Fokus auf Luxusautos

A-Klasse & Co: Daimler-Chef will sich von den beliebten Mercedes-Modellen abwenden

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG steckt in der Krise - nicht nur wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg. CEO Ola Källenius kündigt einen grundlegenden Strategiewechsel an.

Stuttgart - Die Daimler AG wurde vom Coronavirus in Baden-Württemberg und der ganzen Welt hart getroffen. Doch schon vor Corona steckte der Fahrzeughersteller mit Hauptstandort Stuttgart in der Krise. Dieter Zetsche (67), langjähriger Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, hat mit dem Umstieg auf‘s E-Auto zu lange gewartet und den Aufbruch in die Zukunft verschlafen. Sein Nachfolger, der derzeitige Daimler-CEO Ola Källenius (51), gab im Interview mit dem Handelsblatt nun einen überraschenden Strategiewechsel bekannt.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG teil.

Daimler AG vor Strategiewechsel: Ola Källenius will nur noch Luxus-Fahrzeuge bauen

Die Daimler AG solle wieder zu ihrem Kern als Fahrzeughersteller zurückkehren, sagte CEO Ola Källenius: dem Luxus. Dabei wolle er sich an Luxusgüterkonzernen wie LVMH – der Louis Vuitton Gruppe – orientieren. „Auch bei uns geht Preis vor Menge“, erklärte der 51-Jährige Daimler-CEO den geplanten Strategiewechsel. Die besonders luxuriösen Marken der Daimler-Tochter Mercedes-Benz wie die S-Klasse, Maybach oder AMG wolle er weiter ausbauen. Auch E-Auto-Versionen dieser Mercedes-Benz-Modelle sind geplant. Ola Källenius sagte, er wolle mit Daimler „die begehrenswertesten Autos der Welt“ bauen. Mit dem Mercedes Vision AVTR hat Daimler ein spektakuläres Auto der Zukunft vorgestellt. Daimler baut ab 2024 zudem eine neue Technologie in alle Mercedes-Modelle, die das Fahren für immer verändern soll. Dann wird das Coronavirus in Baden-Württemberg voraussichtlich ausgerottet sein.

Ola Källenius sieht Louis Vuitton als großes Vorbild der Daimler AG

Den Vorstoß seines Vorgängers Dieter Zetsche ins „untere“ Segment will Ola Källenius mit dem Strategiewechsel in weiten Teilen rückgängig machen. Daimler könnte deshalb mehrere Werke abstoßen. Bei den Mercedes-Benz Kompaktwagen, der A-Klasse und B-Klasse, plant Ola Källenius, das „Preispremium“ der Daimler AG auszubauen. Die Luxus-Marke Maybach will er wiederbeleben. Trotz des durch den Strategiewechsel bevorstehenden Verzichts auf Fahrzeuge, die sich viele Menschen leisten können, soll die Daimler AG wachsen. Den Einwand der Handelsblatt-Journalisten, dass der Fahrzeughersteller aus Stuttgart eher schrumpfen werde, wenn er Autos baut, die weniger Kunden kaufen können als zuvor, hält Ola Källenius für falsch. Die Zahl der Menschen, die ein Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Euro hätten, wachse weltweit. Daran ändert seiner Ansicht nach offenbar auch das Coronavirus in Baden-Württemberg und der ganzen Welt nichts. Bei einem Anteil der Daimler AG am Weltmarkt von zwei Prozent gebe es als noch Luft nach oben und viele Kunden, die sich einen Mercedes-Benz leisten könnten. Der Luxus-Konzern Louis Vuitton wachse schließlich auch.

Luxus und Klimaziele sind für Ola Källenius kein Gegensatz – Mercedes AMG als E-Auto

Die Daimler AG werde durch den Strategiewechsel jedoch nicht von ihren Kilmazielen abweichen, die Ola Källenius bei seinem Amtsantritt verkündet hatte – ein vollständig klimaneutraler Daimler-Konzern bis 2039. Selbst das High-Performance-Fahrzeug Mercedes-Benz AMG soll in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein E-Auto werden, sagt der Daimler-CEO. Doch im Herbst kommt erstmal eine neue Mercedes-Benz S-Klasse auf den Markt. Sie wird in einer neuen Fabrik in Sindelfingen gebaut, wo ein Daimler-System die Mitarbeiter überwacht jede Sekunde und Menschen überflüssig machen könnte.

Entscheidend für den Erfolg der Daimler AG sei es, „in den Bereichen Elektrifizierung und Digitalisierung führend“ zu sein und die Kosten dafür seien „gewaltig“, so Ola Källenius. Die S-Klasse bringe großen Profit und auch der Sparkurs, den er der Daimler AG auferlegt habe, sei zur Finanzierung erforderlich – besonders infolge des Coronavirus in Baden-Württemberg und der Welt. Ola Källenius, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG ist jedenfalls überzeugt: „Wenn wir uns auf Luxus als unseren Kern besinnen, sind wir auf dem richtigen Weg“. Der Journalist Gabor Steingart schreibt deshalb in einer Abrechnung mit Daimler, dass dem Fahrzeughersteller die Bedeutungslosigkeit drohe.

Der Daimler AG gehörten einmal 10 Prozent an dem E-Auto-Hersteller Tesla - die Unternehmen kooperierten

Tesla war im Jahr 2009 noch ein kleines Start-up mit großen finanziellen Sorgen. Um den E-Auto-Hersteller zu retten, kaufte Daimler Tesla-Anteile. Es entwickelte sich eine Kooperation zwischen den beiden Unternehmen. Damals gehörten der Daimler AG 10 Prozent von Tesla - die wären heute mehr wert als der halbe Daimler-Konzern.

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