Sparmaßnahmen reichen nicht

Immer mehr Entlassungen: Daimler AG will 20.000 Stellen abbauen

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG ist angeschlagen. Daran ist nicht nur das Coronavirus in Baden-Württemberg schuld. Der Fahrzeughersteller will deshalb Stellen abbauen - in größerem Umfang, als bislang bekannt.

  • Die Daimler AG plant einen noch weitreichenderen Stellenabbau, als ohnehin schon bekannt.
  • Die Ausrichtung hin zur Elektromobilität hatte beim Fahrzeughersteller zusammen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu Milliardenverlusten geführt.
  • Zwar hatte sich Daimler im zweiten Quartal gut von der Corona-Pandemie erholt, die Sparmaßnahmen seien aber trotzdem notwendig.

Stuttgart - Nicht nur das Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Daimler AG schwer getroffen. Bereits vor der globalen Pandemie hat die Neuordnung der Autobranche hin zur Elektromobilität dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart zu schaffen gemacht. Der Daimler-Personalchef Wilfried Porth machte deshalb schon eine unheilvolle Vorhersage. Weltweit sollen bis zu 15.000 Stellen abgebaut werden. Eine hochrangige Führungskraft bei Daimler sprach deshalb auch von der „Größten Krise der Nachkriegszeit“.

Trotz der Krise bemüht sich Daimler-CEO Ola Källenius um positive Neuigkeiten. Zuletzt hatte er damit sogar einen kleinen Erfolg. Dank einer neuen Verkündung von Daimler schoss die Aktie an die Dax-Spitze. Doch auf die kurzzeitige Erleichterung folgte am Freitag direkt der nächste Schock. Aufgrund der Milliardenverluste wird wohl auch der bisher geplante Abbau von 15.000 Stellen nicht ausreichen.

Stellenabbau bei der Daimler AG: Trotz Erholung im zweiten Quartal immer höhere Zahlen im Umlauf

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, soll die weltweite Belegschaft der Daimler AG von rund 300.000 Beschäftigten um bis zu 20.000 Arbeitsplätze reduziert werden. Zudem soll die Produktion weiter gestrafft werden. Daran ändert auch nichts, dass sich der Fahrzeughersteller im zweiten Quartal überraschend gut vom Corona-Lockdown erholt hat.

Daimler AG in der Krise: Der Vorstand um CEO Ola Källenius will weltweit noch mehr Stellen abbauen, als bislang geplant.

Bereits Anfang Juli hatte Daimler-CEO Ola Källenius gewarnt, dass es ohne weitere Sparmaßnahmen nicht gehe. „Unsere bisherigen Effizienzziele haben die bevorstehende Transformation abgedeckt, aber nicht eine weltweite Rezession“, so Ola Källenius. Entsprechend ist auch Personalvorstand Wilfried Porth inzwischen der Überzeugung, dass die diskutierten 10.000 oder gar 15.000 abzubauenden Stellen nicht genug seien, erklärte er der dpa. „Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden - und die bräuchten wir, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu verhindern“, sagte Wilfried Porth.

Daimler AG will beim Personal sparen: Stellenabbau soll zwei Milliarden Euro bringen

Insgesamt will die Daimler AG beim Personal zwei Milliarden Euro einsparen, berichtet das Handelsblatt. Das sind 600.000 Euro mehr, als ursprünglich vom Vorstand um CEO Ola Källenius angekündigt worden war. „Die Gespräche mit dem Vorstand hierzu laufen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. „Für die Beschäftigten ist wichtig, dass sie schnell Klarheit darüber bekommen, wie weitere Maßnahmen aussehen“, so Michael Brecht weiter. Auch müsse man so ehrlich sein zu sagen, dass die Corona-Pandemie ein unkalkulierbares Risiko bleibe. Niemand könne eine zweite Welle und damit eine zweite Phase der Kurzarbeit ausschließen.

Am 28. Juli meldete die Daimler AG eine Einigung: Kein Stellenabbau, dafür wird die Arbeitszeit gekürzt und die Prämie gestrichen. Die Details dieser Vereinbarung sind allerdings noch unklar und werden in Stuttgart noch ausgehandelt. Ausgerechnet in dieser Zeit twittert die Daimler AG ein Video, in dem eine Zukunftsforscherin prophezeit: „Menschen werden nicht wegen Geld arbeiten“ - Der Daimler-Tweet muss auf viele Mitarbeiter wie Hohn wirken.

Der Gewinneinbruch der Daimler AG lag dabei vor allem an den Märkten in Europa und Nordamerika. Die Tochtergesellschaft Mercedes-Benz lieferte im zweiten Quartal 20,2 Prozent weniger Fahrzeuge aus, als im Vorjahr - insgesamt 457.711 Autos. In China boomte Mercedes-Benz hingegen nach wie vor. Nach dem Ende des Corona-Lockdowns in China verzeichnete der Fahrzeughersteller ein Auslieferungsplus von fast 22 Prozent, die Bilanz ist seit Jahresbeginn insgesamt positiv.

Daimler-CEO Ola Källenius äußerte sich trotzdem skeptisch, was die Zukunft des Fahrzeugherstellers angeht. „Es bleibt viel zu tun“, sagte Ola Källenius laut dpa. Ola Källenius hatte sich bei den Kostenstrukturen des Traditionskonzerns viel vorgenommen, nachdem er den Job von Daimler-Ex-Chef Dieter Zetsche übernommen hatte.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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