Digitalisierung und E-Mobilität

„Daimler hat Tesla vor dem Bankrott gerettet“ - Ex-Digitalmanager des Autobauers mit deutlichen Worten

Ein Mercedes-Stern steht am Mercedes-Benz-Werk.
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Laut einem Ex-Digitalmanager hinkt die Daimler AG dem Konkurrenten Tesla nicht hinterher.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG befindet sich bei der Wende hin zum E-Auto im Konkurrenzkampf mit dem US-Konzern Tesla. Dass Daimler Tesla hinterherhinkt, sieht ein ehemaliger Daimler-Digitalmanager allerdings nicht so.

Stuttgart - Die Daimler AG richtet den weltbekannten Konzern aus Stuttgart aktuell auf die Produktion von E-Autos aus und steht nicht zuletzt deshalb inzwischen in direkter Konkurrenz zum E-Pionier Tesla aus den USA. Der Stuttgarter Autobauer kündigte an, neue Verbrenner nur noch in China produzieren zu wollen. Auch im ältesten deutschen Werk in Berlin soll die Produktion von Verbrennern eingestellt werden. Einige Experten sind der Meinung, die Daimler AG habe die Wende hin zur Elektromobilität verschlafen und hinke deshalb der Konkurrenz hinterher.

In der letzten Zeit gab es bei der Daimler AG immer wieder Reibungspunkte mit Tesla. So wanderte beispielsweise der Werksleiter der Fabrik in Berlin zu dem US-Konkurrenten ab, was bei der Belegschaft zu Unmut führte. Während Tesla-Chef Elon Musk keinen Konkurrenzkampf sieht und sich eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen könnte, fühlt sich der Stuttgarter Konzern Tesla aber noch immer überlegen. Auch ein ehemaliger Daimler-Digitalmanager sieht den Autobauer aus der Landeshauptstadt überhaupt nicht im Schatten des US-Herstellers, wie er in einem Podcast bei n-tv.de sagte.

Daimler AG: Autoindustrie in der Corona-Krise und die digitale Transformation

Die Daimler AG ist weltweit für die Marken von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bekannt und einer der wichtigsten Grundpfeiler der deutschen Autoindustrie. In einem Podcast mit n-tv.de sprach Sascha Pallenberg über die Digitalisierung, die Kommunikation und die E-Mobilität. Pallenberg war seit 2017 und bis Ende Dezember 2020 in der Unternehmenskommunikation bei Daimler tätig und betreute dort vor allem die sozialen Medien. Zum 1. Januar 2021 verließ er den Stuttgarter Konzern jedoch.

In Bezug auf die derzeitige Corona-Pandemie sieht der ehemalige Digitalmanager eine Vorbildrolle beim Autobauer. Die Daimler AG habe sehr schnell reagiert und Krisenstäbe aufgebaut. Wirtschaftlich gesehen ist die Situation für den Autobauer und die ganze Industrie eine Krise. „Wenn du dann einen Weltmarktführer für ein kleines Bauteil hast, der zum Beispiel zu der Zeit im Norden Italiens saß, dann hast du ein Problem“, sagte Pallenberg im Podcast „So techt Deutschland“ von n-tv.de.

Als Teil der Unternehmenskommunikation der Daimler AG hatte Sascha Pallenberg nach eigenen Angaben einen gewissen Überblick über die Entwicklungen und die Marken des Konzerns. In Bezug auf die viel besprochene digitale Transformation hat der Tech-Blogger ein klares Bild. „Ich glaube, digitale Transformation ist ein Buzzword“, sagte Pallenberg im Podcast. „Ich glaube, das ist etwas, um etwas zu beschreiben, was vor allen Dingen eine Art von Kulturwandel beschreiben soll.“ Digitalisierung sei keine Wandlung, die plötzlich aufgetreten sei.

