Lieferprobleme und Hightech-Ausstattung

Da fehlt doch was: Daimler-Kunden bekommen Autos nicht so ausgeliefert, wie bestellt

Ein EQS der Daimler AG.
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Bei Daimler werden Premiummodelle aufgrund der Chipkrise stellenweise ohne Hightech-Software ausgeliefert.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Chipkrise in der Autoindustrie dauert seit mehreren Monaten an. Auch bei Daimler und Porsche fehlen Komponenten - damit müssen Autokäufer nun rechnen.

Stuttgart - Bereits seit Jahresbeginn bereitet der Lieferengpass von wichtigen Halbleiterkomponenten der Autoindustrie weltweit Probleme. Die Daimler AG musste bereits im Februar ein wichtiges Werk temporär schließen, rund 100.000 Fahrzeuge blieben unvollendet. Seitdem mussten Produktionen des Autokonzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart immer wieder gestoppt werden und viele Mitarbeiter an mehreren Standorten wurden in die Kurzarbeit geschickt. Auch aktuell ist noch keine wirkliche Erholung der Krise vorauszusehen. Daimler-Chef Ola Källenius sprach bereits vor Wochen davon, dass die Krise bis 2023 andauern könnte.

Doch nicht nur Autobauer wie die Daimler AG haben mit Problemen aufgrund der Chipkrise zu kämpfen. Die Zulieferer trifft der Engpass mit besonderer Härte. Während Daimler und Co. sich aus der Krise retten, droht den Zulieferern das Aus. Durch den Lieferengpass bei Zuliefern und Autobauern können aktuell viele Fahrzeuge nicht nach Kundenwunsch ausgeliefert werden. Autokäufer, die sich für Modelle von Daimler oder Porsche interessieren, müssen in nächster Zeit demnach mit Abschlägen rechnen.

Daimler AG und Porsche: Das müssen Kunden der Stuttgarter Autobauer wissen

Neben der Daimler AG hat auch die Porsche AG, die ihren Hauptsitz ebenfalls in Stuttgart hat, unter der Chipkrise zu leiden. Der hauptsächlich als Luxus-Sportwagenbauer bekannte Hersteller musste bereits die Produktion des SUV Cayenne stoppen und unfertige Autos ausliefern. Daimler verlagerte seine Produktion dagegen zunehmend auf die Herstellung von gewinnbringenden Luxusmodellen und stoppte beispielsweise die Produktion der meistverkauften Modellreihe, der E-Klasse, temporär. Inzwischen sind die Produktionen bei Daimler und auch bei Porsche in den Werken wieder angelaufen, aufgrund der Produktionsstopps in den vergangenen Monaten müssen Kunden unter Umständen jedoch mit längeren Wartezeiten rechnen.

Die Chipkrise, beziehungsweise der anhaltende Lieferengpass von Halbleiterkomponenten, betrifft jedoch vor allem die Fahrzeugsoftware. Daimler will Kunden deshalb unfertige Autos ausliefern. Kunden, die beispielsweise eine S-Klasse von Mercedes-Benz inklusive dem beworbenen Navigationsgerät bestellt hatten, gingen zunächst leer aus. Für besonderen Unmut sorgte die Nachricht, dass die aktuell nicht verfügbare Software auch nachträglich nicht eingebaut werden könne. Das liegt daran, dass die aktuell aufgrund der Chipkrise verbauten Rechner nicht stark genug für das Hightech-Navi sind.

Auch die Porsche-Kunden müssen unter Umständen mit deutlicher weniger Hightech auskommen. Bei den Zuffenhausenern können manche Modelle nicht mit einer elektrischen Lenksäulenverstellung ausgeliefert werden. Stattdessen wird den Kunden temporär eine mechanische Lösung angeboten.

Mit diesen Einschränkungen müssen Daimler- und Porsche-Kunden aktuell rechnen:

Daimler AG Porsche AG
Längere Wartezeiten durch Produktionsstopps Keine elektrische Lenksäulenverstellung in manchen Modellen
Kein Hightech-Navigationsgerät in manchen Modellen Vorübergehend mechanische Lösung
Keine Nachrüstung des Navis in manchen Modellen Längere Wartezeiten bei SUV-Modellen

Daimler AG, Porsche und Co.: Chipkrise hat auch Folgen für Großkunden

Insgesamt scheinen die europäischen Autobauer von der anhaltenden Chipkrise deutlich mehr betroffen zu sein, wie die amerikanischen und asiatischen Unternehmen. Der US-Pionier Tesla hat die Krise jedoch auch nicht unbeschadet überstanden. CEO Elon Musk machte unter anderem Bosch für die Probleme verantwortlich. Der weltgrößte Autozulieferer aus Stuttgart kann aufgrund des Lieferengpasses stellenweise bestimmte Fahrzeugkomponenten nicht fertigstellen.

Die Chipkrise betrifft bei der Daimler AG jedoch nicht nur die Pkw-Sparte und damit die Verbraucher, die sich in nächster Zeit einen Neuwagen von Mercedes-Benz anschaffen wollen. Auch in der Truck-Sparte, die nach der Spaltung des Fahrzeugkonzerns als eigenständiges Unternehmen fungieren wird, kriselt es. Weil bei der Daimler Truck AG ebenfalls wesentliche Bauteile fehlen, müssen Kunden lange auf bestellte Fahrzeuge warten.

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