Personalchef weist Kritik ab

„Resterampe“? Daimler-Personalchef verteidigt umstrittenes Mitarbeiterportal: „niemand wird aussortiert“

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt im Werk „Factory 56“ ein Mercedes Stern an einer S-Klasse.
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Daimler streitet ab. Das interne Mitarbeiterportal sei keine „Resterampe“.
  • Julian Baumann
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In Bezug auf das neue „Jobforum“ der Daimler AG gibt es vonseiten der Mitarbeiter viel Kritik. Das Portal sei eine „Resterampe“ hieß es intern sogar. Der Personalchef des Autobauers widerspricht den Vorwürfen.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich in der Transformation zur E-Mobilität und stellt die Produktionen an vielen Standorten entsprechend um. Im Zuge der Umstellung baute der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart bereits Tausende Stellen ab. Eine interne Job-Plattform soll Mitarbeiter auffangen, deren Tätigkeiten aufgrund der Transformation wegfallen. Anschließend soll das Portal die Angestellten entsprechend ihrer jeweiligen Qualifikation neuen Aufgabengebieten zuteilen. In Bezug auf das „Jobforum“ gibt es vonseiten der Belegschaft jedoch auch ordentlich Kritik. Mehrere Angestellte klagen gegen die provokante Strategie und nennen das Portal sogar eine „Reste-Rampe“ für Mitarbeiter.

Für die Mitarbeiter der Daimler AG waren die vergangenen Monate nicht gerade einfach. Durch die Corona-Pandemie, die Diesel-Krise und der groß angelegten Transformation musste der Autobauer strukturell einiges verändern. Ein Arbeitsrechtler wurde in Bezug auf das interne Portal sogar noch deutlicher und nannte es eine „Friedhofsgesellschaft“, mit der Daimler unliebsame Mitarbeiter aus dem Konzern vertreiben möchte. Personalchef Wilfried Porth weist die Kritik nun jedoch zurück, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Daimler AG: Personalchef sieht Jobabbau auf Kurs - „sind auf dem richtigen Weg“

Die groß angelegten Sparpläne bei der Daimler AG schreiten bereits seit einiger Zeit immer weiter voran. Allein in sechs deutschen Daimler-Werken sollen rund 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Stuttgarter Konzern will die Maßnahmen zwar ohne betriebliche Kündigungen vornehmen, Daimler zahlt jedoch Hunderttausende Euro, um Mitarbeiter loszuwerden. Laut Wilfried Porth liegt der Konzern im Rahmen der Erwartungen. „2019 hatten wir rund 174. 000 Mitarbeiter in Deutschland, 2020 sind es nur noch rund 166 .500 Beschäftigte“, sagte der Daimler-Personalchef im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. „Wir sind da auf dem richtigen Weg.“ Bis zum Ende des Jahres 2022 will der Konzern die Sparmaßnahmen abgeschlossen haben.

Die Daimler AG legt den Fokus inzwischen stark auf die Produktion von E-Autos und hat vor wenigen Wochen das elektrische Luxusmodell EQS vorgestellt, mit dem sich der Autobauer auch endgültig als E-Auto-Hersteller etablieren will. Für die Anpassung der Produktionsabläufe müssen jedoch auch die Mitarbeiter in den Werken entsprechend umgeschult werden. Auch diese Maßnahme sei bereits gut angelaufen, sagte Wilfried Porth der Stuttgarter Zeitung. „Allein in den vergangenen beiden Jahren haben wir in Deutschland rund 69 000 Beschäftigte zu Themen rund um die Elektromobilität qualifiziert“, sagt er. „Bis 2025 werden wir weitere rund 130. 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu schulen.“

Daimler AG: Personalchef weist Kritik an Mitarbeiterportal ab - „bei uns wird niemand aussortiert“

Der Stellenabbau im Zuge der Transformation bei der Daimler AG soll auch Führungspositionen betreffen. Gerade in den mittleren Führungsebenen und auch bei den Mitarbeitern regt sich Kritik gegen das Jobportal. Der Stuttgarter Konzern will das Forum, dass eigentlich Mitarbeiter auffangen soll, deren Jobs durch die Transformation wegfallen, dennoch nicht anpassen. „Dazu sehe ich keinerlei Veranlassung, bei uns wird niemand aussortiert“, sagte Wilfried Porth der Stuttgarter Zeitung. Die interne Plattform sei gemeinsam mit dem Daimler-Betriebsrat initiiert worden und auch nicht nur für Führungskräfte. Zudem handele sich auch nicht um ein neues Forum, sondern eins, dass bei der Lkw-Tochter Daimler Truck AG bereits bewährt sei.

Das ein Großteil der Mitarbeiter der Daimler AG in dem Jobportal eine „Resterampe“ für unliebsame Angestellte sehe, weist der Personalchef ab. „Es ist auch nicht so, dass das Jobforum bei einer überwiegenden Zahl der Teilnehmer zu Unmut führt, das sind eher Einzelfälle. In Summe sind nur 0,2 Prozent unserer Mitarbeiter im Jobforum“, so Wilfried Porth. Vehement widerspricht er dem Vorwurf, das Portal solle die Mitarbeiter zu einem Ausstieg aus dem Konzern motivieren. „ Im Gegenteil: Es konnte bereits zahlreichen Führungskräften und Mitarbeitern mit diesem Instrument eine neue Beschäftigung im Konzern vermittelt werden.“

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