Große Rückrufaktion

Gefährlicher Software-Fehler: Daimler ruft über eine Million Mercedes-Modelle zurück

Ein weißes Modell der aktuellen Mercedes-Benz S-Klasse bei der Fahrdemonstration in Immendingen.
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Die Daimler AG muss aufgrund eines Software-Fehlers 1,3 Millionen Autos zurückrufen - auch die S-Klasse ist betroffen.
  • Julian Baumann
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In den modernen Fahrzeugen wird Software immer wichtiger. Die Daimler AG muss nun in den USA rund 1,3 Millionen Mercedes-Modelle zurückrufen - wegen eines gefährlichen Fehlers.

Stuttgart - Die Daimler AG machte in jüngster Zeit mit einer Hammer-Nachricht von sich reden. Der weltbekannte Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart wird sich zukünftig in zwei Unternehmen spalten. Unter dem Namen Mercedes-Benz AG sollen am Standort Untertürkheim weiterhin Autos und Vans produziert werden, während die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ebenfalls eigenständig an die Börse gehen soll. Bei dem Autohersteller hat sich in den vergangenen Monaten bereits vor der Nachricht der Spaltung einiges geändert. Daimler setzt verstärkt auf die E-Mobilität und baut dadurch massiv Stellen an Standorten weltweit ab.

Neben dem Fokus auf den elektrischen Antrieb treibt die Daimler AG auch im Bereich der Software die Forschung voran. Die Daimler AG sagte Tesla mit einer neuen Erfindung den Kampf an. Mit dem eigenen Betriebssystem MB.OS will Daimler die Entwicklung der Auto-Software vorantreiben, sagte CEO Ola Källenius im vergangenen Jahr.

Inzwischen hat der schwäbische Autobauer die Entwicklung deutlich ausgeweitet. Die moderne Software versetzt Daimler nun jedoch einen harten Schlag. Der Autobauer ruft in den USA rund 1,3 Millionen Mercedes-Modelle aufgrund eines Software-Fehlers zurück, wie unter anderem der Spiegel berichtet.

Daimler AG: Mercedes-Benz Notruf bereits im Jahr 2012 gestartet

Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr mit Problemen zu kämpfen. Die groß inszenierte Vorstellung der neuen Mercedes-S-Klasse in der Factory 56 in Sindelfingen sollte die Wende bringen. Daimler musste jedoch die groß angekündigte S-Klasse zurückrufen. Bei rund 1.400 Fahrzeugen des Flaggschiffs waren offenbar falsche Komponenten eingebaut worden, die das Lenken stark beeinträchtigten. Nun muss die Daimler AG jedoch eine sehr viel größere Menge an unterschiedlichen Mercedes-Modellen in den USA zurückrufen. Grund dafür ist eine fehlerhafte Software, die jedoch nicht neu ist.

Autounfälle sind auf den deutschen Straßen leider an der Tagesordnung. Gerade durch die aktuell winterlichen Wetterbedingungen und vermehrte Straßenglätte durch gefrierende Nässe häufen sich die Meldungen. Die Daimler AG startete deshalb bereits im Jahr 2012 den sogenannten „Mercedes-Benz Notruf“.

Vor Verkehrsunfällen habe jeder Angst, noch schlimmer sei jedoch die Vorstellung, selbst keine Hilfe holen zu können und nicht gefunden zu werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Daimler AG. „Der Mercedes-Benz Notruf verständigt nach einem schweren Crash direkt die Rettungsdienste.“ Genau das scheint nun bei einigen Fällen in Europa nicht funktioniert zu haben, wie der Spiegel berichtet.

Daimler AG: Rückruf wegen möglichen Software-Problemen

Mit dem Mercedes-Benz Notruf der Daimler AG kann zwar kein Verkehrsunfall verhindert werden, die Software schickt die Rettungskräfte allerdings direkt zu der Unfallstelle und kann somit im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden. Laut der Nachrichtenagentur AP habe es allerdings in Europa einen Vorfall gegeben, bei dem der Mercedes die Helfer an einen vollkommen falschen Ort geschickt hatte, wie auch hna.de* berichtet.

Nach weiteren Nachforschungen seien auch ähnliche Fälle aufgedeckt worden, laut der Agentur jedoch allesamt außerhalb der USA, wie der Spiegel berichtet. Die möglicherweise fehlerhafte Software könnte demnach im Falle eines Crashs wertvolle Zeit kosten, da die Rettungskräfte einen falschen Standort mitgeteilt bekommen.

Der Mercedes-Benz Notruf verständigt nach einem Unfall direkt die Rettungskräfte und teilt den genauen Standort mit.

Um diesem, möglicherweise fatalen Risiko zuvorzukommen, ruft die Daimler AG nun also vorsorglich rund 1,3 Millionen Modelle von Mercedes-Benz in den USA zurück in die Werkstatt. Wie auch bei der S-Klasse sollen die Fahrzeuge ein kostenfreies Update bekommen. Die betroffenen Besitzer sollen ab Anfang April von der Daimler AG benachrichtigt werden. „In den USA ist die Notruf-Funktion schon seit 1998 serienmäßig in allen Pkw verbaut“, schrieb der Stuttgarter Konzern im Jahr 2012. Demnach ist von dem Rückruf nicht nur eine bestimmte Autoklasse betroffen, sondern mehrere Baureihen der weltbekannten Marke Mercedes-Benz. Betroffen sind laut der Nachrichtenagentur AP die Modelle der Baureihe 2016 bis einschließlich 2021:

Mercedes-Benz CLA Mercedes-Benz GT
Mercedes-Benz CLS Mercedes-Benz SL
Mercedes-Benz GLAMercedes-Benz S-Klasse
Mercedes-Benz GLEMercedes-Benz A-Klasse
Mercedes-Benz GLS Mercedes-Benz B-Klasse
Mercedes-Benz GLB Mercedes-Benz C-Klasse
Mercedes-Benz GLCMercedes-Benz E-Klasse
Mercedes-Benz SLC Mercedes-Benz G-Klasse

(Quelle: AP)

Demnach muss das erst im vergangenen Jahr vorgestellte Flaggschiff der Daimler AG die S-Klasse, nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate in die Werkstatt zurückgerufen werden. Die elektrische Version EQS wird bereits mit Spannung erwartet und soll durch eine neue Software-Architektur zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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