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Daimler: Deal mit Amazon wird zur bitteren Enttäuschung

Amazon-Gründer mit Jeff Bezos neben dem Mercedes-Stern
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Amazon-Gründer Jeff Bezos zog Rivian der Daimler AG vor.
  • Berkan Cakir
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Daimler hat mit Amazon einen Deal geschmiedet, der sich jetzt als Enttäuschung entpuppt. Eine neue Entscheidung des Tech-Riesen stellt die bisherige Kooperation in Frage.

Update: Stuttgart - Im August 2020 erhielt die Daimler AG die erfreuliche Nachricht: Das US-Unternehmen Amazon bestellte beim schwäbischen Autohersteller 1.800 Elektro-Lieferwagen. Laut Business Insider ist der Auftrag aber nicht mehr als ein Wermutstropfen angesichts dessen, was hätte möglich sein können. Das Online-Portal berichtet, dass sich Tesla-Konkurrent Rivian einen größeren Deal der sichern konnte. Demnach beliefert das Automobilunternehmen aus Michigan den Online-Versandhändler mit 100.000 Elektro-Lieferwagen.

Bitter ist für die Daimler AG dabei vor allem, dass Amazon vor wenigen Jahren noch die Stuttgarter für den Auftrag in Erwägung zog. Nur vertrieb Daimler in den USA lediglich die Verbrenner-Version des Liefersprinters. Die Entscheidung, die E-Variante in die Vereinigten Staaten zu bringen, dauerte für CEO Jeff Bezos letztlich zu lange. Der Gründer von Amazon kaufte sich stattdessen für 700 Millionen US-Dollar bei Rivian ein, steckte in den Folgejahren mit Co-Investoren rund acht Milliarden Euro in das Projekt und baut seither die Lieferflotte weiter kräftig aus.

In den USA kommen die Fahrzeuge bereits zum Einsatz. Im Vergleich zum E-Sprinter der Daimler AG bieten die kleinen Trucks einige Vorteile. Zum einen ist da die größere Reichweite mit 250 Kilometern - rund 90 Kilometer mehr als der Stuttgarter Liefertruck. Zum anderen bietet der Rivian einige besondere Extras wie einem größeren Innenraum und Außenkamera-Optionen. Das einzige Manko im Vergleich zum Sprinter von Daimler scheinen die Fahrgeräusche zu sein, die der Lieferwagen von sich gibt. Augen- und Ohrenzeugen zufolge sei der Rivian auffällig laut - wie im Video deutlich wird.

Erstmeldung vom 1. September 2020: Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart hat nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie mit Problemen zu kämpfen. Das Unternehmen war einst führend und forscht bereits seit den 90ern an der Brennstoffzelle. Inzwischen setzt der Automobilhersteller jedoch vermehrt auf E-Mobilität.

Auch Mercedes-Benz Vans setzt bei den E-Sprintern künftig auf die Electric Versatility Plattform. Das bedeutet, dass die verschiedenen Van-Modelle künftig auf einer rein auf E-Mobilität fokussierten Basis aufgebaut werden. „Die nächste eSprinter Generation erlaubt verschiedene Aufbauvarianten“, sagt Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Vans in einer Pressemitteilung.  „Mit dieser Variabilität bringen wir die Vorteile des lokal emissionsfreien Warentransports in die unterschiedlichsten Branchen.“ Vom Krankenwagen über den People Mover bis zum Lebensmittel-Transporter können alle Fahrzeug-Arten auf der Plattform entwickelt werden.

Ein neuer Rekord-Deal kommt deshalb für das Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt. Daimler AG-Tochter Mercedes Benz ist jüngst einer Klimaschutz-Initiative beigetreten. Handelsriese Amazon und Global Optimism gründeten die Initiative „The Climate Pledge“ (Das Klimaversprechen), um bereits zehn Jahre vor dem Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens eine CO2-Neutralität aller unterzeichnenden Unternehmen zu erreichen. Mercedes-Benz unterstützt dieses Ziel mit dem Beitritt. Bereits Anfang Juli kündigte die Daimler AG an, eine Kooperation mit einem Unternehmen aus China zu verstärken.

