Autobauer in der Kritik

Daimler ignoriert eine wichtige Alternative zum E-Auto - Verkehrsminister warnt

Der Mercedes GLC F-Cell fährt auf einer Landstraße
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Die Daimler AG übergab 2018 den Mercedes GLC F-Cell mit Brennstoffzelle an ausgewählte Kunden
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    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG setzt inzwischen massiv auf die E-Mobilität. Laut dem baden-württembergischen Verkehrsminister fehlt dem Autobauer allerdings oft der Mut, innovative Wege konsequent zu gehen.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich im Wandel und stellt die Produktion in vielen Werken auf die E-Mobilität um. Durch die Umstrukturierung soll beispielsweise eines der wichtigsten deutschen Werke massiv eingedampft werden und auch das Werk in Berlin stellt nach 118 Jahren die Produktion von Verbrennern ein. Experten sind seit langem der Meinung, dass der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart den E-Auto-Trend verschlafen habe und nicht zuletzt deshalb der Konkurrenz hinterherhinke.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) sieht das jedoch anders. Ihm zufolge ist der Stuttgarter Autobauer bei Innovationen immer vorne dabei, ihm fehle jedoch oft der Mut, den Weg dann konsequent zu gehen. In einem Interview mit dem ADAC sprach Herrmann über die E-Mobilität und warum sich die Daimler AG ein Beispiel an Toyota nehmen sollte.

Daimler AG: Fokus auf E-Mobilität und Aufgabe bewährter Technologien

Die Daimler AG ist weltweit vor allem für die Marken von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bekannt und einer der Grundpfeiler der deutschen Automobilindustrie. Der Stuttgarter Konzern kündigte an, die Marke wieder auf Luxus ausrichten zu wollen. Die neue Mercedes-Strategie führte jedoch zu Kritik. Der Fokus liegt bei Daimler aktuell jedoch klar bei der Umstrukturierung auf die E-Mobilität. Die Produktion von Verbrennern soll dagegen nach China verlegt werden.

Während der US-Konkurrent Tesla als E-Auto-Pionier gilt, hinkt der Erfinder des Automobils nach Meinung von Experten bei der Energiewende hinterher. Winfried Herrmann sieht das Problem jedoch eher in der Aufgabe anderer Technologien. „Wir können es uns nicht leisten, irgendeine Technologie, schon gar nicht die Brennstoffzellen-Technologie, liegenzulassen“, sagte der Verkehrsminister im Gespräch mit dem ADAC.

Er habe vor einiger Zeit einen Mercedes der Daimler AG mit Brennstoffzelle von Konzernchef Ola Källenius als Dienstwagen erhalten. „Ich bin mit dem Auto noch kein Jahr gefahren, da hat Daimler verkündet: Diesen Antrieb setzen wir nur noch beim Lkw ein. Das ist zu kurzfristig gedacht“, so Herrmann.

Daimler AG: Hat der Konzern die Energiewende verschlafen? Winfried Herrmann ist anderer Meinung

Statt die Brennstoffzellen-Technologie aufzugeben und nur noch auf elektrische Antriebe zu setzen, solle sich die Daimler AG laut Winfried Herrmann ein Beispiel an Toyota nehmen. „Toyota dagegen denkt in Dekaden, dort wurde konsequent der Hybrid-Antrieb entwickelt - und heute gehen alle in diese Richtung“, sagt Hermann. Dass der Stuttgarter Konzern die Energiewende verschlafen habe, verneint der Verkehrsminister allerdings. „Daimler [...] ist technologisch oft vorne dran, hat dann aber nicht den Mut, dies konsequent durchzuziehen“.

Laut dem baden-württembergischen Verkehrsminister beobachtet die Daimler AG eher die Lage auf dem Automarkt, statt aktiv voranzugehen. „Unsere Unternehmen sind nicht die Spitze, aber sie fahren auch nicht hinterher. Für globalen Erfolg muss man allerdings wirklich spitze sein, gerade bei Zukunftstechniken“, sagte Winfried Herrmann im Gespräch mit adac.de. Im Hause Daimler sieht man die Lage offenbar jedoch anders. Der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Bischoff glaubt, dass die Daimler AG Tesla haushoch überlegen sei. „Tesla ist kein großer Konkurrent“, sagte der Manager.

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