Zukunft des Autobauers

Daimler-CEO Källenius: Aufspaltung soll „vor feindlichen Übernahmen schützen“ - gefährlicher Irrtum?

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG teil.
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Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, bei einer Bilanzpressekonferenz.
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Aus der heutigen Daimler AG sollen schon bald zwei eigenständige Unternehmen werden. Während CEO Ola Källenius damit Übernahmen verhindern will, ist ein Autoexperte gänzlich anderer Meinung.

Stuttgart - Bei der Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart wird sich schon bald einiges grundsätzlich ändern. Erst vor wenigen Tagen gab der weltbekannte Konzern bekannt, das Unternehmen in zwei eigenständige Unternehmen aufspalten zu wollen. Die Pkw- und Van-Sparte soll demnach unter dem Namen Mercedes-Benz AG weiterhin am Hauptsitz in Untertürkheim Autos produzieren und die E-Mobilität vorantreiben, während die Lkw- und Bus-Sparte als „Daimler Truck AG“ seinen Sitz ins Nahe Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) verlegt. Letztgenanntes Unternehmen soll dann ebenfalls eigenständig an die Börse gehen. Die Nachricht über die Spaltung des schwäbischen Autobauers löste ein großes mediales Echo aus und führte auch zu allerhand Spekulationen.

Durch die Spaltung der Daimler AG wird es in naher Zukunft kein eigenständiges Unternehmen mit dem Namen „Daimler“ mehr in der Stadt Stuttgart geben. Beide neuen Unternehmen sollen jedoch nach wie vor den weltbekannten Mercedes-Stern als Symbol verwenden. Vor allem die Mitarbeiter waren von der Nachricht „wie vom Blitz getroffen“, wie Betriebsratschef Michael Brecht der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sagte. Laut Brecht habe man die Belegschaft nur kurzfristig über die Entscheidung informieren können. Während Daimler-Chef Ola Källenius nach eigenen Aussagen durch die Spaltung den Konzern vor einer feindlichen Übernahme schützen will, sieht ein Autoexperte gerade jetzt eine mögliche Übernahme als besonders realistisch an, wie er dem Schwäbischen Tagblatt sagte.

Daimler AG: Laut CEO Ola Källenius soll die Spaltung „vor feindlichen Übernahmen schützen“

Die Daimler AG setzt inzwischen stark auf die E-Mobilität und stellt viele Werke weltweit auf die Produktion von E-Autos um. In diesem Jahr stellte der Autobauer bereits den elektrischen SUV EQA vor, der in den sozialen Medien jedoch gemischte Resonanzen hervorrief. Durch den Fokus auf die E-Autos steht der schwäbische Hersteller in direkter Konkurrenz zum US-Unternehmen Tesla. Der E-Auto-Pionier von Elon Musk ist aktuell wertvoller als alle großen deutschen Autobauer zusammen und könnte sogar die komplette Daimler AG schlucken. Die Aussicht auf eine mögliche Fusion versetzte die Mitarbeiter bereits in Angst.

Durch die Spaltung der Daimler AG in zwei eigenständige Unternehmen könnte man nun annehmen, die beiden Firmen seien für sich genommen für eine feindliche Übernahme deutlich anfälliger als der komplette Konzern. Daimler-CEO Ola Källenius sieht das jedoch anders. „Das sehe ich genau umgekehrt“, sagte er im Gespräch mit der FAZ. „Die Aufspaltung schützt uns gerade vor einer feindlichen Übernahme, Aktivisten kommen gerade dann, wenn sie Potential zur Wertsteigerung sehen, das ist nicht selten bei Konglomeraten der Fall.“ Auch nach der Spaltung sei die Pkw-Sparte mit einem Umsatz von rund 100 Milliarden Euro nicht gerade klein und auch die Nutzfahrzeug-Sparte sei mit 40 Milliarden Euro Weltmarktführer. „Deswegen sehe ich kein erhöhtes Risiko für Übernahmen“, so Källenius.

