Alleinherrschaft statt Fokus

Daimler AG mit radikaler Wende: Nur noch E-Autos zählen

Mercedes EQA
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Der Mercedes EQA hat einen Akku mit einer Kapazität von 66,5 kWh, der an der Gleichstromsäule im besten Fall in 30 Minuten zu 80 Prozent geladen ist und im WLTP-Zyklus für 426 Kilometer reicht.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Daimler AG zögerte beim E-Auto lange. Inzwischen hat der Fahrzeughersteller aufgeholt - und zieht beim Umstieg immer weiter das Tempo an.

Stuttgart - Lange wollte die Daimler AG von der Elektromobilität nicht viel wissen. Inzwischen hat der Fahrzeughersteller aus Stuttgart aber seine Meinung geändert und bringt immer mehr E-Autos auf den Markt. Die Daimler AG hat den Rückstand auf Konkurrenten damit bereits etwas aufgeholt. Trotzdem ist Daimler laut einer Studie beim E-Auto noch „meilenweit entfernt von dort, wo man sein müsste“.

Von der anfänglichen Zögerlichkeit in Bezug auf E-Autos ist bei der Daimler AG kaum noch etwas zu spüren. Stattdessen überbietet sich der Fahrzeughersteller aus Stuttgart immer weiter, was die selbst gesteckten Ziele betrifft. Zuletzt änderte Daimler sogar die E-Auto-Strategie radikal und entschied, anders als angekündigt doch in die Produktion von Batterien einzusteigen.

Was die Zukunft des Verbrenners bei der Daimler AG angeht, formulierte ein Manager unlängst ganz deutliche Ansprüche. Während viele Autobauer sich schwer damit tun, Verbrennermotoren endgültig zu verbannen und voll auf E-Autos (EV) zu setzen, heißt es beim Fahrzeughersteller aus Stuttgart laut Ecomento: „Wir wechseln von EV first zu EV only“.

Daimler AG drückt aufs Gas: Alleinherrschaft anstatt Fokus beim E-Auto

Wie Ecomento berichtet, soll die Kernmarke Mercedes-Benz laut Daimler-CEO Ola Källenius bis 2030 alle Marktsegmente mit E-Autos abdecken können. Der Daimler-Chef nannte für den Erfolg von E-Autos bereits entscheidende Voraussetzungen. Der Konzern selbst drückt demnach bei der Produktion von Elektroautos ordentlich aufs Tempo. Laut Angaben von Ecomento reicht demnach der alleinige Fokus auf E-Autos nicht mehr. Vielmehr soll der neue Antrieb alleinige Fahrzeugart bei Daimler werden.

Laut eines namentlich nicht genannten Daimler-Managers heißt es künftig nicht mehr „EV first“, sondern „EV only“. Jede Baureihe erhalte demnach eine vollelektrische Version. Entsprechend müssen Produktion, Vertrieb und Strukturen bei Daimler weiter umgestellt werden.

E-Auto-Strategie von Daimler: Fahrzeughersteller bleibt beim schnellen Umstieg kaum eine Wahl

Auch wenn sich die Ziele der Daimler AG durchaus ambitioniert und angesichts des Klimawandels auch vorbildlich anhören: Ganz freiwillig zieht der Fahrzeughersteller aus Stuttgart das Tempo beim Umstieg auf das E-Auto nicht an. In Europa machen der Daimler AG besonders die in Zukunft scharfen CO2-Vorgaben der Europäischen Union zu schaffen. Bislang will Daimler bis Ende des Jahrzehnts mehr als 50 Prozent des Pkw-Absatzes mit Plug-in-Hybriden oder reinen E-Autos erzielen.

Weitere Details zur Strategie von Daimler will CEO Ola Källenius wohl am Strategietag am 22. Juli verkünden. Ein konkretes Datum für das endgültige Aus des Verbrenners werden Fans des Fahrzeugherstellers dann wohl nicht hören. Denn abseits von Europa werden Verbrenner auf anderen Märkten noch länger attraktiv für Daimler bleiben.

Das Ziel, bis 2039 das komplette Unternehmen samt Lieferkette CO2-neutral zu machen, bleibe von dem mutmaßlichen Strategiewechsel zunächst unberührt, so Ecomento. Hier hatte Ola Källenius eigentlich angedeutet, dass es schneller gehen könnte. Die Produktion in Europa soll bereits zum Jahr 2022 klimaneutral werden.

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