Mercedes soll nachhaltiger werden

Daimler AG plant Bau von völlig neuer Fabrik

Eine Mercedes-Benz S-Klasse S 500 4MATIC der Baureihe 223.
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Luxusmodelle wie die Mercedes S-Klasse könnten künftig auch zum Teil aus recycelten Bauteilen produziert werden.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG plant eine neue Fabrik, die zukünftige Modellgenerationen nachhaltiger machen soll und auch die E-Auto-Strategie weiter vorantreibt.

Stuttgart - Die Daimler AG hat noch immer unter der weltweiten Chipkrise zu kämpfen, die durch Lieferengpässe von Halbleiterkomponenten ausgelöst wurde. Die bald eigenständige Tochter-Firma Mercedes-Benz konnte die Krise durch eine Luxusstrategie zumindest abfedern. Daimler priorisierte durch die begrenzte Verfügbarkeit der Komponenten die Produktion von Premiummodellen wie der S-Klasse und dem EQS und stoppte temporär die Herstellung der E-Klasse. Insgesamt konnte der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart für lange Zeit unzählige Automodelle nicht fertig produzieren und ausliefern. Aktuell leidet vor allem die Lkw-Sparte Daimler Truck noch immer massiv unter diesem Problem.

Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG will der Konzern eine solche Krise zukünftig vermeiden. Dafür plant der Autobauer eine völlig neue Fabrik, wie Ola Källenius auf dem Autogipfel des Handelsblatts sagte. Dieses Werk, zu dessen Standort der Konzernchef noch keine weiteren Angaben machte, soll die Herstellung der Autos mit Stern künftig nachhaltiger machen und kommt auch der stark priorisierten E-Auto-Strategie zugute, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Daimler AG: Mercedes-Modelle künftig zum Teil aus wiederverwerteten Komponenten

Dass sogenannte PET-Getränkeflaschen nach der Rückgabe eingeschmolzen und die Materialien dadurch wiederverwendet werden, ist bekannt und alltäglich. Bei den Luxus-Modellen der Daimler AG ist ein solches Vorgehen jedoch zunächst befremdlich. Die Marke Mercedes-Benz steht seit jeher für Luxus und Qualität in einer gehobenen Preisklasse. Die neuen Fahrzeuggenerationen sollen künftig jedoch zum Teil auch aus wiederverwerten Komponenten gebaut werden. Dafür errichten die Schwaben eine neuartige Fabrik. „Wir werden selbst eine Recyclingfabrik bauen, damit wir diese Technologie beherrschen und auch können“, erklärte Ola Källenius auf der Branchensitzung des Handelsblatts.

Die Daimler AG wolle nach Angaben des Konzernchefs die Anteile an wiederverwerteten Komponenten in den Mercedes-Modellen schrittweise erhöhen. Källenius sprach dabei auch die Batteriefertigung an. In Gaggenau (Kreis Rastatt) in Baden-Württemberg errichtet Daimler bereits eine Fabrik, die den größten Makel von E-Autos ausmerzen soll. Dabei handelt es sich um eine reine Batterierecyclingfabrik. Daimler kündigte vor einigen Wochen an, ab 2030 nur noch batteriebetriebene Autos bauen zu wollen, für die Strategie wird demnach eine große Menge an Batteriezellen für die Produktion benötigt. Diese sollen in Zukunft nicht nur in acht Daimler-Gigafabriken neu hergestellt, sondern auch recycelt und wiederverwendet werden.

Daimler AG: Eigene Recyclingfabrik könnte auch erneute Chipkrise abfedern

Die aktuelle Chipkrise in der Autoindustrie betrifft nicht nur die Autobauer wie die Daimler AG, sondern auch besonders die Zulieferer. Da die Hersteller von Fahrzeugkomponenten durch den Lieferengpass ihre Bauteile nicht fertig produzieren können, verzögert sich die gesamte Produktionskette. Daimler wollte Kunden bereits unfertige Autos verkaufen, erlitt jedoch eine Bruchlandung. Mit einer eigenen Recyclingfabrik könnten die Stuttgarter solche Engpässe in Zukunft zumindest verringern, indem Bauteile nicht nur neu geliefert, sondern auch aus alten Teilen recycelt werden.

Bei der Branchensitzung des Handelsblatts sagte der Chef der Daimler AG, dass die Chipkrise auch im kommenden Jahr Probleme bereiten werde. Die Auswirkungen des anhaltenden Lieferengpasses betraf nicht nur den Konzern und die Kunden, die länger auf ihre Modelle warten mussten, sondern besonders auch die Daimler-Mitarbeiter. Diese mussten im Laufe der vergangenen Monate an mehreren Standorten immer wieder in die Kurzarbeit. Laut Ola Källenius müssen die Mitarbeiter bis 2023 zittern.

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