Nach einem bislang schwierigen Jahr machte die Daimler AG im dritten Quartal einen Milliarden-Gewinn. Das Unternehmen feierte sich für diese Leistung, was unter anderen die Linke scharf kritisierte. Es sei ein Gewinn auf Kosten des Sozialsystems, sagte der Parteivorsitzende Bernd Riexinger.

Die Daimler AG richtet ihre Produktion schon seit längerer Zeit auf die E-Mobilität aus. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Tochter-Unternehmen Mercedes Benz sich wieder als Luxusmarke etablieren möchte. Nun wird ein weiterer Trend immer deutlicher: Die Daimler AG scheint sich immer weiter von Deutschland und Europa abzuwenden und setzt verstärkt auf den chinesischen Markt.

Daimler AG: Konzern weiterhin optimistisch für Wachstum des weltweit größten Automarktes

Während die Automobilbranche in Deutschland und Europa massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie zu leiden hat, wuchs der chinesische Markt weiter. Schon vor der Krise bot China dank seiner erstarkenden Mittelschicht dem Konzern aus Stuttgart glänzende Perspektiven.

Die Daimler AG zeigt sich optimistisch, dass der Markt noch weiter wächst, und plant, massiv in China zu expandieren. „Wir sehen keine Indikationen, dass das Wachstum zurückgeht, sondern dass es recht robust bleibt“, sagte Ola Källenius, der Vorstandsvorsitzende des Automobilherstellers dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. „Wir erwarten in den nächsten zehn Jahren absolut gesehen nach wie vor das größte Wachstum in China“.

Die Daimler AG und Chef Ola Källenius sehen zwar auch ein mögliches Wachstum des Premiummarktes in Europa und den USA. Auf dem chinesischen Markt erzielen die deutschen Hersteller jedoch besonders starke Verkäufe. Der Automobilmarkt in China sei aufgrund des starken Wachstums bereits doppelt so groß wie der Markt in den USA für Daimler. „Die Autodichte in China ist nach wie vor relativ gering“, erklärt der Daimler-Chef. Positiv sei vor allem die Entwicklung der Premium-Luxusklassen, das auch ein Wachstum der oberen Mittelklasse vermuten lasse.

Daimler AG: Im Gegensatz zu China keine wirkliche Erholung in Europa und den USA

In Europa und den USA liegt die Daimler AG etwas unterhalb der Einnahmen des Vorjahres. Das Geschäft habe sich jedoch auf diesen Märkten zumindest ein Stück weit zurück zur Normalität entwickelt. In China habe es nach Angaben von Ola Källenius dagegen eine „bemerkenswerte Erholung“ gegeben. Daimler erzielte dort vier Monate in Folge ein zweistelliges Absatzplus. „Eine solche Erholung gab es nicht in Europa und den USA“, sagte der Daimler-CEO.

Am Freitag, den 23. Oktober, plant die Daimler AG, die Details für die Entwicklung des dritten Quartals vorzulegen. Insgesamt steht der Stuttgarter Fahrzeughersteller inzwischen deutlich besser da als noch in den vergangenen Quartalen. Die Marke Mercedes Benz wurde beim diesjährigen „Best Global Brands“-Ranking erneut als eine der begehrtesten Marken der Welt ausgezeichnet, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung verkündete.

Mercedes Benz ist damit die wertvollste Luxus-Automobilmarke der Welt und behauptet sich als einziger europäischer Hersteller in den Top Ten. Für viele Mitarbeiter ist das wohl kein Trost, sie müssen durch die Umstellung auf die E-Mobilität und die Konzentration auf den chinesischen Markt weiter um ihre Stellen fürchten.

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