Daimler-Spaltung: Autoexperte sieht erhöhte Übernahme-Gefahr

Ein Autoexperte hat in Bezug auf die Spaltung der Daimler AG und einer drohenden feindliche Übernahme eines der Unternehmen eine deutlich andere Meinung als der Konzern-Chef der Stuttgarter. „Möglich, dafür gibt es viele Optionen“, sagte Frank Schwope, Analyst von LB Nord dem Schwäbischen Tagblatt. Zu den möglichen Kandidaten zählen beispielsweise auch das US-Unternehmen Tesla, aber auch der chinesische Investor Geely, der bereits Anteile an der heutigen Daimler AG besitzt.

Entgegen der Gerüchte vom vergangenen Jahr sieht Schwope eine Übernahme durch Tesla allerdings nicht als realistisch an. „Dass er [Elon Musk Anm.d.Red] sich die alte „Technologie“ und die große Mitarbeiterzahl von Mercedes-Benz ins Boot holt, von denen zahlreiche Beschäftigte bei der Umstellung auf Elektro-Antrieb überflüssig werden, glaube ich nicht.“

Dass sich Tesla mit der Daimler AG beziehungsweise der abgespaltenen Mercedes-Benz AG einen Hersteller ins Boot holt, der noch immer auf die Verbrenner-Technologie setzt, ist laut Frank Schwobe nicht der einzige Grund, der eine Übernahme durch Tesla eher unwahrscheinlich macht. „Zudem müsste sich Musk stärker mit der deutschen Politik und Verwaltung auseinandersetzen“, sagte er dem Schwäbischen Tagblatt. Viel wahrscheinlicher sei eine Übernahme durch Geely und dem zweiten chinesischen Investor BIAC. „Oder Daimler rückt mit Renault-Nissan enger zusammen, mit denen es schon eine wechselseitige Verknüpfung gibt“, so der Experte. Daneben könnte jedoch auch eine Übernahme durch einen anderen deutschen Autobauer im Bereich des Möglichen liegen, mit dem die Daimler AG bereits in der Vergangenheit Verknüpfungspunkte hatte, glauben Epxerten.

Daimler AG und BMW - wie wahrscheinlich ist eine Münchner Übernahme?

Die Daimler AG ging mit dem bayerischen Autobauer BMW bereits in der Vergangenheit eine Kooperation ein, die jedoch nicht den erhofften Erfolg brachte. Erst kürzlich erklärte der Daimler Technik-Chef, warum die Kooperation mit BMW scheiterte. Durch die Spaltung des Stuttgarter Konzerns könnten die Münchener nun jedoch zu einem neuen Versuch ansetzen. „Auch BMW wäre eine Möglichkeit [für eine Übernahme Anm.d.Red], das wäre politisch wahrscheinlich gewünschter als die chinesischen Unternehmen“, sagte Frank Schwobe. Im Falle einer Kooperation von Mercedes und BMW müsse auf beiden Seiten massiv Personal abgebaut werden, dafür liege bislang keine Notwendigkeit vor. „Aber es wäre wohl populärer als eine Übernahme durch Geely/Volvo oder Tesla.“

Bislang sieht der Vorstand der heutigen Daimler AG keine Gefahr durch eine feindliche Übernahme, wie auch die Aussage von Daimler-Chef Ola Källenius gegenüber der FAZ zeigt. „Am populärsten für Mercedes-Vorstand und Belegschaft ist aber nach wie vor die Stand-alone-Lösung“, sagte auch Frank Schwobe dem Schwäbischen Tagblatt. Der Analyst von LB Nord sieht eine Übernahme der Mercedes-Benz AG jedoch durchaus im Bereich des Möglichen, eine Übernahme durch Tesla hält er jedoch für unwahrscheinlich. „Wahrscheinlicher ist, dass Daimler mit Renault-Nissan zusammen gleiche Teile baut, im Bereich Elektromobilität zusammenarbeitet oder beim autonomen Fahren mit BMW gemeinsame Sache macht“, sagte Schwobe. „Eher erhöht aber Geely seinen Anteil, als dass Tesla einsteigt.“

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