Beschwerde bei Facebook

Daimler-Kunde wird trotz Garantie Reparatur verweigert - „Danke für nichts, Mercedes!“

Nahaufnahme von Rad und Front einer blauen Mercedes C-Klasse in Immendingen.
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Auch Mercedes-Modelle sind nicht vor Rost gefeit. Bei der Daimler AG gibt es jedoch eine sogenannte „Rostgarantie“ (Symbolbild).
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Bei der Daimler AG gibt es eine Garantie gegen Durchrostung. Eine Werkstatt lehnte die Reparatur eines Mercedes-Modells dennoch ab, zum Frust des Fahrers.

Stuttgart - Die Daimler AG ist einer der größten und erfolgreichsten Autohersteller der Welt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hat nicht nur Standorte weltweit, sondern auch zahlreiche Vertragshändler und Werkstätte. Die Modelle von Tochter Mercedes-Benz müssen regelmäßig zu Wartungsarbeiten in die Vertragswerkstätte gebracht werden, ein Termin ist inzwischen auch online über Mercedes me zu buchen, heißt es auf der Seite des Herstellers. Diese regelmäßigen Wartungstermine sind für die Mercedes-Fahrer jedoch nicht nur ein Angebot, sondern obligatorisch, um einen Garantieanspruch bei eventuellen Mängeln zu gewährleisten.

Bereits im Jahr 1998 führte die Daimler AG, beziehungsweise das damalige Vorgängerunternehmen Daimler Chrysler die sogenannte „Rostgarantie“ für Mercedes-Modelle ein. Mit einer entsprechenden Klausel gewährte der Konzern für alle ab diesem Jahr ausgelieferten Fahrzeugmodelle eine Garantie gegen Durchrostung von bis zu 30 Jahren. Demnach sollten Rostschäden in den Mercedes-Vertragswerkstätten kostenlos repariert werden. Die Voraussetzung ist jedoch, dass die Wartungstermine regelmäßig in Anspruch genommen werden. Ein Daimler-Kunde hatte sein Mercedes-Modell zwölf Jahre lang regelmäßig beim Vertragshändler gewartet, schreibt er auf Facebook. Die Werkstatt lehnte dennoch eine Reparatur des Rostschadens ab.

Daimler AG: Werkstatt lehnt Reparatur eines Mercedes-Modells ab - trotz Garantie?

Mit dem Garantieanspruch bei regelmäßiger Wartung will die Daimler AG, wie auch andere Autohersteller, die Kunden an die eigenen Vertragshändler und Werkstätte binden. Der Anspruch ist demnach auch nur in den eigenen Mercedes-Werkstätten gültig. Ein solches Vorgehen ist laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe auch rechtlich abgesegnet, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Das Gericht wies eine Klage eines Mercedes-Kunden ab, dem eine kostenlose Rostreparatur ebenfalls abgelehnt wurde. Er habe sich nicht an die Wartungsvorgaben gehalten, hieß es im Urteil vom Dezember 2007.

Im aktuellen Fall des Mercedes-Kunden sieht die Sachlage jedoch offenbar anders aus. „Rostgarantie abgelehnt, obwohl das Fahrzeug zwölf Jahre lang ständig beim Mercedes-Vertragshändler zum Kundendienst war“, schreibt er auf der Facebook-Seite von Mercedes-Benz Deutschland. „Danke für nichts, Mercedes.“ Nach den eigenen Angaben des Kunden habe er demnach die Wartungsvorgaben erfüllt, die Werkstatt wies die Reparatur dennoch ab. „Aber der Haufen Geld für die Kundendienste wird gern genommen“, regt sich der Kunde auf. Eine Inspektion der Klasse A kann bei Mercedes rund 300, eine der Klasse B 200 Euro kosten.

Mercedes-Benz reagiert auf Kunden-Beschwerde: „Können Ärger absolut nachvollziehen“

Im Laufe der Zeit kann auch bei Modellen der Daimler AG Rost entstehen, beispielsweise durch Oxidation von Sauerstoff in Verbindung mit Regenwasser. Der Mercedes-Kunde äußert auf Facebook jedoch den Verdacht, dass bereits bei der Produktion ein Fehler unterlaufen sei. „Was kann der Endkunde dafür, wenn ihr im Werk nicht in der Lage seid, die Löcher richtig zu versiegeln?“, fragt er. Nach seinen Angaben seien bei seinem Mercedes die Hecktüren gerissen, da die Werkspunktschweißung zu schwach dimensioniert gewesen sein. Das sogenannte Widerstandspunktschweißen ist ein Verfahren, mit dem meist blechförmige Metallteile unterschiedlicher Abmessungen im Fahrzeug- und Karosseriebau miteinander verschweißt werden.

Ob die rostigen Stellen bei dem Modell der Daimler AG von einem Produktionsfehler herrührt oder im Laufe der zwölf Jahre entstanden ist, lässt sich wohl nicht mehr nachprüfen. Dennoch müsste der Kunde nach der Rostgarantie von Mercedes eine kostenlose Reparatur bei der Vertragswerkstatt bekommen. Das zeigt auch die Antwort von Mercedes selbst, die sich für den Vorfall entschuldigen. „Es tut uns wahnsinnig leid, dass unsere Entscheidung dich so enttäuscht hat“, heißt es in der Antwort. „Wir können deinen Ärger absolut nachvollziehen!“ Deshalb bot Mercedes-Benz Deutschland dem frustrierten Kunden eine zweite Kulanzprüfung durch den Kundenservice an.

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