„Spüren Rückenwind aus China“

Daimler-CEO Källenius will umstrittene China-Strategie ausbauen

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG teil und gestikuliert
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Obwohl das Bündnis der Daimler AG mit China umstritten ist - will Konzern-Chef Källenius die Strategie weiter ausbauen.
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Für die Stuttgarter Daimler AG ist China inzwischen der stärkste Absatzmarkt. Konzern-Chef Ola Källenius will die umstrittene China-Strategie weiter ausbauen.

Stuttgart - Die Daimler AG verkauft wie viele andere Autohersteller in China mit Abstand die meisten Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart massiv unter der Corona-Pandemie, der Diesel-Krise und Altlasten zu leiden. Aufgrund der Pandemie standen mehrere Werke des Autobauers mehrere Wochen lang still und Daimler rutsche gefährlich in die roten Zahlen. Letztendlich nahm die Daimler AG dennoch einen Milliardengewinn ein. Das war nicht zuletzt dem starken Absatzaufschwung in China zu verdanken. Der Stuttgarter Hersteller konzentriert sich inzwischen stark auf die Produktion von E-Autos und präsentierte vor wenigen Wochen das vollelektrische Flaggschiff EQS.

In den vergangenen Wochen wandten sich große Autobauer von der Daimler AG ab. Nach dem französischen Hersteller Renault stellte auch Nissan seinen Anteil von 1,5 Prozent und damit rund 16,4 Millionen Daimler-Aktien zum Verkauf. Der Stuttgarter Konzern konzentriert sich dagegen stark auf China. Die größten Aktionäre der Daimler AG, Geely von Großaktionär Li Shufu und der Pekinger Staatskonzern BAIC, stammen aus dem Land. Die Schwaben wollen die Zusammenarbeit mit diesen Geschäftspartnern weiter fördern. Chinas Macht ist für Daimler allerdings gefährlich, die Abhängigkeit könne zum Problem werden. Dennoch kündigte Konzern-Chef Ola Källenius an, das Engagement in China weiter ausbauen zu wollen, wie das Portal lifepr.de berichtet.

Daimler AG: Källenius relativiert Abhängigkeit von China - „nutzt dem gesamten Unternehmen“

Das Bündnis zwischen der Daimler AG und den chinesischen Großaktionären führte bereits zu deutlichen Spannungen innerhalb des weltbekannten Autokonzerns. Das Daimler-Bündnis in China wird wohl Tausende Mitarbeiter den Job kosten, hieß es bereits Ende vergangenen Jahres. Die Schwaben verlegten ganze Produktionsschritte in das Reich der Mitte und stellen unter anderem den Kleinwagen Smart dort her. Zudem produziert der Autobauer bislang keine eigenen Batteriezellen für die wachsende E-Auto-Flotte, sondern setzt auf Zulieferer - eben auch aus China. Aufgrund von „katastrophal“ schlechter Batterien war zwischenzeitlich dadurch sogar die komplette E-Auto-Strategie Daimlers bedroht.

Für die Daimler AG ist der chinesische Markt jedoch extrem wichtig, dort boomt aktuell der Handel mit Luxusautos, den die Stuttgarter auch mit der elektrischen S-Klasse EQS bedienen. Daimler-Chef Ola Källenius relativierte die Abhängigkeit von China im Gespräch mit der Zeitschrift Auto Motor und Sport. Der Absatzaufschwung habe nur damit zu tun, dass dort die Corona-Pandemie schneller überwunden wurde als in anderen Ländern.

„Weil die Nachfrage in China stark anzog, konnten wir im Jahresverlauf 2020 die Produktion schneller wieder hochfahren“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. „Davon haben nicht zuletzt die deutschen Standorte profitiert.“ Eine Gefahr für die deutschen Standorte sieht Källenius demnach durch die engere Zusammenarbeit mit China nicht. „Auch in diesem Jahr spüren wir Rückenwind aus China. Das nutzt dem gesamten Unternehmen.“

Daimler AG: Konzern will Präsenz in China weiter ausbauen

Die Daimler AG setzt in Deutschland und den europäischen Ländern stark auf die E-Mobilität und will den Verbrenner schneller abschaffen als erwartet. So ganz wollen sich die Schwaben jedoch nicht von der altbewährten Antriebstechnologie verabschieden. Der Konzern verlegte die Verbrennerproduktion zu einem Großteil nach China, doch das sei erst der Anfang, sagte Ola Källenius. „Wir sehen noch viel Potenzial: nicht nur als weltgrößter Markt, sondern auch als wichtiger Produktions- und Innovationsstandort“, so der Daimler-Chef. „Um diese Chancen zu nutzen, werden wir unsere Präsenz dort weiter gezielt ausbauen.“ Gerade weil Daimler Kernkompetenzen wie die Motorenfertigung zunehmend nach China verlagert, stand der Konzern zuletzt in der Kritik.

Die Daimler AG will die Beherrschung der Zelltechnologie vorantreiben. Ola Källenius sieht darin eine neue Kernkompetenz des Stuttgarter Autoherstellers. „Die Zelle ist eine zentrale Komponente der Batterie“, sagte er. „Wir legen viel Wert darauf, ihre Chemie zu verstehen.“ Aus diesem Grund erforsche Daimler beziehungsweise die Konzern-Tochter Mercedes-Benz verschiedene Zelltechnologien, bislang habe man sich noch nicht festgelegt, welche Akkutechnik die Beste sei. „Bislang haben wir uns nicht auf eine Zellchemie festgelegt“, erklärt Källenius. „Dabei beschäftigen wir uns auch mit Festkörperbatterien.“ Demnach wollen sich die Schwaben zukünftig nicht ausschließlich auf Zulieferer verlassen, sondern „erfolgskritische Faktoren der E-Mobilität auch in der Produktion selbst beherrschen“.

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