Daimler und Ineos

Daimler: Milliardär schnappt sich ganze Mercedes-Sparte - „Totalübernahme“?

Der Cockpitschutz Halo von Hamiltons (Team Mercedes-AMG Petronas) ist in einer Sonderlackierung zu Ehren von 125 Jahren Motorsport lackiert.
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Die Daimler AG verkauft nach dem Werk in Hambach nun auch Anteile am Mercedes-Motorsport-Team
  • Julian Baumann
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Daimler verkaufte bereits das Smart-Werk in Hambach an den britischen Konzern Ineos. Der kaufte sich auch in eine ganze Mercedes-Sparte ein. Das sorgt für Gerüchte.

Stuttgart - Die Daimler AG rüstet massiv um. Das ist zum Teil dem Wandel hin zum E-Auto geschuldet. Der Autobauer aus Stuttgart überraschte jüngst mit der Ankündigung, dass die Daimler AG aufgespalten wird: Das PKW-Geschäft von Mercedes-Benz und die LKW-Sparte sind künftig zwei eigenständige Unternehmen. Doch auch in anderen Sparten kündigt sich ein dramatischer Wechsel an. Die Daimler AG hatte bereits 2020 angekündigt, das Smart-Werk im französischen Hambach an den britischen Konzern Ineos verkaufen zu wollen. Wenig später wurde die Übernahme offiziell bestätigt. Ineos wird von Milliardär Jim Ratcliffe gelenkt.

Im Zuge der Übernahme des Smart-Werks der Daimler AG durch Ineos will der neue Besitzer die Belegschaft ebenfalls übernehmen. Der britische Milliardär rettet so 1.300 Daimler-Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit. Die E-Smarts sollen zukünftig in Kooperation mit dem chinesischen Investor Geely in Peking gebaut werden. Mit der Ankündigung des ersten Modells, ein Smart SUV, sorgte Daimler bereits für Spott.

Mit dem Erwerb des Daimler-Werks in Hambach gibt sich der Chemiekonzern Ineos jedoch nicht zufrieden. Im Dezember 2020 kaufte sich der britische Milliardär auch in die Motorsport-Sparte von Mercedes-Benz ein.

Daimler AG: Droht der Mercedes Formel 1- Sparte eine Übernahme durch Ineos?

Die Daimler AG ist nicht nur durch die Fahrzeuge des Tochter-Unternehmens Mercedes-Benz weltbekannt, sondern mit den „Silberpfeilen“ auch eine feste Größe im Motorsport. Eddie Jordan, der als Orakel in der Formel 1 gilt, hatte bereits eine Total-Übernahme vorausgesagt. Er prophezeite, dass Ineos und Chef Jim Ratcliffe rund 70 Prozent der Anteile an Mercedes erwerben könnten, wie das britische Boulevard-Portal Daily Mail berichtete.

Letztlich kaufte sich Ineos mit 33,3 Prozent, also rund einem Drittel der Anteile, bei Mercedes-AMG Petronas Formel 1 ein. Dass sich die Daimler AG aus dem Motorsport zurückzieht und Ineos das Team unter eigenem Namen fortführt, schließen die Beteiligten aus - vorerst. Die Konstellation mit je einem Drittel der Anteile zwischen Daimler, Ineos und dem Investor Toto Wolff sei jedoch bestätigt.

Jim Ratcliffe, CEO des Chemiekonzerns Ineos gilt als Visionär. Laut Schätzungen sind seine Anteile an der Mercedes-Sparte der Daimler AG rund 170 Millionen Euro wert, wie sport.de berichtet. Damit gibt sich der britische Milliardär zufrieden. „Ich bin erfreut über die Konstellation mit je einem Drittel. Es ist eine sehr harmonische Beziehung“, sagte Ratcliffe laut sport.de. Er habe „überhaupt nicht“ vor, eines Tages ein eigenes Team zu haben.

Die Aufteilung der Anteile durch drei Parteien birgt jedoch gewisse Risiken für die Daimler AG. Vor allem wenn Ineos und Toto Wolff gemeinsame Ziele verfolgen, die mit jenen von Daimler nicht kompatibel sind. Dann könnte der Autokonzern aus Stuttgart bei besonders sensiblen Entscheidungen von den anderen überstimmt werden, wie sport.de berichtet. Laut dem Daimler-Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius sei das jedoch nur Panikmache von außen. „Wir haben gemeinsame Interessen“, sagte der Daimler-Chef. „Jede Partnerschaft basiert auf Vertrauen unter den handelnden Personen.“

Daimler AG: Konzern-Chef Ola Källenius hat Vertrauen in die Partnerschaft

Obwohl die Daimler AG durch den Einkauf von Jim Ratcliffe in die Mercedes-Sparte nicht mal mehr die Hälfte der Anteile besitzt, zeigt sich Konzern-Chef Ola Källenius zuversichtlich. Über Schutzmechanismen mache er sich aktuell keine Sorgen. „Jetzt geht nicht nur die Geschäftsbeziehung mit Toto [Wolff], sondern auch seine Rolle als Motorsportchef bei uns so viele Jahre zurück“, sagte Källenius laut sport.de. „Das heißt, wir sind sehr auf einer Linie. Und mit Jim haben wir jemanden gefunden, der ähnlich denkt, der einen extrem hohen Anspruch hat.“

Auch für den Chef des Chemiekonzerns Ineos hat Ola Källenius lobende Worte. „Wenn man sieht, was er mit seiner Firma in den letzten 20 Jahren gemacht hat, das ist schon mehr als bemerkenswert“. Nach der Übernahme des Smart-Werks hatte Jim Ratcliffe der Daimler AG auch zugesichert, die E-Modelle der beliebten Kleinwagen auf bislang unbestimmte Zeit weiter zu produzieren. Das sich Ratcliffe und Ineos nun auch in die Mercedes-Sparte einkauften, sieht der Daimler-Chef jedoch nicht als Bedrohung. „Ich sehe in unserem Gesellschaftervertrag weder Probleme noch irgendwas. Ist alles gut“, sagte Källenius gegenüber motorsport-total.com.

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