Neue Ära beginnt

Daimler AG ist Geschichte: Den Konzern, wie ihn alle kannten, gibt es nicht mehr

Der Mercedes-Stern, der am Vortag vom Bahnhofsturm in Stuttgart abgebaut wurde, wird auf einem LKW zum Mercedes Museum transportiert.
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Die Spaltung ist vollzogen. Die Daimler AG soll im Februar in die Mercedes-Benz AG umbenannt werden.
  • Julian Baumann
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Es ist offiziell: Einer der größten und wichtigsten Autokonzerne der Welt ist Geschichte. Statt der Daimler AG gibt es nun zwei Unternehmen mit dem Stern.

Stuttgart - Es war eine regelrechte Hammernachricht, die die Medienwelt und dadurch auch die Autofans weltweit Mitte Juli dieses Jahres erschütterte. Die Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart hatte damals angekündigt, sich in zwei unabhängige Unternehmen aufspalten zu wollen. Durch das ambitionierte Vorhaben mit dem Projektnamen „Fokus“ sollte die Lkw-Sparte aus dem bisherigen Dachkonzern herausgelöst werden. Dieser Entscheidung stimmten die Aktionäre des schwäbischen Großunternehmens einheitlich zu. Das Ende der Daimler AG war damit besiegelt, mit Auswirkungen auf die gesamte Autoindustrie.

Seit dem 1. Dezember ist eines der wichtigsten deutschen Unternehmen zumindest in der bisherigen Form Geschichte. Die Daimler AG war bislang nicht nur ein wichtiger Teil der Wirtschaft in Stuttgart, in Baden-Württemberg und ganz Deutschland, sondern auch einer der wichtigsten Autohersteller der Welt. Da das Stuttgarter Unternehmen bis auf die Erfinder des Automobils, Gottlieb Daimler und Carl Benz, zurückgeht, hat dieser Schritt in der Wirtschaftswelt eine besonders starke Bedeutung. Statt dem Dachkonzern gibt es nun also die Mercedes-Benz Group AG, die weiterhin Autos und Vans produziert, und die Daimler Truck AG für große Nutzfahrzeuge.

Daimler AG: Weltbekannter Autokonzern ist nach 14 Jahren Geschichte

Seit der Gründung der Benz & Cie Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim im Jahr 1883, der Keimzelle des späteren Weltkonzerns, hat die Daimler AG einige Namenswechsel durchlaufen. Für die Verbraucher war dieser Umstand wahrscheinlich schon immer zweitrangig, denn die bekannteste Marke des Konzerns ist seit jeher Mercedes-Benz. Der eigentliche Grundstein für die heutige Daimler AG war jedoch die Zusammenlegung der Daimler-Benz AG mit dem amerikanischen Unternehmen Chrysler Corporation zur DaimlerChrysler AG im Jahr 1998. Unter dem Namen Daimler AG war der schwäbische Autokonzern ab 2007 bekannt.

Die Planungen für eine Aufspaltung der Daimler AG reichen bis ins Jahr 2019 zurück. Wirklich gefestigt wurden die Pläne jedoch, als bekannt wurde, dass die Lkw-Sparte ihren Sitz in den Kreis Esslingen verlegen werde. Dadurch verschwindet der Name „Daimler“ also aus Stuttgart, mit Folgen für Tausende Mitarbeiter. Durch die Spaltung wird am heutigen Mittwoch die Lkw-Sparte mit weltweit rund 100.000 Mitarbeitern aus dem Konzern herausgelöst. Der Konzern verkaufte den Namen „Daimler“ für rund 10 Millionen Euro. Den legendären Mercedes-Stern, der auch in Stuttgart viele Gebäude ziert, wird jedoch bei beiden neu geschaffenen Unternehmen bestehen bleiben.

Daimler AG ist Geschichte: Warum entschieden sich die Stuttgarter zur Spaltung?

