Eine Hand wäscht die andere

Ein Mercedes von Porsche: Wie Daimler einst die Stuttgarter Nachbarn rettete

  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Ohne die Daimler AG würde es die Porsche AG heute womöglich gar nicht mehr geben. Denn die beiden Stuttgarter Autobauer halfen sich in den 1990ern gegenseitig aus der Patsche.

Stuttgart - Ein Porsche mit Mercedes Stern? Ja, das gibt es wirklich. Genauer gesagt einen Mercedes-Benz, der Anfang der 1990er Jahre von der Porsche AG gebaut wurde: der Mercedes E 500. Auf den ersten Blick lässt sich nicht vermuten, dass unter der Motorhaube des bieder wirkenden Mercedes viel Power schlummert: Ein fünf Liter großer V8-Motor lässt die Mittelklasse Limousine nach vorne schnellen.

Doch wie kam es, dass ausgerechnet zwei konkurrierende Automobilhersteller wie die Daimler AG und die Porsche AG kooperierten?

Wie Daimler damals Porsche half: Fertigungsauftrag für den Mercedes 500 E ging an Sportwagenhersteller

Der Grund der Kooperation war ein einfacher: Anfang der 1990er war die Porsche AG wirtschaftlich stark angeschlagen. Der Fertigungsauftrag von der Daimler AG kam da gerade recht. Denn Porsche konnte ein Problem von Daimler lösen. Die Fertigungshallen von Mercedes waren für die Karosserie des Mercedes E 500 nicht ausgelegt, schreibt der Spiegel. Daher ließ der damalige Mercedes-Chef Werner Niefer bei den Stuttgarter Nachbarn in Zuffenhausen um Hilfe bitten.

Während Porsche mit niedrigen Umsatzzahlen zu kämpfen hatte, lief es bei der Stuttgarter Konkurrenz prächtig. Um sein Portfolio weiter auszubauen, suchte Daimler nach einem Mittelklasse-Auto. Seriös und gleichzeitig schnell sollte das nächste Modell sein. Doch Ingenieure waren zu dieser Zeit rar. Also entschied man sich, den Entwicklungsauftrag an Porsche zu vergeben, einen Achtzylindermotor in die Karosserie des Mercedes W124 einzubauen.

Die Rettung für Porsche, schließlich kämpfte der Sportwagenhersteller aus Stuttgart seit Ende der 80er Jahre mit Problemen: Der 911 war zwar ein begehrter Sportwagen, die Gewinnmargen waren dennoch zu gering. Laut Spiegel gab es eine Zeit lang sogar die Überlegung, die Modellreihe komplett einzustellen. Heute kaum noch vorstellbar. Der Porsche 911 gehört inzwischen zu den „Dauerbrennern“ unter den Porsche-Modellen. Immer wieder ist auch im Gespräch, ob es den Porsche 911 als E-Modell geben wird.

Porsche und Mercedes arbeiten zusammen - Aufträge helfen Porsche aus der Krise

Die Fertigung wurde letzten Endes unter den berühmten Autobauern aus Baden-Württemberg aufgeteilt: Die Rohkarosserie wurde im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen lackiert, die Endmontage der aus Sindelfingen und Untertürkheim gelieferten Komponenten erfolgte im Porsche-Standort in Stuttgart-Zuffenhausen. 

Das Ergebnis: „Ein Wolf im Schafspelz“, wie die Marke Mercedes-Benz auf ihrer Seite schreibt. Nur 6,1 Sekunden benötigt der V8-Motor für den Spurt von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde – Fahrleistungen, die eines Sportwagens würdig sind. Mercedes wollte ein dezentes Äußeres. Also legte Porsche die Karosserie nur minimal tiefer. Auf Ausschmückungen wie Heckspoiler oder Schwellerverbreiterungen verzichtete man beim 500 E gänzlich.

Anfangs wurden noch geringe Stückzahlen gefertigt. Gerade einmal zwölf Mercedes E 500 rollten am Tag vom Band. Doch die Nachfrage nach der rasanten Limousine wuchs schnell, die Stückzahlen wurden auf 20 Fahrzeuge am Tag erweitert. Das sicherte bei Porsche nicht nur die Jobs, sondern half dem Unternehmen auch aus der Krise. Denn nach dem Mercedes E 500 folgten weitere Aufträge von Daimler an Porsche: Die Cabrioversion des W124 wurde ebenfalls von Porsche entwickelt, außerdem folgten weitere Deals mit dem Autobauer Audi. Rund 30 Jahre später ist es die Daimler AG, die massiv Stellen abbaut. Rund 20.000 Jobs sind in deutschen Werken bedroht.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG - Mercedes-Benz

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