Daimler AG und Amazon kooperieren bei der Mobilität von Morgen

Unternehmen, die der Initiative beitreten, setzen sich zum Ziel, das "Klimaversprechen" bereits im Jahr 2040 zu erfüllen. Sie verpflichten sich laut einer Pressemitteilung der Daimler AG zu folgenden Punkten.

  • Die Treibhausgasemissionen regelmäßig zu messen und zu veröffentlichen.
  • Dekarbonisierungsstrategien nach dem Übereinkommen von Paris durch Veränderungen und Innovationen im Unternehmen durchzusetzen - beispielsweise durch Effizienssteigerungen, den Einsatz erneuerbarer Energien oder Materialreduktionen.
  • Maßnahmen ergreifen, um die noch verbleibenden Emissionen durch zusätzliche Kompensation zu neutralisieren.

Daimler AG aus Stuttgart will bis 2040 komplett CO2-neutral sein

Auch Daimler-CEO Ola Källenius zeigt sich wegen des Deals mit Amazon erfreut.  „Bei Mercedes-Benz haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Transformation der Mobilität zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Durch unseren Beitritt zu ‚The Climate Pledge‘ bekräftigen wir unsere Ambition, den Weg in Richtung emissionsfreier Mobilität und nachhaltiger Fahrzeugproduktion konsequent weiterzugehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG.

„Gemeinsam mit Amazon, Global Optimism und den weiteren beteiligten Unternehmen verfolgen wir das Ziel, 2040 CO2-neutral zu sein – zehn Jahre früher, als es das Pariser Abkommen vorsieht“. Er freue sich, dass die Daimler AG mit diesem Schritt der Nachhaltigkeitsoffensive des Unternehmens noch mehr Schwung verleihen könne.

Amazon freut sich ebenfalls über die Kooperation mit dem Stuttgarter Autobauer. „Wir begrüßen die mutige Führungsrolle, die Mercedes-Benz mit der Unterzeichnung des Klimaversprechens und der Verpflichtung zu ehrgeizigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels bewiesen hat“, sagte Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon laut der Pressemitteilung der Daimler AG. „Wir brauchen weiterhin Innovationen und Partnerschaften mit Automobilherstellern wie Mercedes-Benz, um den Transportsektor zu dekarbonisieren und die Klimakrise zu bekämpfen“.

Daimler AG: Amazon bestellt große Mengen E-Transporter von Mercedes Benz

Im Rahmen der Kooperation schlossen die beiden Unternehmen Daimler AG und Amazon den bislang größten Auftrag für Mercedes-Benz Elektro-Fahrzeuge. Mehr als 1.800 batterieelektrisch angetriebene eVito und eSprinter von Mercedes-Benz Vans werden nach Angaben des Unternehmens noch in diesem Jahr an Amazon ausgeliefert und innerhalb Europas eingesetzt. „Die Erweiterung um 1.800 elektrische Lieferfahrzeuge ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg zum Aufbau der nachhaltigsten Transportflotte der Welt, und wir werden uns beeilen, diese Fahrzeuge noch in diesem Jahr auf die Straße zu bringen“, erklärte Amazon-CEO Bezos. Anfang August brachte die Daimler AG bereits ihre lang angekündigten E-Scooter auf die Straßen Deutschlands.

Mit dem eVito und dem eSprinter habe die Daimler AG und Mercedes-Benz Vans laut Angaben von Marcus Breitschwerdt, Leiter von Mercedes-Benz Vans, Elektrofahrzeuge, die sich durch Ausstattung und Reichweite bestens für die Anforderungen der Kurier-, Express- und Paketdienstbranche zur Auslieferung eignen. „Ich freue mich, dass wir unsere langjährige partnerschaftliche Beziehung mit Amazon weiter intensivieren und gemeinsam an der batterieelektrischen Zukunft des Transports arbeiten“, sagte er laut der Pressemitteilung.

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