Ferdinand Dudenhöffer

Verkrustet und angestaubt: Daimler hinkt VW hinterher - Autopapst Dudenhöffer erklärt, warum

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG soll nach Ansicht des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer ihre Kooperation mit einem chinesischen Fahrzeughersteller verstärken, um zukunftsfähig zu werden. 

  • Die Daimler AG soll nach Ansicht des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer ihre Kooperation mit einem chinesischen Fahrzeughersteller verstärken.
  • Der chinesische Konzern Geely habe gezeigt, dass er „angestaubte Unternehmen“ modernisieren könne, kommentiert das Magazin Der Aktionär.
  • Auch wenn Geely-Volvo der Daimler AG helfen könnte, sind laut Ferdinand Dudenhöffer Änderungen in anderen Bereichen überlebenswichtig. 

Stuttgart - Um sicherzustellen, dass die Daimler AG auch auf dem Automobilmarkt der Zukunft eine führende Rolle spielt, hat Daimler-CEO Ola Källenius einen Strategiewechsel angekündigt. Der Daimler-Chef will sich von beliebten Mercedes-Modellen wie der A-Klasse abwenden. Der Fokus bei dem Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart soll wieder zum Kern der Daimler-Marke Mercedes-Benz zurückkehren: Luxus. S-Klasse, Maybach, AMG – alle Daimler-Luxus-Fahrzeuge sollen bald auch als E-Auto auf den Markt kommen.

Damit sei die Daimler AG auf dem richtigen Weg, sagte Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer gegenüber dem Börsenmagazin Der Aktionär. Der Wirtschaftswissenschaftler und Auto-Experte rät zusätzlich zu einer stärkeren Kooperation mit Geely-Volvo, um die Daimler AG wieder auf Erfolgskurs zu bringen. 

Daimler AG sollte laut Ferdinand Dudenhöffer die Kooperation mit Geely-Volvo verstärken – Ola Källenius fährt denselben Kurs 

Der chinesische Automobil- und Motorradhersteller Geely habe nach der Übernahme der Volvo Group bereits bewiesen, dass er in der Lage sei, „verkrustete Strukturen“ aufzubrechen und „etwas angestaubte Unternehmen“ wieder salonfähig zu machen, kommentiert Der Aktionär die Aussage von Ferdinand Dudenhöffer. Hinter Geely steht ein mächtiger Millardär, in dem viele eine Bedrohung für die Daimler AG und andere deutsche Fahrzeughersteller sehen. Ferdinand Dudenhöffer scheint anderer Meinung zu sein.

In Kooperation mit Geely hat Volvo zum Beispiel die E-Auto-Marke Polestar auf den Markt gebracht. Auch Daimler-CEO Ola Källenius hat das Ziel, den Fahrzeughersteller aus Stuttgart in einen E-Auto-Konzern umzubauen. Das hatte Ola Källenius angekündigt, als er im Jahr 2019 den Posten als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG von seinem Vorgänger Dieter Zetsche übernahm. Ola Källenius und Geely-CEO Li Shufu, der mit fast zehn Prozent der Daimler-Aktien größter Einzelaktionär bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart ist, passen in dieser Hinsicht also gut zusammen und eine verstärkte Kooperation mit Geely-Volvo scheint nicht weit hergeholt.

Daimler AG hinkt Volkswagen und Co. hinterher - die Schuld trägt Dieter Zetsche

Dieter Zetsche war es, der zu lange am Verbrenner festhielt, anstatt die Produktion der Daimler AG auf das E-Auto umzustellen. Ola Källenius plant nun, den Umstieg auf das E-Auto bei Daimler über Mercedes-Benz-Luxusmarken wie die S-Klasse zu finanzieren. Der Schwede wird durch Versäumnisse aus der Vergangenheit zu diesem Umweg gezwungen.

Ferdinand Dudenhöffer zufolge hinkt die Daimler AG Konkurrenten wie der Volkswagen Gruppe mit ihrer Tochter Porsche AG hinterher. In Wolfsburg setzte man bereits alles auf das E-Auto, so der Mobilitätsexperte. 33 Milliarden Euro habe VW in diesem Jahr in diesen Zukunftsbereich investiert. Daimler habe zwar mittlerweile auch eigene Plattformen, in Sachen Elektromobilität gebe aber nach wie vor der Volkswagen-Konzern das Tempo in Deutschland vor.

Ferdinand Dudenhöffer befürwortet Stellenabbau bei Daimler

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer befürwortet zudem den Stellenabbau, der bei der Daimler AG befürchtet wird. Da alle davon ausgingen, dass die Wirtschaft sehr lange brauchen werde, um sich vom Coronavirus zu erholen, sei es nicht sinnvoll, Überkapazitäten aufrechtzuerhalten und „Manpower“ weiter „mitzuschleppen“, sagte er. Neben dem Fokus auf das E-Auto sei es auch wichtig, beim autonomen Fahren und Mobilitätsdiensten den Anschluss nicht zu verlieren. 

Für Daimler sah es in den letzten Monaten finster aus. Besteht jetzt Hoffnung?

Bei der Daimler AG sind mehrere Empfehlungen von Ferdinand Dudenhöffer bereits Realität – aber ausbaufähig

Die Daimler AG entwickelt in Kooperation mit BMW, Bosch und anderen deutschen Unternehmen Lösungen zum autonomen Fahren und Mobilitätsdienste wie den Carsharing-Anbieter Share Now, um gegen Konkurrenten aus den USA oder China bestehen zu können. Zusammen mit BMW bringt die Daimler AG nun auch endlich ihre lange versprochenen E-Scooter auf deutsche Straßen. Auf der Technikmesse CES stellte Daimler-CEO Ola Källenius mit dem Mercedes Vision AVTR ein E-Auto der Zukunft vor. Das Engagement in diesen Feldern ist jedoch ausbaufähig. Ob der Schwede auch den Rat von Ferdinand Dudenhöffer zu einer stärkeren Kooperation mit Geely-Volvo annimmt, wird sich zeigen. 

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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