Daimler-Aktie fällt

Ausverkauf bei Daimler: Teile der Autoindustrie wenden sich von Konzern ab

Ein Mercedes-Stern vor schmutzigen Geldscheinen
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Daimler AG: Nach Renault stellt auch Nissan seinen Anteil an den Aktien zum Verkauf - der Kurs der Schwaben sinkt.
  • Julian Baumann
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Die Aktie der Daimler AG stieg jüngst stark an. Nun verkauft nach Renault plötzlich auch Nissan seine Anteile am Konzern. Es folgt der große Absturz.

Stuttgart - Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie, Altlasten und der andauernden Diesel-Krise zu kämpfen. Letztendlich nahm der Stuttgarter Autokonzern jedoch einen Milliardengewinn ein, was vor allem dem starken Absatzaufschwung auf dem chinesischen Markt zu verdanken war. In den ersten Monaten des Jahres 2021 erfuhr der Aktienkurs des schwäbischen Traditionsherstellers einen starken Aufschwung. Die Stuttgarter konzentrieren sich aktuell auf die Produktion von E-Autos und stellten vor wenigen Wochen das vollelektrische Flaggschiff EQS vor. Laut den Zahlen des ersten Quartals 2021 verkauften Daimler und BMW doppelt so viele E-Autos wie im vergangenen Quartal.

Inzwischen wurde der Aufschwung der Aktie der Daimler AG jedoch stark gebremst. Wohl auch ein Grund: Der japanische Autohersteller Nissan steigt aus und stellte am Dienstagabend seinen Anteil von rund 16,4 Millionen Daimler-Aktien auf den Markt, wie das Handelsblatt berichtet. Erst im März hatte der französische Autobauer Renault ebenfalls seinen Anteil von 1,5 Prozent an der Daimler AG verkauft. Die Stuttgarter selbst wollen sich ohnehin anders orientieren und setzten auf eine engere Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern Geely.

Daimler AG: Nissan nimmt mit Verkauf der Aktien 1,15 Milliarden Euro ein

Im Kampf um die Vorherrschaft in der Automobilbranche sind Renault und Nissan eigentlich Konkurrenten der Daimler AG. Vor mehr als zehn Jahren stiegen die beiden Autokonzerne jedoch mit einem jeweiligen Anteil von 1,55 Prozent bei dem großen Autobauer aus Stuttgart ein, wie das Manager Magazin berichtet. Mit einer sogenannten Überkreuzbeteiligung wollten die drei Fahrzeughersteller eigentlich eine umfassende Partnerschaft untermauern. Die Daimler AG hält seit dem Jahr 2011 jeweils 3,1 Prozent der beiden Partner. Die Zusammenarbeit wurde jedoch schnell stark eingedampft. Beispielsweise beschränkte sich die groß angekündigte Partnerschaft mit Renault letztendlich nur auf das Van-und Truck-Segment der Schwaben.

Die Daimler AG hat die Aktienanteile an Renault und Nissan seit Langem in das Pensionsvermögen eingebracht. Aus diesem Pool werden die Betriebsrenten für die Daimler-Mitarbeiter gezahlt. Laut dem Manager Magazin sei dieses Vorgehen ein Signal, dass die Stuttgarter die Partnerschaften nicht mehr als strategisch ansehen. Nun stellte also nach Renault auch Nissan seinen Anteil an der Daimler AG zum Verkauf. Laut den beteiligten Banken werden die Aktien mit 69,85 Euro pro Stück veranschlagt. Das bedeutet einen Abschlag von 3,5 Prozent auf den Xetra-Schnellkurs. Der japanische Autohersteller Nissan nimmt durch den Verkauf der Daimler-Aktien also rund 1,15 Milliarden Euro ein, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Konzern will Partnerschaft mit Geely ausbauen

Durch den Absprung von Nissan ist der Aktienwert der Daimler AG deutlich gesunken. Der Stuttgarter Premiumhersteller, der vor allem für die Modelle von Tochter Mercedes-Benz bekannt ist, orientiert sich jedoch bereits neu. Der Konzern setzt stärker auf die Zusammenarbeit mit Geely, dem Unternehmen von Daimler-Großaktionär Li Shufu, wie das Handelsblatt berichtet. Gemeinsam soll etwa die Produktion von Motoren und vom elektrischen Kleinwagen Smart vorangetrieben werden. China ist seit Langem der stärkste Markt für den Auto-Pionier aus Stuttgart, in China boomt vor allem der Handel mit Luxusautos.

Während die Autobauer Renault und Nissan mit jeweils 1,55 Prozent noch verhältnismäßig geringe Anteile an der Daimler AG hatten, machen die Anteile von Li Shufu und dem Pekinger Staatskonzern BAIC insgesamt fast 15 Prozent aus. Nach dem Absprung von Nissan will die Daimler AG die Zusammenarbeit mit Geely weiter ausbauen. „Wir haben mit Geely-Gründer Li Shufu einen zweiten Shareholder aus China, der sehr visionär und fortschrittlich denkt und die automobile Zukunft ebenfalls in Daimler sieht“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius Ende vergangenen Jahres bei einem Auto-Gipfel des Handelsblatts. „Das ist ein neuer und sehr guter Partner, mit dem wir beispielsweise den Smart weiterentwickeln. Da sehe ich Potenzial für mehr“.

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