Reines Werbemittel?

„Peinlich“: Daimlers Diversity-Aktion sorgt für massive Kritik

Daimler-CEO Ola Källenius neben dem regenbogenfarben gefärbten Mercedes-Stern.
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Die Daimler AG färbt den Mercedes-Stern regenbogenfarben ein - eine reine Werbeaktion?
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Die Daimler AG zeigt in diesem Monat Flagge für die Regenbogen-Community. Ein Manager aus einer Vereinigung schwuler Führungskräfte sieht die Kampagne jedoch kritisch.

Stuttgart - Pünktlich zum Start in den „Pride Month“ Juni zeigte Daimler einen bunten Mercedes-Stern auf Facebook, Twitter und Co.. Ähnlich wie viele andere Unternehmen wollte der Stuttgarter Autobauer damit ein Zeichen für die Solidarität zu Menschen aus der Regenbogen-Community setzen. Wie die Daimler AG verkündete, soll es nicht bei einem rein symbolischen Akt bleiben: So bietet das Unternehmen vom 1. bis 30. Juni die Möglichkeit, sich innerhalb von Trainings und Webinaren intensiver mit Erfahrungen der LGBTIQ*-Community zu beschäftigen und sich zu vernetzen - doch reicht das aus? (LGBTIQ* ist die Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex und Queer, Anm. d. Red.)

„Dass nun Zeichen gesetzt werden, ist begrüßenswert“, sagt Matthias Weber, Manager der Postbank und Vorstand des Völklinger Kreises, einer Vereinigung schwuler Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft, im Gespräch mit welt.de. „Vor einigen Jahren wären solche Kampagnen für viele Firmen undenkbar gewesen.“ Dennoch sieht er Kampagnen wie die der Daimler AG auch durchaus kritisch.

Daimler AG wirbt mit buntem Logo: „Regenbogenfarbe als reines Werbemittel ist peinlich“

Zunächst sei es „völlig okay, wenn Firmen mit Pride werben“, so Weber gegenüber welt.de. „Wenn Unternehmen aber inkonsequent handeln und die Regenbogenfahne nur reines Werbemittel ist, wird es peinlich.“ Die Daimler AG sei ein Beispiel für inkonsequentes Regenbogenmarketing.

„Wir fördern eine Kultur der Wertschätzung und des Respekts, in der Herkunft, Alter, Geschlecht und geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung keine Rolle spielen“, betonte die Daimler AG. Zwar färbte der Konzern das Logo von Mercedes-Benz in den sozialen Netzwerken für Deutschland, die Schweiz und andere Länder in Regenbogenfarben - und betonte, „mit Daimler Pride“ weltweit Flagge zu zeigen. Im Mittleren Osten hingegen war von „Daimler Pride“ keine Spur.

Daimler AG: Logos im Mittleren Osten werden nicht gefärbt

Im Mittleren Osten blieben die Logos wie gehabt in unauffälligen Grautönen. Gegenüber welt.de begründete die Daimler AG dies damit, dass man sich an die geltenden Gesetze und Vorschriften der jeweiligen Länder halte. Im Mittleren Osten steht Homosexualität teilweise unter Todesstrafe und Menschen, die die Regenbogenfarbe hissen, werden verhaftet.

Zu seiner Verteidigung erklärte Daimler gegenüber welt.de, man könne als Unternehmen nur einen kleinen Teil zur weltweiten Akzeptanz beitragen. Doch die Daimler AG ist nicht der einzige Automobilhersteller, der nun mit Vorwürfen aus der LGBTIQ*-Community konfrontiert wird. Auch bei BMW wurden die Logos nur in den europäischen Ländern bunt gefärbt. Matthias Weber sieht bei den Autobauern einen klaren Fall von „Pinkwashing“.

Daimler AG: Hat der Konzern eigentlich „nichts mit Pride am Hut?“

Ähnlich wie beim „Greenwashing“, bei dem Firmen nach außen besonders umweltfreundlich wirken wollen, geht es beim „Pinkwashing“ laut Kritikern nur darum, als besonders tolerant gegenüber der queeren Community dazustehen, am Ende jedoch nur scheinheilig. „Wenn Firmen mit Pride werben, in der Praxis aber nichts damit am Hut haben, kann das schnell nach hinten losgehen - denn das merken sowohl Kunden als auch die Community“, sagte Matthias Weber gegenüber welt.de.

Webers Fazit: Bei der Daimler AG und BMW sei „kein Bewusstsein für Diversity“ geschaffen worden. Die Diskriminierung von Personen aus der Regenbogen-Community sei in der Arbeitswelt noch immer verbreitet. Gerade in höheren Positionen seien Schwule und Lesben extrem selten vertreten, fast ein Drittel aller queeren Mitarbeiter sei ungeoutet.

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