Orientierung an Tesla

Sechsstellige Summen: Daimler will mit großzügigen Boni weltweit Ingenieure anlocken

Ein Mitarbeiter der Daimler AG hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
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Daimler ist auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften. Denen bietet der Konzern neue Tarife und großzügige Boni.
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Die Daimler AG setzt ihren Fokus immer mehr auf E-Autos. Um Elektro-Ingenieure anzuwerben, bieten die Stuttgarter großzügige Boni und flexible Arbeitszeiten.

Stuttgart - Mit der elektrischen S-Klasse EQS hat die Daimler AG vor wenigen Wochen ihre E-Auto-Hoffnung ins Rennen geschickt. Damit will der Konzern sich auch als E-Autobauer etablieren. Der neue EQS „könnte Tesla verdrängen“. Elon Musk reagierte bereits auf die deutsche Bedrohung und kündigte ein neues E-Auto-Modell an. Der Wandel zur E-Mobilität forderte bei dem schwäbischen Traditionsunternehmen jedoch bereits viele Arbeitsstellen. Die Massenkündigungen sind gefährlich, denn Daimler verliert dadurch seine größte Waffe. In den vergangenen Monaten wanderten einige hochqualifizierte Mitarbeiter zur Konkurrenz ab. Daimler zahlt sogar hohe Summen an die Mitarbeiter, damit sie den Konzern verlassen.

Um den Wandel zur E-Mobilität voranzutreiben und die Flotte an E-Autos weiter auszubauen, muss die Daimler AG jedoch auch neues Fachpersonal anwerben. Gefragt sind vor allem Elektro-Ingenieure und Software-Spezialisten. Denn neben dem Elektromotor wird auch die Fahrzeugsoftware in den Autos immer wichtiger. Im EQS ist beispielsweise der größte Bildschirm verbaut, der je in ein Mercedes-Modell eingebaut wurde. Um das dringend benötigte Fachpersonal zu überzeugen, bietet die Daimler AG großzügige Boni und flexible Arbeitszeiten für die Ingenieure, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: Internationale Fachkräfte für den schwäbischen Konzern

In der Autoindustrie stellt sich in letzter Zeit ein deutlicher Wandel ein, auch bei der Daimler AG. Langjährige Mitarbeiter, die zuvor an den Verbrenner-Modellen arbeiteten, werden auf einmal entbehrlich. Ein internes Jobportal soll Angestellte auffangen, deren Tätigkeiten entfallen und ihnen ihren Qualifikationen entsprechend neue Aufgaben zuteilen. Das Portal führte bei der Belegschaft jedoch zu einiger Kritik. Es sei „ein Albtraum, aus dem man nicht erwacht“, sagten Daimler-Mitarbeiter kürzlich. Während viele traditionelle Tätigkeitsfelder wegfallen, entstehen jedoch auch neue, die immer wichtiger werden. Elektro-Ingenieure und Software-Spezialisten werden in der Branche als „Diamanten“ bezeichnet, berichtet Business Insider.

Nicht nur die Daimler AG und andere große deutsche Autobauer wie VW und BMW setzen auf die E-Mobilität. Die E-Autos werden weltweit als Zukunft des Automobils angesehen. Dementsprechend schwer ist es derzeit, geeignetes und internationales Fachpersonal für den eigenen Konzern anzuwerben. Die Stuttgarter wollen deshalb neue Tarifverträge und großzügige Boni für Elektro-Ingenieure beschließen, sagte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage der dpa. In den kommenden Wochen sollen die neuen Verträge und Zuschüsse beschlossen werden.

Projektorientiertes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten: So lockt die Daimler AG Fachkräfte

Die Daimler AG blickt in der Automobilindustrie auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurück. Nicht umsonst gilt der Stuttgarter Konzern als einer der bekanntesten und wichtigsten Autobauer der Welt. Dadurch sind die Strukturen des Unternehmens nach Meinung einiger Mitarbeiter jedoch auch sehr festgefahren oder sogar veraltet. Einige Daimler-Spitzenkräfte zog es deshalb zu Tesla ins Silicon Valley, da die Entscheidungswege dort offenbar deutlich kürzer sind. Ein ehemaliger Daimler-Ingenieur war von seinem Gang zu Tesla allerdings enttäuscht.

Mit den neuen Verträgen für Elektro-Ingenieure und Software-Spezialisten will die Daimler AG nun offenbar auch die festgefahrenen Strukturen aufweichen. Die Stuttgarter wollen sich dabei am E-Auto-Pionier Tesla orientieren, die seit einiger Zeit Ingenieure von Stuttgart nach Kalifornien ziehen. Laut der dpa bietet der Autobauer ein projektorientiertes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten, die sich die Fachkräfte selbst einteilen können. Die Schwaben wollen damit nicht nur deutsche Ingenieure, sondern vor allem auch internationale Spezialisten überzeugen, für die Marke mit dem Stern zu arbeiten.

Daimler AG: Pilotprojekt am Zukunftsstandort Sindelfingen bereits diesen Sommer

Die Gehälter bei der Daimler AG können sich zwar durchaus sehen lassen, die meisten Tarife werden jedoch nach dem Vertrag der Gewerkschaft IG Metall geschlossen. Für die Fachkräfte im Bereich Elektro und Software sollen die Gehälter zukünftig jedoch international wettbewerbsfähig sein, berichtet Business Insider. Zudem plant der Konzern großzügige Boni für den erfolgreichen Abschluss eines Projektes. Die Summen könnten sich im sechsstelligen Bereich bewegen, bislang sind die genauen Details allerdings noch nicht festgelegt.

Die Daimler AG stellte im vergangenen Jahr zum einen die neue S-Klasse vor, weihte zugleich jedoch auch die modernste Fabrik des Autobauers, die „Factory 56“ in Sindelfingen (Kreis Böblingen) ein. An diesem Standort wird neben der Verbrenner-S-Klasse auch das elektrische Pendant EQS gefertigt. Noch in diesem Sommer will Daimler am Standort Sindelfingen ein Pilotprojekt starten, berichtet Business Insider. Dort sollen die neuen Tarifverträge für die Elektro-Ingenieure und Software-Spezialisten erstmals zum Einsatz kommen.

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