Erneuter Produktionsstillstand

„Schreckensbild“: Daimler warnt vor albtraumhaftem Szenario bei Mega-Lockdown

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt im Werk „Factory 56“ ein Mercedes Stern an einer S-Klasse.
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Die Daimler AG warnt vor fatalen Konsequenzen im Falle eines drohenden Mega-Lockdowns.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Bei der Daimler AG stand die Produktion im Frühjahr für mehrere Wochen still. Wenn der Mega-Lockdown kommt, könnte das fatale Folgen für den Stuttgarter Autobauer haben.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg beeinflusst das öffentliche und betriebliche Leben nun bereits seit fast einem Jahr. Durch den ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres musste auch die Daimler AG ihre Produktion an vielen Standorten für mehrere Wochen einstellen. Die Folgen des ersten landesweiten Lockdowns sind in der Autoindustrie auch heute noch zu spüren. Aktuell hat die Daimler AG mit Engpässen bei der Lieferung von Computerchips zu kämpfen und musste bereits die Produktion in einem deutschen Werk einstellen. Auch beim wichtigsten deutschen Daimler-Werk droht aktuell die Schließung. Ein gerade zwischen Bund und Ländern diskutierter Mega-Lockdown könnte die Lage allerdings drastisch verschlimmern.

Aufgrund der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg steht aktuell ein möglicher Mega-Lockdown zur Diskussion. Während durch den aktuellen Shutdown bereits nahezu alle Geschäfte und Läden geschlossen sind, könnte dann unter anderem auch die Produktion in den Fabriken temporär eingestellt werden. Für die Daimler AG wäre das ein fataler Rückschlag. Der Stuttgarter Autobauer warnt vor einem radikalen Lockdown und sieht die Produktionsstätten nicht als Infektionstreiber, wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet.

Daimler AG: Mega-Lockdown hätte fatale Folgen für den angeschlagenen Autobauer

Durch die fatalen Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Wirtschaft hat die Daimler AG noch immer mit Problemen zu kämpfen. Daneben wird auch der Konkurrenzkampf mit dem US-Hersteller Tesla immer größer. Dessen Chef Elon Musk sieht den Konkurrenzgedanken im Feld der E-Mobilität nicht so eng und könnte sich sogar eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen. Inzwischen hat sich der weltbekannte Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart wieder einigermaßen von den Rückschlägen erholt, wie die Zahlen für das letzte Quartal 2020 zeigten. Ein erneuter Lockdown mit Produktionsstillstand wäre aktuell jedoch äußerst dramatisch für das angeschlagene Unternehmen.

Vor wenigen Tagen wurde der derzeitige Lockdown bis zum Ende des Monats verlängert und auch die aktuellen Corona-Regeln für Baden-Württemberg nochmals verschärft. Der noch drastischere Mega-Lockdown ist bislang zwar noch nicht beschlossen, könnte jedoch im Falle des Eintretens zu erneutem Produktionsstillstand in allen Fabriken des Landes führen. Laut dem Personalvorstand der Daimler AG, Wilfried Porth, gebe es jedoch keine Hinweise, dass die Werke Infektionsträger seien. „Die Infektionszahlen an unseren Standortorten lagen und liegen unter den Inzidenzwerten der Stadt- und Landkreise“, sagte er der StZ.

Daimler AG: Laut Betriebsratschef wäre Produktionsstillstand „Gefahr für den sozialen Frieden“

Laut Wilfried Porth gebe es in allen Werken der Daimler AG strenge Hygiene- und Reinigungsstandards sowie Regelungen zum Verhalten am Arbeitsplatz. „„Mit unserem digitalisierten internationalen Meldeprozess können wir zudem Covid-19-Fälle intern schnell erfassen und nachverfolgen“, sagte er der StZ. Auch Michael Brecht, Gesamtbetriebsratschef der Daimler AG, warnte ausdrücklich vor den Folgen eines Mega-Lockdowns. „Ein kompletter Stillstand wäre eine Gefahr auch für den sozialen Frieden in Deutschland.“

Für die Daimler AG und alle anderen Industrieunternehmen seien still stehende Bänder ein „Schreckensbild“, so Brecht gegenüber der StZ. Durch einen möglichen Produktionsstillstand werden hohe Kosten verursacht. „Das ist in jedem Fall viel Geld, das nicht nur uns fehlen würde, sondern auch in der Staatskasse.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte am Freitag angesichts der derzeitigen Infektionslage noch stärker als bisher die Möglichkeit des Homeoffice zu nutzen. Eine Homeoffice-Pflicht würde den Verlust durch einen erneuten Produktionstop in der Industrie allerdings nicht abwenden.

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