„Wörth-Case-Szenario“

Daimler legt ganzes Werk tagelang still - 10.000 Mitarbeiter betroffen

Ein Mitarbeiter ist in Wörth (Rheinland-Pfalz) im Werk von Mercedes Benz hinter der Radaufhängung eines Lastkraftwagens zu sehen.
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Der Stillstand in der Produktion in Wörth dauert länger an, als bislang angenommen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Im Mercedes-Benz-Werk in Wörth herrscht wegen fehlender Bauteile anderthalb Wochen lang Baustopp. Zulieferer und Kunden sind alarmiert.

Wörth - Das Mercedes-Benz-Werk der Daimler AG im rheinland-pfälzischen Wörth gilt als das größte LKW-Werk der Welt. Seit Mittwoch, 8. September, befinden sich die Mitarbeiter in einer unfreiwilligen Betriebsruhe, die ursprünglich bis 13. September andauern sollte. Nach Informationen des Portals Business Insider wird die Schließung nun verlängert. Wegen fehlender Bauteile soll das LKW-Werk in Wörth auch vom 14. bis 17. September geschlossen bleiben - unterm Strich herrscht anderthalb Wochen lang Baustopp.

Wie Business Insider aus Unternehmenskreisen erfuhr, sei der Produktionsstopp ein „Rückschlag enormer Tragweite“. Das Herzstück der Fertigung von Mercedes-Benz-Trucks wurde hart getroffen. Neben dem weltweit meistverkauften Schwer-LKW Actros, der hier montiert wird, entstehen an dem Standort auch Spezialfahrzeuge wie Unimogs. Zudem soll in Wörth bald auch der erste Elektro-LKW an den Start gehen.

Daimler-Truck-Werk steht still: Lieferanten in Rage - Manager schimpft über Daimler-Bosse

Im Regelbetrieb rollen bis zu 470 genau nach Kundenwunsch gefertigte LKW pro Tag in Wörth vom Band. Rund 10.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Durch den Stillstand drohen dem Daimler-Standort sowie zahlreichen Zulieferern und Kunden heftige Konsequenzen. Ein Lieferant sprach gegenüber Business Insider sarkastisch von einem „Wörth-Case-Szenario“. Solange die Fertigung unterbrochen sei, seien auch keine Anlieferungen von Produktionsmaterial möglich. Lieferanten fürchten deshalb, dass ihre eigenen Lager überquellen.

Daimler kündigte an, sich „vorzubehalten“, die ausgesetzten Produktionsmengen später wieder aufzuholen. Ein hochrangiger Manager eines Zulieferers reagierte erbost: „Ist ja schön, was sich die Daimler-Oberen dieser Tage nicht so alles vorbehalten“, ätzt er im Gespräch mit dem Business Manager. „Ich selbst behalte mir vor, denen in den nächsten Preisgesprächen mal ganz und gar schonungslos aufzuzeigen, welche Unsummen mich das Lösen von Engpässen kostet.“

Stillstand im Daimler-Werk Wörth: Kunden müssen mit längeren Lieferzeiten rechnen

Lediglich für die Ankunft von Fahrern, die schon länger mit Material für Daimler unterwegs sind, wurde im Werk in Wörth eine Notabwicklung eingerichtet, heißt es in dem Bericht. Derweil dürften Kunden aufgrund der Verzögerungen mit noch längeren Lieferzeiten der LKW rechnen als bisher. Die tägliche Kapazität von 470 Neufahrzeugen so mir nichts, dir nichts, aufzuholen, scheint dann doch utopisch.

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