Die Daimler AG war bislang zwar als Dachkonzern tätig, weltweit jedoch vor allem für ihre Marke Mercedes-Benz bekannt. Modelle wie die S-Klasse oder das elektrische Pendant EQS erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Truck-Sparte und heutige Daimler Truck AG bezeichnet sich selbst zwar als weltweit größten Hersteller von Trucks und Bussen, stand bislang jedoch deutlich im Schatten der Autosparte. Die Aufspaltung schafft der Daimler Truck AG nun also volle unternehmerische Freiheiten. Das Unternehmen soll noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Demnach gibt es bald auch zwei DAX-Konzerne mit Stern.

Die unternehmerische Freiheit und das Heraustreten aus dem Schatten von Mercedes-Benz war ein Grund für die Abspaltung der Truck-Sparte aus der Daimler AG. „Es kann so zusätzlich investiert werden, um Unternehmen und Arbeitsplätze zukunftsfähig zu machen“, sagte Roman Zitzelsberger, IG-Metall-Bezirksleiter in Baden-Württemberg, Mitte Juli.

Auch für die Anteilseigner der bisherigen Daimler AG soll die Spaltung einen Mehrwert bieten. Sie erhalten nach dem Börsengang der Daimler Truck AG automatisch Aktien des neu geschaffenen Unternehmens. Bei den Mitarbeitern in Pkw- und Truck-Sparte löste die Ankündigung einer Aufspaltung allerdings Sorgen aus. Einige befürchteten, dass die nun deutlich kleineren Unternehmen auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnten.

Mercedes-Benz AG und Daimler Truck AG: Welche Folgen hat die Spaltung?

Die vollzogene Spaltung der Daimler AG dürfte für die Autokäufer keinen großen Wandel bringen. Bislang wurden die bekannten Modelle sowieso unter dem Namen Mercedes-Benz verkauft und auch die Mercedes-Händler und Vertragswerkstätten verwenden diesen Namen. Nur die Lkw- und Busfahrer fahren ab jetzt demnach keinen Mercedes mehr, sondern einen Daimler. Der Name ist auch für die meisten Mitarbeiter nebensächlich. „Der Name macht mir schon lange nichts mehr aus. Ich habe damals schon für Daimler-Chrysler gearbeitet und künftig heißt es halt anders“, erklärte ein Mitarbeiter im Juli.

Sorge bereitete den Mitarbeitern jedoch, dass die Mercedes-Benz AG als kleinerer Autobauer beispielsweise von BMW oder aber auch von Tesla geschluckt werden könnte. Die Aussicht auf eine Fusion mit Tesla machte Mitarbeitern bereits Angst und ein Autoexperte vermutete, Mercedes könnte mit BMW fusionieren. Diesen Befürchtungen widersprach Betriebsratschef Michael Brecht bereits bei der Bekanntgabe der Spaltung. „Die Ängste unserer Mitarbeiter, dass die Firma auf dem Kapitalmarkt geschluckt wird, sind unbegründet.“ Daimler-Chef Ola Källenius sagte sogar, die Spaltung solle vor feindlichen Übernahmen schützen.

Der gebürtige Schwede wird zukünftig als CEO der Mercedes-Benz AG fungieren, versprach jedoch seine schützende Hand auch weiterhin über die Truck-Sparte zu legen. Obwohl die Spaltung des schwäbischen Autokonzerns seit dem 1. Dezember offiziell abgeschlossen ist, erfolgt die Umbenennung der Daimler AG in die Mercedes-Benz AG erst zum 1. Februar 2022.

Zur vollzogenen Trennung gab es für die Mitarbeiter an mehreren Standorten eine Überraschung. Hochrangige Führungskräfte gaben in den Kantinen Leberkäswecken gratis aus, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Am Hauptwerk in Stuttgart-Untertürkheim stand sogar Ola Källenius persönlich hinter dem Tresen. Größere Veranstaltungen sind laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) jedoch nicht geplant.

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