Einsparungen gehen weiter

Daimler: CEO Källenius will trotz üppiger Gewinne Tausende Stellen streichen - „Schwäbisches Spar-Gen“

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG spricht während der Eröffnung im Werk "Factory 56".
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Trotz üppiger Gewinne im zweiten Quartal 2021 will Daimler-Chef Ola Källenius an dem strengen Sparplan festhalten.
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Die Daimler AG überrascht trotz Chipkrise und anhaltender Transformation mit einem hohen Gewinn im zweiten Quartal. Dennoch wollen die Schwaben an dem harten Sparplan festhalten.

Stuttgart - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr mit mehreren Rückschlägen zu kämpfen. Durch die Corona-Pandemie, den Dieselskandal und Altlasten war der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart zu einem noch strengeren Sparplan gezwungen, als von CEO Ola Källenius ursprünglich angekündigt. Auch die groß angelegte Transformation zur Produktion von E-Autos forderte Tausende Arbeitsplätze. Letztendlich überstand der schwäbische Autobauer das Krisenjahr jedoch besser als erwartet und nahm einen Milliardengewinn ein.

Vor einigen Wochen stellte die Daimler AG die E-Auto-Hoffnung EQS vor und auch der Absatz der Verbrenner-S-Klasse ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. So stark, dass der Autobauer im Zukunftswerk in Sindelfingen sogar eine temporäre Nachtschicht einführen musste. Der weltweite Lieferengpass von wichtigen Halbleiterkomponenten macht jedoch auch Daimler seit längerer Zeit zu schaffen. Trotz dieses Rückschlags machte Daimler erneut einen überraschend hohen Gewinn im zweiten Quartal 2021, wie der Konzern kürzlich anhand der vorläufigen Zahlen mitteilte. Daimler-Chef Ola Källenius will jedoch trotz üppigem Gewinn an dem strengen Sparplan festhalten, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: Trotz Gewinn - Konzern soll weiter entschlackt werden

Der Stellenabbau bei der Daimler AG dauert nun bereits seit vielen Monaten an. Weil die Produktion von E-Autos deutlich weniger Personal benötigt als die bisherige Montage der Verbrenner-Modelle, verkleinert der Konzern seine Belegschaft an den Standorten weltweit drastisch. Zudem fordert der Fokus auf die E-Mobilität und der entsprechenden Software auch die Fähigkeiten von Spezialisten. Daimler sucht 3.000 neue Mitarbeiter mit besonderen Qualifikationen. Die bisherigen Tätigkeiten vieler Mitarbeiter entfallen im Gegenzug jedoch.

Die Chipkrise in der weltweiten Autoindustrie bereitete der Daimler AG zusätzliche Probleme. Nachdem die Werke in Bremen und Raststatt temporär stillstanden und die Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt wurden, stand auch die Daimler-Hightech-Fabrik in Sindelfingen nur 10 Monate nach Eröffnung wieder still. Aktuell musste Daimler wieder 1.000 Mitarbeiter in Bremen in die Kurzarbeit schicken. Obwohl der Konzern dennoch einen höheren Gewinn erzielte, als von Analysten zuvor vermutet, soll das Unternehmen weiter entschlackt werden, wie die dpa berichtet.

Daimler AG: Strenger Sparplan soll aufgrund der Transformation weiter verfolgt werden

Trotz der üppigen Gewinne im zweiten Quartal 2021 will die Daimler AG den eingeschlagenen Sparplan nicht infrage stellen. „Weder können wir noch wollen wir das schwäbische Gen des Sparens aufgeben“, sagte CEO Ola Källenius am Mittwoch vor anwesenden Journalisten. Trotz guter Zahlen müsse der Autobauer auch weiterhin an der Effizienz arbeiten. Dadurch will der weltbekannte Konzern für die Aktionäre interessant bleiben. Zudem müsse das Unternehmen aktuell „erhebliche Milliardenbeträge“ für die Transformation zur E-Mobilität aufwenden, so Källenius.

Laut älteren Medienberichten will die Daimler AG 20.000 Stellen abbauen. Die dpa spricht sogar von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen die durch die Transformation wegfallen sollen. Durch den massiven Stellenabbau war die Stimmung bei Daimler am Boden und die Mitarbeiter „zu Tode erschreckt“. Betriebsratschef Michael Brecht richtete bereits vor Monaten deutliche Worte an den Vorstand des Autobauers. Obwohl die Daimler AG laut den am heutigen Mittwoch vorgelegten finalen Zahlen für das zweite Quartal 2021 die Erwartungen deutlich übertraf, fordert die Umrüstung zum E-Auto-Hersteller jedoch auch in Zukunft Personaleinsparungen.

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