Börsenwert und Kapital

Treibt Tesla Daimler in die Enge? Experte warnt vor Schreckensszenario

Montage: Elon Musk schaut skeptisch, daneben ein Mercedes-Benz auf einer Straße
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Pech für Daimler: Tesla-Gründer Elon Musk hat Dank eines gigantischen Börsenwerts „schier unendliche“ Möglichkeiten.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG hat gegenüber Tesla und Co. einen entscheidenden Nachteil. Das liegt vor allem an dem vergleichsweise geringen Börsenwert der Stuttgarter.

Stuttgart - Die Daimler AG ist einer der größten Automobilhersteller der Welt. Der Vorgängerkonzern DaimlerChrysler AG nahm im Jahr 1998 das operative Geschäft auf und die Aktien wurden zu diesem Zeitpunkt erstmals an der Börse gehandelt. Inzwischen ist der Autokonzern aus Stuttgart nach Volkswagen und Allianz der drittstärkste DAX-Konzern gemessen an den Umsätzen. Der Autobauer konzentriert sich aktuell stark auf die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität und will bis 2025 mehr als zehn neue Modelle der vollelektrischen Baureihe EQ auf den Markt bringen. Darunter auch die mit Spannung erwartete elektrische S-Klasse EQS. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrent für Tesla werden.

Bislang galten die Autokonzerne Volkswagen aus Wolfsburg und BMW aus München als stärkste Konkurrenten der Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart. In der weltweiten Autobranche hat sich durch den Fokus auf die Produktion von E-Autos in den letzten Jahren jedoch einiges grundlegend verändert. Inzwischen müssen sich die Traditionsunternehmen mit Tech-Konzernen wie Tesla oder aufstrebenden E-Startups wie Nio messen. Das E-Auto-Startup ist inzwischen mehr wert als Daimler und BMW. Die Teslaaktie übertrumpft dagegen alle Autobauer weltweit. Die hohen Börsenwerte bieten den Tech-Unternehmen einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Daimler AG, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Technologie versus Börsenwert - CEO Källenius fürchtet die Konkurrenz nicht

Die Marke Mercedes-Benz der Daimler AG ist einer der bekanntesten und beliebtesten Automarken der Welt. Der Stuttgarter Autobauer verkauft auch noch immer sehr viel mehr Fahrzeuge als beispielsweise Tesla, das US-Unternehmen ist an der Börse jedoch mehr wert als alle traditionellen Hersteller zusammen. Das erlaubt dem E-Pionier aus Kalifornien ein hohes Risiko, dass sich Daimler und Co. nicht leisten können. Das gesteht sich auch Daimler-Chef Ola Källenius ein. „Mancher neue Anbieter hat eine Marktkapitalisierung, die es ihm erlaubt, viel Kapital einzusammeln, um dieses dann mit einem hohen Risikoprofil einzusetzen“, sagte er laut dem Handelsblatt.

Den Vergleich mit den Konkurrenten scheut die Daimler AG nach wie vor jedoch nicht. Mercedes-Benz sei eine „bockstarke Marke“ mit einer extrem hohen Technologiesubstanz, so Ola Källenius. Und ohnehin sei Kapital für den Stuttgarter Traditionshersteller „kein begrenzender Faktor“, um der Konkurrenz bei der Transformation davon zu fahren. Daimler fühlt sich Tesla haushoch überlegen, das US-Unternehmen sei „kein großer Konkurrent“, sagte ein Daimler-Manager kürzlich. Manche Investoren sind in diesem Punkt jedoch gänzlich anderer Meinung, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Kapital und Börsenwert - Investoren sehen entscheidenden Nachteil

Der Nachteil der Daimler AG gegenüber den neuen Anbietern von E-Autos zeigt sich nicht beim eigentlichen Geschäft der Autohersteller. Tesla ist im direkten Vergleich mit Daimler, VW und BMW in Sachen Autoverkäufe noch nicht der Rede wert und das chinesische Start-Up Nio beginnt gerade erst mit der Produktion. Das US-Unternehmen von Visionär und selbsternanntem „Technoking of Tesla“ Elon Musk stieg jedoch innerhalb von zwei Jahrzehnten zum wertvollsten Autobauer der Welt auf. Tesla weist aktuell eine Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 540 Milliarden Euro auf. Daimler ist dagegen an der Börse 78 Milliarden Euro wert.

Der deutliche Unterschied an der Börse ist für die Daimler AG ein entscheidender Nachteil. „Die unterschiedliche Börsenbewertung zu Konzernen wie Tesla wird für Daimler zu einem immer stärker wirkenden, strukturellen Nachteil“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), laut dem Handelsblatt. Der Stuttgarter Autobauer müsse seine Investitionen aus dem selbst generierten Cashflow schöpfen und obwohl die Mercedes-Aktie in der letzten Zeit stark anstieg, hat Tesla einen großen Vorsprung. „Tesla kann den Kapitalmarkt schier unendlich für seine Pläne und Projekte nutzen“, so Tüngler.

Daimler AG: „Projekt Fokus“ soll Nachteil ausbügeln - Experte zeigt sich skeptisch

Die Daimler AG nahm im vergangenen Krisen-Jahr letztendlich einen Milliardengewinn ein, der jedoch zahlreiche Arbeitsplätze forderte. Tesla, Nio und das Startup Xpeng sicherten sich durch den Verkauf von Aktien allein in einer Woche im Dezember 2020 9,7 Milliarden Euro und damit mehr, als Daimler durch den Free Cashflow im ganzen Jahr erwirtschaftete, berichtet das Handelsblatt. Mit der vor wenigen Wochen angekündigten Spaltung der Daimler AG will Konzernchef Ola Källenius nun zu den Herausforderern aufschließen. Unter dem Namen „Projekt Fokus“ soll die abgespaltene Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ebenfalls an die Börse gehen. „Die beabsichtigte Aufteilung unserer Industriegeschäfte soll das ganze Potenzial freisetzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Aus der heutigen Daimler AG entstehen demnach zwei DAX-Konzerne mit dem weltbekannten Mercedes-Stern. Analysten bewerten die Truck-Sparte der Stuttgarter mit einem Wert von 34 Milliarden Euro, Marc Tüngler warnt jedoch vor einer zu großen Euphorie, wie das Handelsblatt berichtet. Die geplante Konzernspaltung werde nur mit einer soliden Liquiditätsausstattung der Nutzfahrzeugsparte möglich sein. Das würde allerdings „das Portemonnaie der Pkw-Sparte schmerzlich belasten“, so Tüngler. Auch der Sparplan bei den Schwaben setzt die Zukunft einer ganzen Konzernsparte aufs Spiel.

Der große Konkurrent Tesla will dagegen bis 2030 20 Millionen E-Autos pro Jahr bauen und zieht deshalb weltweit Batterie- und Produktionswerke hoch. Das kann sich der E-Auto-Pionier durch den Aktienwert auch problemlos leisten. Die Daimler AG müsse dagegen „arg aufpassen“, sich nicht bald in der Rolle des Getriebenen wiederzufinden, sagte Tüngler.

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