Autos in 100 Jahren

Daimler baut mit Mercedes Vision AVTR spektakuläres Auto der Zukunft - bei Probefahrt zeigt sich nur ein Makel

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG hat mit dem Avatar-Regisseur James Cameron das Auto der Zukunft entwickelt. Die Fahrt darin ist ein futuristisches Erlebnis - bis auf einen Punkt.

  • Die Daimler AG hat in Kooperation mit dem Avatar-Regisseur James Cameron das Auto der Zukunft entwickelt.
  • Die Probefahrt ohne Lenkrad im Mercedes Vision AVTR war ein futuristisches Erlebnis, schreibt ein Journalist der dpa.
  • In einem einzigen Punkt ist das E-Auto von Mercedes-Benz aber alles andere als zukunftsweisend.

Stuttgart - Die Daimler AG hat den Mercedes Vision AVTR in Kooperation mit James Cameron und dem Team hinter dem Science-Fiction-Film Avatar entwickelt. Das Showcar der Daimler-Tochter Mercedes-Benz wurde von der Avatar-Filmwelt Pandora inspiriert, deren Bewohner ihren Planeten gegen die Zerstörung durch den Menschen verteidigen.

Der Mercedes Vision AVTR ist vollelektrisch, vegan und hat eine kompostierbare Batterie. Es handelt sich bei dem E-Auto der Daimler AG um ein Fahrkonzept der Zukunft, das für den Einklang von Mensch und Natur steht, wie es auf der Daimler-Unternehmenswebsite heißt. Auf der Technikmesse CES in Las Vegas wurde das Fahrzeug auf der Straße vorgeführt und auch ein Journalist der dpa durfte eine Probefahrt mit dem Mercedes Vision AVTR machen. Er schreibt, die Fahrt in dem Konzeptfahrzeug der Daimler AG sei „eine Reise in die Zukunft“ – bis auf einen Punkt.  

Die Daimler AG und James Cameron haben das Fahrzeug der Zukunft erschaffen – mit einer weniger futuristischen Fahrleistung

Das Konzeptfahrzeug Mercedes-Benz Vision AVTR wird im Rahmen der Technik-Messe CES in Las Vegas präsentiert.

Die organische Form des Mercedes Vision AVTR der Daimler AG wurde von Lebewesen aus dem Film Avatar inspiriert. Das Showcar hat Flügeltüren aus Glas, die an die Flügel eines Insekts erinnern. Die durchsichtigen Türen sollen den Eindruck erwecken, dass bei dem Fahrzeug Exterieur und Innenraum verschmelzen. Ebenso soll der Fahrer, beziehungsweise Passagier, mit dem E-Auto der Daimler AG verschmelzen – inspiriert von der Verschmelzung der Figuren in dem James-Cameron-Film mit ihren Pferden.

Es gibt in dem Konzeptfahrzeug von Mercedes-Benz kein Lenkrad, sondern einen Autopiloten. Der Mensch kann über einen Joystick eingreifen und den Mercedes Vision AVTR wie ein Computerspiel steuern. Eine Control Unit wird laut Daimler AG in die Handfläche des Passagiers projiziert. „Das klingt abgefahren“, heißt es in dem dpa-Magazin-Bericht über die Probefahrt. Es funktioniere aber kinderleicht. Der einzige Punkt, der nicht futuristisch an dem Mercedes der Zukunft ist, sei die angegebene Spitzengeschwindigkeit von maximal 200 Stundenkilometern. 

Daimler AG: Mercedes-Benz der Zukunft könnte in 100 Jahren ein ganz normales Fahrzeug sein

Da das Konzeptfahrzeug der Daimler AG von Hand gebaut sei, erreiche es die 200 Stundenkilometer jedoch (noch) nicht. Dennoch klingt das meiste an dem Mercedes Vision AVTR äußerst zukunftsweisend. Der „Fahrer“ sitzt man nicht am Steuer, sondern macht es sich auf einer Liege aus veganem Leder gemütlich. Die Konsolen wurden von der Daimler AG umweltfreundlich aus Plastikmüll aus dem Meer angefertigt und können, während der Autopilot übernimmt, als Kinoleinwand genutzt werden.

Das Showcar der Daimler AG hat einen Boden aus regenwaldschonend geerntetem Rattan. Im Inneren bietet das E-Auto eine spektakuläre Lichtshow in Pandora-blau. Die Batterie im Mercedes-Benz der Zukunft ist frei von seltenen Erden, hat 350 kW/476 PS und ist kompostierbar. Leider ist bei der Daimler AG noch lange nicht an eine Serienproduktion des Mercedes Vision AVTR zu denken. Der dpa-Autor vermutet, dass Autos wie dieses in 100 Jahren ganz normal sein werden. Vorerst versucht Daimler noch mit einer klugen Idee, eines der größten Probleme von E-Autos der Gegenwart zu lösen. 

Das Coronavirus hat die Daimler AG hart getroffen. Doch schon vor Corona steckte der Fahrzeughersteller in der Krise. Der ehemalige Daimler-Vorstandsvositzende Dieter Zetsche hat mit dem Umstieg auf das E-Auto zu lange gewartet und den Aufbruch in die Zukunft verschlafen. Nun gab der aktuelle Daimler-CEO Ola Källenius nun einen überraschenden Strategiewechsel bekannt. Der Daimler-Chef will sich von beliebten Mercedes-Modellen abwenden. Daimler könnte deshalb mehrere Werke abstoßen - Hunderttausende Jobs sind dadurch in Gefahr.

Der Daimler AG gehörten einmal 10 Prozent an dem E-Auto-Hersteller Tesla - die Unternehmen kooperierten

Tesla war im Jahr 2009 noch ein kleines Start-up mit großen finanziellen Sorgen. Um den E-Auto-Hersteller zu retten, kaufte Daimler Tesla-Anteile. Es entwickelte sich eine Kooperation zwischen den beiden Unternehmen. Damals gehörten der Daimler AG 10 Prozent von Tesla - die wären heute mehr wert als der halbe Daimler-Konzern.

Rubriklistenbild: © Bernd Hanselmann/dpa/picture alliance

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