E-Auto und Hybrid

Auto-Revolution oder „unsinnig“? Daimler AG reagiert mit drei neuen Modellen auf die Coronakrise

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG hat auf die Prämie für E-Auto und Hybrid schnell reagiert und drei neue Plug-In-Hybride angekündigt. Umweltschützer schlagen Alarm.

  • Die Daimler AG hat auf die Prämie für E-Auto und Hybrid aus dem Konjunkturpaket mit drei neuen Mercedes-Benz-Modellen reagiert.
  • Es handelt sich dabei um Plug-In-Hybride der Daimler-Marke EQ Power.
  • Nachdem der Inhalt des Konjunkturpakets der Bundesregierung wegen des Coronavirus bekannt geworden war, schlugen Umweltschützer Alarm.

Stuttgart – Die Daimler AG hat schnell auf das Konjunkturpaket wegen des Coronavirus, reagiert das keine Kaufprämie für Verbrenner, sondern ausschließlich eine Prämie für den Kauf von E-Auto und Hybrid vorsieht: mit drei neuen Modellen der Daimler-Tochter Mercedes-Benz.

Das Mercedes-Benz CLA Coupé, der Mercedes CLA Shooting Brake und die B-Klasse sind ab sofort als EQ Power Modelle vorbestellbar, wie die Daimler AG auf ihrer Website ankündigt. Im Sommer will der Fahrzeughersteller aus Stuttgart die Kompaktwagen auf den Markt bringen. 

Daimler AG bringt neue Hybrid-Fahrzeuge auf den Markt - Umweltschützer sagen aber, es sind Verbrenner

Die Daimler AG setzt mit dieser Strategie auf einen Kompromiss. Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz mit EQ Power sind Hybrid-Modelle, im Gegensatz zum Mercedes EQ, bei dem es sich um ein reines E-Auto handelt. Das Problem der vergleichsweise geringen Reichweite von E-Akkus wird bei diesen Hybrid-Modellen durch die Kombination mit einem Verbrennungsmotor gelöst.

Die Plug-In-Hybride, die die Daimler AG im Sommer auf den Markt bringt, haben einen Verbrauch von bis zu 1,6 Litern auf 100 Kilometern. Damit setzt der Fahrzeughersteller aus Stuttgart ein Zeichen, das sich auf alle Standorte der Daimler AG weltweit auswirkt: Die Zukunft ist elektrisch - zumindest in Teilen.

Daimler AG: Hybride als Alternative zum Elektro-Auto - „de facto ein Verbrenner“

Sind Hybride für die Daimler AG ein Schlupfloch, um nicht vollständig auf das E-Auto wetten zu müssen? Umweltschützer schlugen wegen der Prämie für Plug-In-Hybride bereits kurz nach der Bekanntwerden des Konjunkturpakets wegen des Coronavirus Alarm. Jens Hilgenbach, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nannte sie eine „Kaufprämie für Verbrenner durch die Hintertür“, wie die Deutsche Presseagentur berichtet.

Denn wenn man mit dem Fahrzeug nicht mindestens 70 Prozent elektrisch fahre, sei es „de facto ein Verbrenner“. Auch Greenpeace nannte die Prämie für Hybride „ökologisch unsinnig“. Der ADAC dagegen hält die Förderung von Plug-In-Hybriden als „Einstiegstechnologie“ für sinnvoll.

Daimler-Betriebsratschef sieht Autokonzern Daimler AG durch Konjunkturpaket „massiv bedroht“

Sprecher der Daimler AG hatten die Entscheidung der Bundesregierung zunächst gelobt, da sie keine Wahl hatten. Der Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht war jedoch „stinksauer“, wie er in einer Pressekonferenz sagte. Daimler sei „massiv bedroht“, da 95 Prozent der Jobs an dem Bereich hängen, den die Regierung mit dem Konjunkturpaket zum Sterben verurteilt hat – nämlich den klassischen Verbrenner.

Die Daimler AG reagiert auf das Konjunkturpaket und setzt auf Hybride und E-Autos

Für das E-Auto und den Hybrid gebe es bisher weder ausreichende Kapazität noch Absatzmöglichkeiten. Die Prämie für den Kauf dieser Fahrzeuge reiche darum nicht aus, um bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart alle Arbeitsplätze zu retten. Michael Brecht sollte recht behalten: Durch die neuen Modelle entstanden bei der Daimler AG Zustände, die an Tesla erinnern. Um dieses Problem zu lösen, hat Daimler die stärkere Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen angekündigt.

Das Coronavirus hatte die Daimler AG mit voller Wucht getroffen. Wegen der harschen Kritik des Daimler-Betriebsratschefs am Konjunkturpaket forderte ein Politiker in einer gnadenlosen Abrechnung mit dem Konzern: „Lasst Daimler sterben!“ Die Analyse einer großen Wirtschaftsberatung hat gezeigt, das es unausweichlich ist. „Diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben“ – lautet die Prognose von EY zu Daimler und Co.

Daimler forscht bereits seit den 90er-Jahren an einer anderen Art von Verbrennungsmotor: Der Brennstoffzellen-Technik, die auch in Hybrid-Fahrzeugen eingesetzt werden kann. In Kooperation mit Volvo und Rolls Royce Power Systems hat die Daimler AG gerade mehr als 100 Millionen Euro in diese vergessene Alternative zum E-Auto investiert.

Sie soll in einigen von der Unternehmenssparte Daimler Trucks und Buses genutzt werden, da E-Akkus mit ausreichender Ladekapazität für den Fernverkehr mit Lkw zu schwer sind. Fahrzeuge mit wasserstoffbasierten Brennstoffzellen können unter idealen Umständen sogar weniger Emissionen haben als E-Autos, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme gezeigt hat.

In Kanada wendet sich ein Mercedes-Fan vom Fahrzeughersteller ab

Ein Kanadier hat an der Daimler AG einiges auszusetzen - und fährt inzwischen BMW. Aufgrund einer technischen Fehlfunktion seiner S-Klasse baute er beinahe einen Unfall. Weil eine Klage erfolglos blieb, flog der Kanadier persönlich nach Stuttgart, um sich bei Daimler zu beschweren.

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