E-Autos

„Das ist nur der Anfang“: Daimler verändert E-Auto-Strategie dramatisch

Daimler-Chef Ola Källenius mit elektrischen Modellen der Marke Mercedes-Benz.
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Die Daimler AG will die E-Auto-Strategie weiter beschleunigen. Im Jahr 2025 sollen alle Mercedes-Modelle auch in einer rein elektrischen Version verfügbar sein.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG beschleunigt die Transformation zur E-Mobilität deutlich und will ab 2025 nur noch elektrische Autos bauen.

Stuttgart - Der Druck auf die deutsche und europäische Autoindustrie wächst. Die EU fordert bereits seit langem eine Abkehr vom Verbrenner und auch die Grünen in Deutschland wollen zudem eine CO2-neutrale Produktion. Die Daimler AG setzt ihren Fokus seit einiger Zeit stark auf die Herstellung von E-Autos und stellte vor einigen Wochen das elektrische Flaggschiff EQS vor. Um dem Verbrenner-Ende zuvorzukommen, kündigte Daimler-Chef Ola Källenius bereits an, die Transformation deutlich beschleunigen zu wollen. Källenius bereitet den Konzern auf den Extremfall vor. So soll die neue Generation der elektrischen Baureihe EQ ein Jahr früher als geplant auf den Markt kommen.

Im Bereich der E-Autos wird die Konkurrenz für den Stuttgarter Autobauer Daimler AG immer größer. Der Konzern kündigte deshalb am Donnerstag, 22. Juli an, die Transformation noch mehr beschleunigen zu wollen. Aus dem bisherigen Ziel „Electric first“ wird somit „Electric only“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Demnach will Daimler ab dem Jahr 2025 nur noch neue, rein elektrische Fahrzeug-Architekturen einsetzen. Zudem soll die Produktion des bekannten Autobauers bis zum Ende des Jahrzehnts „voll elektrisch“ sein.

Daimler AG schärft E-Auto-Fahrplan nach - drei neue Architekturen geplant

Im Zuge der Transformation zur E-Mobilität baut die Daimler AG viele Standorte für die Produktion von E-Autos um. Das hat allerdings auch gravierende Folgen für die Mitarbeiter des Autobauers. Obwohl Daimler im zweiten Quartal 2021 einen überraschend hohen Gewinn erzielte, hält CEO Ola Källenius an dem strengen Sparplan fest. Der Konzern will insgesamt rund 20.000 Arbeitsstellen im Zuge des Wandels abbauen. Nun schärfte Daimler den E-Auto-Fahrplan noch deutlich nach und will sich noch früher vom Verbrenner verabschieden als bisher geplant.

Für die beschleunigte Transformation zum E-Autobauer hat die Daimler AG große Pläne. Mit der vollelektrischen Luxuslimousine EQS entwickelte der Autobauer seinen ersten Pkw auf einer speziellen E-Auto-Architektur. Die vorherigen E-Auto-Modelle EQA und EQC basierten dagegen auf umgerüsteten Verbrenner-Architekturen. Im Zuge der heutigen Pressekonferenz kündigte der Autobauer drei neue E-Auto-Architekturen für das Jahr 2025 an.

  • MB.EA: Für alle mittelgroßen und großen Pkw-Baureihen.
  • AMG.EA: Elektro-Architektur, die auf Spitzenleistungen und Kunden von Mercedes-AMG ausgelegt ist.
  • VAN.EA: Für Vans und leichte Nutzfahrzeuge.

(Quelle: Daimler AG)

Daimler AG will mehr als 40 Milliarden Euro in E-Autos investieren

Mit der zu Beginn des Jahres vorgestellten neuen C-Klasse verbannte die Daimler AG nicht nur den Mercedes-Stern von der Motorhaube, sondern setzte auch zum letzten Mal voll auf den Verbrenner. Das Modell verfügt jedoch als Plug-in-Hybrid ebenfalls über einen batteriebetriebenen Motor. Bis 2025 soll jedoch jedes Mercedes-Modell auch rein elektrisch verfügbar sein, heißt es in der Pressemitteilung. Um dieses Vorhaben zu erreichen, will der Autobauer zwischen 2022 und 2030 mehr als 40 Milliarden Euro für die E-Auto-Produktion aufwenden.

Im Zuge der beschleunigten Transformation plant die Daimler AG zukünftig sogar selbst Batteriezellen herstellen. Der Stuttgarter Konzern hatte sich lange dagegen gewehrt und sich auf externe Zulieferer verlassen. Da Mercedes-Benz laut eigenen Angaben eine Batteriekapazität von über 200 Gigawattstunden benötigt, sollen weltweit acht Gigafabriken zur Zellproduktion errichtet werden. „Diese Kapazitäten ergänzen das bereits geplante Netzwerk von neun Werken zur Produktion von Batteriesystemen“, heißt es in der Mitteilung.

Daimler AG: „EQS als wegweisendes Flaggschiff nur der Anfang dieser neuen Ära“, sagt Källenius

Im Herbst 2020 kündigte die Daimler AG den Margenplan für die Transformation zum E-Auto und dem Erreichen der CO2-Ziele an. Demnach sollte der Anteil an Hybrid- und E-Auto-Modellen bis zum Jahr 2025 25 Prozent des Gesamtabsatzes ausmachen. An diesem Ziel will Daimler laut der Pressekonferenz am Donnerstag auch weiterhin festhalten. Deshalb soll unter anderem der Nettoumsatz pro Fahrzeug angehoben werden, „zum Beispiel durch einen höheren Anteil von High-End-Elektrofahrzeugen, etwa von Mercedes-Maybach und Mercedes-AMG.“

Laut dem Chef der Daimler AG ist die Hauptaufgabe der Transformation den Kunden mit überzeugenden Produkten den Wechsel zur E-Mobilität schmackhaft zu machen. „Für Mercedes-Benz ist der EQS als wegweisendes Flaggschiff nur der Anfang dieser neuen Ära“, so Ola Källenius laut der Pressemitteilung. Die verschärften CO2-Ziele und die beschleunigte E-Auto-Transformation wird jedoch auch den Wandel in der Produktion beschleunigen. Källenius sagte bereits, die CO2-Ziele einzuhalten sei wichtiger, als Jobs zu retten.

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