Hunderten droht Jobverlust

„Schlag ins Gesicht“: Weil Daimler abspringt, muss Zulieferer ein ganzes Werk schließen - und 270 Stellen streichen

Ein Mitarbeiter von Daimler geht am Mercedes-Benz Werk Untertürkheim zum Schichtwechsel vor einem Mercedes-Stern in Richtung Werk.
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Die Daimler AG ist für viele Zulieferer ein wichtiger Kunde.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG befindet sich in der Krise. Durch einen Absprung muss ein Zulieferer jetzt ein ganzes Werk schließen und wohl Hunderten Mitarbeitern kündigen.

Stuttgart - Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart hat schwer unter der Corona-Krise zu leiden und zieht dadurch auch den ein oder anderen Zulieferer mit in die Krise. Der Daimler-Zulieferer Mahle, der seinen Sitz ebenfalls in Stuttgart hat, kündigte 7.600 Entlassungen an und auch Mann + Hummel aus Ludwigsburg baut durch die Krise massiv Stellen ab. Die ZF Friedrichshafen AG musste ein Werk dagegen wegen einem Corona-Ausbruch schließen.

Nun sprang der Stuttgarter Autokonzern als Hauptkunde des Unternehmens Schweizer Group ab. Der Zulieferer aus Hattenhofen (Kreis Göppingen) muss deshalb wohl nun endgültig ein ganzes Werk schließen und 270 Mitarbeiter entlassen.

Die Daimler AG selbst baut ebenfalls an vielen Werken drastisch Arbeitsplätze ab. So soll beispielsweise das Stammwerk in Untertürkheim massiv eingestampft werden und der Standort in Berlin-Marienfelde stellt nach 118 Jahren die Produktion von Verbrennern ein. Diese Maßnahmen haben jedoch nicht direkt etwas mit der Corona-Krise zu tun, sondern sind der groß angelegten Umstrukturierung der Daimler AG auf die E-Mobilität geschuldet. Der Zulieferer Schweizer Group hatte jedoch selbst massiv mit den Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft zu kämpfen und verliert nun seinen Hauptkunden, wie teckbote.de berichtet.

Daimler AG: Absprung des Stuttgarter Konzerns bedeutet Aus für Zulieferer

Der Rückzug der Daimler AG als Hauptkunde der Schweizer Group sorgt für eine gedrückte Stimmung bei den Mitarbeitern des Hattenhausener Unternehmens. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Ende des Jahres wird für die meisten hier Schluss sein“, sagte Martin Purschke, der Gewerkschafts-Bevollmächtigte der IG Metall laut teckbote.de.

Bereits 2017 habe es einen ersten Personalabbau bei Schweizer Group gegeben, danach sei jedoch Besserung versprochen worden. Ende 2018 musste das Unternehmen, das hauptsächlich Druckgussteile aus Aluminium und Magnesium herstellt, erstmals Insolvenz anmelden. Neben Daimler, BMW und VW beliefert das Unternehmen, das ursprünglich in Backnang (Rems-Murr-Kreis) gegründet wurde, auch andere Daimler Zulieferer wie Mahle und ZF.

Laut Purschke gelte die Corona-Krise nicht als Entschuldigung für den Absprung der Daimler AG. Die Mitarbeiter der Schweizer Group seien in Kurzarbeit gegangen, dass nun auch der Hauptkunde den Stecker ziehe, finde er brutal. „Das Werk könnte laufen, aber wenn es zu ist, ist es zu“, sagte Purschke.

VW, ein weiterer wichtiger Kunde der Schweizer Group, habe der Belegschaft keine Sicherheit geben können und die Schließung des Werks in Kauf genommen, sagte er weiter. Durch den Absprung von Daimler sei die Schließung nun nicht mehr aufzuhalten. Insgesamt verlieren 270 Mitarbeiter an den Standorten Hattenhofen und Murrhardt (Rems-Murr-Kreis) ihren Arbeitsplatz.

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