Stellenabbau doch nicht ausgeschlossen?

Ungeheuerlicher Verdacht gegen Daimler: Arbeiter müssen für Fehler der Manager büßen

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG muss sparen. Vorstand und Betriebsrat einigten sich auf Kurzarbeit und Wegfall der Gewinnbeteiligung anstatt Stellenabbau. Dafür hagelt es Kritik von der Gewerkschaft CGM.  

  • Die Daimler AG steckt in der Krise. Es drohte massiver Stellenabbau - von bis zu 20.000 Entlassungen war die Rede.
  • Doch dann einigten sich Daimler-Vorstand und Betriebsrat: Statt Stellenabbau gibt es Kurzarbeit und keine Gewinnbeteiligung für 2020.
  • Dafür hagelt es Kritik. Eine Gewerkschaft zieht alle Punkte der Einigung in Zweifel - Stellenabbau sei doch nicht ausgeschlossen.

Stuttgart - Die Daimler AG muss sparen. Das hat der Daimler-CEO Ola Källenius entschieden – nicht nur wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg. Auch die Anpassung der Daimler-Unternehmensstruktur und der Umstieg auf das E-Auto machen dem Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart zu schaffen. Autopapst Dudenhöffer erklärt, warum.

Der Daimler-Vorstand erwog darum, ein Versprechen an die Daimler-Mitarbeiter zu brechen und ein Schlupfloch für Massenentlassungen zu nutzen. Doch kurz darauf wurde eine Einigung erzielt. Es wird keinen Stellenabbau geben, stattdessen Kurzarbeit ohne Lohnausgleich oder Gewinnbeteiligung. Dafür ernten der Daimler-Betriebsrat und die IG Metall heftige Kritik vonseiten der Gewerkschaft CGM.

Daimler AG: Laut Gewerkschaft zahlen Daimler-Mitarbeiter für Fehlentscheidungen im Management

Der Stellenabbau ist laut Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht ausgeschlossen. Doch die Daimler AG kürzt bei 70.000 Mitarbeitern die Arbeitszeit und streicht die Prämie. Diese Einigung kam nach harten Verhandlungen zwischen dem Daimler-Vorstand um Ola Källenius und dem Daimler-Betriebsrat um Michael Brecht zustande. Die Gewerkschaft CGM (Christliche Gewerkschaft Metall) ist wegen dieser Einigung empört. Sie schreibt, dass die Daimler-Mitarbeiter „die Zeche für in der Vergangenheit getroffene Fehlentscheidungen im Management“ tragen müssten.

Damit könnte zum Beispiel gemeint sein, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, sich zu lange auf der Marktherrschaft von Mercedes-Benz ausgeruht und den Wandel der Mobilität hin zum E-Auto verpasst hat. Für die jüngst getroffene Entscheidung, die Transformation des Daimler-Konzerns durch eine Rückkehr der Luxuslimousine Maybach und verstärkten Fokus auf die S-Klasse zu finanzieren, musste sich auch Daimler-CEO Ola Källenius einer heftigen Abrechnung stellen. 

Daimler AG: Ola Källenius hat ein schweres Erbe angenommen - jetzt hagelt es Kritik von vielen Seiten.

Gewerkschaft: Daimler-Vorstand hat sich Schlupfloch für Stellenabbau gesichert

Die Gewerkschaft CGM zieht auch die Aussage in Zweifel, die der Daimler-Betriebsratsvorsitzende Michael Brecht nach der Einigung mit dem Daimler-Vorstand gemacht hatte: Der Stellenabbau sei vom Tisch. Die CGM hat offenbar Einblick in das Eckpunktepapier, in dem die Übereinkunft festgehalten wurde. Sie schreibt, der Daimler-Vorstand um Ola Källenius habe sich ausdrücklich vorbehalten, „notwendige Maßnahmen“ jederzeit nachverhandeln zu können. Und zwar nicht mit Michael Brecht, sondern mit dem Betriebsrat der im Einzelfall betroffenen Standorte der Daimler AG. Die Einigung sei demnach nichts weiter als eine nicht bindende Absichtserklärung.

Gewerkschaft: Kein Grund für „euphorischen Jubel im Daimler-Vorstand und Betriebsrat

Für den „euphorischen Jubel“ beim Daimler-Vorstand und der Gewerkschaft IG Metall sieht die CGM „überhaupt kein Anlass“. Die christliche Gewerkschaft weist darauf hin, dass die Kurzarbeit - auch wenn es sich nur um eine Kürzung von 2 Stunden pro Woche handele – im Fall der Arbeitslosigkeit zu einem um 5,7 Prozent niedrigeren Arbeitslosengeld führen werde. 

Was den Wegfall der Gewinnbeteiligung für das Jahr 2020 betrifft, so hatte die dpa geschrieben, diese sei ohnehin bereits im vergangenen Jahr wegen des schlechten Ergebnisses der Daimler AG vergleichsweise niedrig ausgefallen. Das sieht auch die CGM so. Allerdings die Gewerkschaft darin Anlass zu der Frage, wieso die ohnehin niedrige Gewinnbeteiligung überhaupt wegfallen solle. Soll vielleicht ein eventueller Restgewinn an den Daimler-Mitarbeitern zum Daimler-Vorstand und den Daimler-Aktionären geschleust werden? Die Absichtserklärung, Stellenabbau zu vermeiden, sei jedenfalls durch den Daimler-Betriebsrat „mit deutlichen finanziellen Opfern“ der Daimler-Mitarbeiter teuer erkauft. 

Umfrage zeigt: Viele Daimler-Mitarbeiter sind trotz allem erleichtert

Eine Umfrage unter den Mitarbeitern der Daimler AG hat zeigt, dass ein Teil von ihnen der Kritik der CGM zustimmt. Andere dagegen sind erleichtert, dass der gefürchtete Stellenabbau bis Ende des Jahrzehnts ausgeschlossen ist und vertrauen auf den Vorstand um Ola Källenius und den Betriebsrat um Michael Brecht.

Dass der Fahrzeughersteller aus Stuttgart und die Daimler-Tochter Mercedes-Benz ihre Mitarbeiter gut bezahlen, ist in der Region bekannt – auf dem Portal Gehaltsvergleich.com kann man sich einen Einblick verschaffen. Sicherlich sagte auch deshalb ein Mitarbeiter aus der Daimler-Verwaltung gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten, wer mit seinem Daimler-Gehalt nicht auskomme, der mache wohl etwas falsch, selbst in Zeiten von Kurzarbeit und ohne Gewinnbeteiligung

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat

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