Daimler AG: Der Konkurrenzkampf mit Tesla - Stuttgarter Konzern ist sehr gut positioniert

In Bezug auf die Konkurrenzkämpfe der Daimler AG mit dem US-Konzern Tesla sprach Sascha Pallenberg zunächst über die Reichweite Teslas in den sozialen Medien. „Wenn Elon Musk einen Spruch rauslässt, dann hat der mit einem Tweet soviel Reichweite wie wir (die Daimler AG Anm.d.Red) wahrscheinlich für den ganzen Monat mit sämtlichen Social-Media-Aktivitäten zusammen haben.“ In dem Gespräch kommt das Thema auf die größer werdende Konkurrenz in Sachen E-Mobilität und autonomes Fahren zu sprechen. Der ein oder andere habe bereits den „Abgesang“ angestimmt. Das sieht der Ex-Daimler-Digitalmanager dagegen anders.

Laut Pallenberg sei die Daimler AG sehr gut positioniert. „Keine Automobilindustrie auf diesem Planeten investiert so viel in den Wandel in die Elektromobilität“, macht Pallenberg deutlich. „Allein bei Daimler hauen wir in den nächsten fünf Jahren für Forschung und Entwicklung 70 Milliarden raus, wir bauen ein weltweites Batterienetzwerk.“ An acht Standorten weltweit plane der Stuttgarter Autobauer laut dem Digitalmanager, Batterien zu produzieren. Der Handelsriese Amazon habe beispielsweise kürzlich 1.800 Mercedes E-Vans bestellt. „Weil wir da definitiv A. nicht nur Marktführer sind in diesem Bereich, sondern weil wir, glaube ich, sehr früh erkannt haben, wie wichtig die Elektromobilität ist“, so Pallenberg.

Daimler AG: Deutsche Modelle beherrschen den E-Auto-Markt in Deutschland - nicht Tesla

Die Daimler AG muss sich nicht zuletzt ständig mit dem US-Hersteller Tesla messen, weil der Konzern von Elon Musk als Pionier der E-Mobilität gilt. Laut Sascha Pallenberg liegt Tesla für das Gesamtjahr bei acht oder neun Prozent Marktanteil in Deutschland. Die traditionellen deutschen Modelle beherrschen den europäischen batterie-elektrischen Markt, sagte der ehemalige Digitalmanager im Podcast. Der Stuttgarter Konzern will bis 2039 das gesamte Unternehmen klimaneutral aufstellen. „Während in Grünheide ein paar Pfähle in den Boden gerammt wurden, haben wir eine komplett klimaneutrale Fabrik gebaut“, sagte Pallenberg. Er bezieht sich dabei auf die geplante Tesla-Gigafabrik in Brandenburg und die neue „Factory 56“ von Daimler in Sindelfingen.

Im PodcastSo techt Deutschland“ macht Sascha Pallenberg noch einmal deutlich, dass die Daimler AG in Sachen Energiewende seiner Meinung nach nicht hinterherhinkt. Man habe bereits vor vier, fünf Jahren angefangen, in die Entwicklung von E-Autos zu gehen. In den kommenden Jahren werden immer mehr elektrische Modelle von deutschen Herstellern auf den Markt kommen. „Ich sehe es nicht so, dass hier was verpasst wurde“, sagte Pallenberg. „Sondern ich sehe vor allen Dingen, dass man gestartet hat, wenn es Sinn macht.“ Man müsse sich nur die Bilanzen des vermeintlichen Marktführers anschauen und erkenne ganz klar, dass Tesla es bislang nicht geschafft habe, mit E-Autos Geld zu verdienen. Tesla verkaufe bislang hauptsächlich Zertifikate.

Die Daimler AG investierte in der Vergangenheit in Tesla und hielt auch Anteile an dem Konzern. Der frühere CEO Dieter Zetsche verkaufte die Anteile jedoch. „Es war nicht der US-Staat beziehungsweise die Behörden, die Tesla vor dem Bankrott gerettet haben, sondern Daimler“, sagte Sascha Pallenberg. Das habe Tesla-Chef Elon Musk auch selbst bestätigt.

Auch im Tesla Modell S seien wahnsinnig viele Komponenten von Mercedes verbaut. „Es ist nicht immer wichtig, der erste am Markt zu sein“, sagte der ehemalige Digitalmanager der Daimler AG. „Sondern ich glaube, es ist wichtig zu wissen, wann der Markt entsteht und wann du die Produkte anbieten kannst, die du gewinnbringend herstellen kannst und die auch qualitativ das hergeben, was die Kunden von dir erwarten“, so Pallenberg.

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