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Milliarden-Verlust: Daimler lobt sich für „effektive Kostenkontrolle“ - plant gleichzeitig Massen-Entlassungen

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Die Daimler AG hat im zweiten Quartal deutlich rote Zahlen geschrieben - vor allem wegen des Coronavirus. CEO Ola Källenius will deshalb die Kosten weiterhin drastisch senken.

  • Die Daimler AG hat im zweiten Quartal deutliche Verluste gemacht und rote Zahlen geschrieben.
  • Vorstand Ola Källenius führt die Einbußen hauptsächlich auf das Coronavirus in Baden-Württemberg zurück.
  • Der Fahrzeughersteller ist deshalb weiter zu einem konsequenten Sparkurs gezwungen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt Unternehmen im Südwesten vor gigantische Herausforderungen. Auch die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart ist da keine Ausnahme. Obwohl der neue Daimler-CEO Ola Källenius dem Konzern bereits bei seinem Amtsantritt einen Sparkurs verordnet hatte, muss er immer neue Maßnahmen ankündigen, um nicht weiter tiefrote Zahlen zu schreiben. Zuletzt hatte Ola Källenius angekündigt, sich von beliebten Mercedes-Modellen wie der A-Klasse abzuwenden.

Künftig will sich Daimler wieder auf seine Luxusautos konzentrieren. Dieser Strategiewechsel hat weitreichende Folgen. Daimler könnte bald drei weitere Werke abstoßen, hunderttausende Jobs wären gefährdet. Doch die Pläne von Ola Källenius stoßen bei vielen nicht auf Gegenliebe. Der Journalist Gabor Steingart nannte die Daimler AG veraltet, lahm und inzestuös und warnte den Konzern vor der Bedeutungslosigkeit. Noch scheint der verschärfte Sparkurs wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg allerdings nicht zu wirken. Daimler hat jetzt bekanntgegeben, im zweiten Quartal einen Milliardenverlust gemacht zu haben.

Daimler AG: Zweites Quartal beschert dem Fahrzeughersteller Verluste in Milliardenhöhe

Demnach lag der auf die Aktionäre entfallende Verlust der Daimler AG im zweiten Quartal bei rund zwei Milliarden Euro. Bereits vergangenes Jahr war Daimler wegen milliardenschwerer Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufen zeitweise in die roten Zahlen abgerutscht. Die jetzigen Einbußen fallen allerdings deutlich größer aus. Auch der Umsatz ging um 29 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro zurück.

Daimler-CEO Ola Källenius musste für das zweite Quartal 2020 einen Milliardenverlust bekanntgeben. Die Daimler AG hatte das Coronavirus besonders hart getroffen.

Mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg hat Ola Källenius auch direkt die Hauptursache für dieses Ergebnis identifiziert. „Aufgrund der beispiellosen Covid-19-Pandemie mussten wir ein herausforderndes Quartal durchstehen“, sagte Vorstandschef Ola Källenius laut dpa. Der Daimler-CEO betonte deshalb erneut, dass der Fahrzeughersteller seine Kosten dauerhaft senken müsse. An der nicht nur von Gabor Steingart kritisierten Strategie hält Ola Källenius aber fest.

Daimler AG rechnet trotz Coronavirus und dickem Minus mit einem positiven Ergebnis für das Jahr 2020

Von den negativen Folgen durch den Coronavirus-Lockdown war besonders die Daimler-Tocher Mercedes-Benz betroffen. Mercedes verkaufte im zweiten Quartal weltweit 20,2 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr - insgesamt 457.711 Autos. Der Absatz des gesamten Daimler-Konzerns schrumpfte um 34 Prozent auf rund 541.800 Pkw und Nutzfahrzeuge.

Der immense Verlust scheint bei Daimler-CEO Ola Källenius allerdings keine Panikanfälle auszulösen. Die Daimler AG rechnet trotz Coronavirus in Baden-Württemberg für das gesamte Jahr 2020 mit einem positiven Ergebnis im operativen Geschäft. Dabei setzt der Fahrzeughersteller allerdings voraus, dass die wirtschaftliche Erholung so weitergeht und es keine weiteren Infektionswellen mit dem Coronavirus mehr gibt.

Daimler AG will effizienter werden und dazu auch tausende Stellen abbauen

Daimler glaubt indes nicht, dass der Absatzrückgang durch das Coronavirus in Baden-Württemberg bis zum Jahresende aufgeholt werden kann. Darum müsste die Effizienz- und Kapazitätsmaßnahmen intensiviert werden, so die dpa. In diesem Zusammenhang hatte der Vorstand und Personalchef Wilfried Porth bereits den Abbau tausender Stellen angekündigt. Ursprünglich war von 1,4 Milliarden Euro im Personalbereich und 15.000 Stellen die Rede, die dafür wegfallen müssten. Inzwischen werden es immer mehr Entlassungen, Daimler spricht von 20.000 Stellen, die gestrichen werden.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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