Betriebsrat warnt

„Schlag ins Gesicht“: Daimler demütigt Mitarbeiter mit Plan fürs E-Auto

  • Valentin Betz
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Daimler will zum Marktführer bei E-Autos aufsteigen. Doch dieses Vorhaben wird die Mitarbeiter einen hohen Preis kosten. Der Betriebsrat ist überhaupt nicht begeistert.

Stuttgart - Die Daimler AG hat zuletzt seine neue Strategie für die Tochterfirma Mercedes-Benz vorgestellt. Neben der Rückbesinnung auf die Luxusseele der Automarke stellte der Konzern dabei auch klar, weltweit der führende Hersteller von E-Autos werden zu wollen. Schon im Vorfeld der Präsentation überraschte Daimler mit einer neuen Autoklasse, die niemand erwartet hätte. Die Kombination aus SUV und Limousine soll vor allem in China verkauft werden.

Die Fokussierung auf Elektromobilität ist dabei längst überfällig, Daimler hat den Prozess lange verschlafen. Nachdem die EU nun plant, Verbrenner zu verbieten, bleibt dem Konzern aber keine andere Wahl. Außerdem droht die Konkurrenz zu enteilen, ein hochrangiger Manager prophezeite sogar: „Tesla frisst Daimler.“ Doch auch wenn die neue Strategie für Mercedes-Benz nachvollziehbar ist, in den eigenen Reihen stößt sie nur auf wenig Begeisterung. Besonders vom Betriebsrat kommt harsche Kritik.

Daimler fokussiert sich auf E-Mobilität - doch der Betriebsrat schlägt angesichts der Pläne Alarm

Die Daimler AG will erreichen, dass E-Autos schon bis 2030 mehr als 50 Prozent des Absatzes ausmachen, während gleichzeitig der Bestand an Verbrennern um 70 Prozent reduziert werden soll. Michael Brecht, Gesamtbetriebsratschef bei Daimler, hält diesen Fokus auf Elektromobilität für einen Fehler. Wegen des Fokus auf E-Mobilität schlägt der Betriebsrat Alarm (Echo24* berichtete). „Elektromobilität ist wichtig, ja. Es ist aber auch ein Hype darum entstanden, der politisch und gesellschaftlich befeuert wird“, so Michael Brecht zur Automobilwoche.

Die Daimler AG will der führende Hersteller von E-Autos werden. Der Betriebsrat hält das für einen Fehler.

Man dürfe herkömmliche Verbrenner nicht immer verteufeln, sagt der Betriebsratschef der Daimler AG. „Die Gesamtklimabilanz ist wichtig, nicht die Antriebsart. Wer ohne Verbrenner plant, schlägt all denjenigen Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht, die seit Jahrzehnten in diesen Bereichen eine hervorragende Arbeit leisten und diese Technik weiter verbessern“, erklärte Michael Brecht.

Der Daimler-Betriebsratschef hält Elektromotoren ebenso wenig wie Verbrenner für ein Allheilmittel. Wichtige Grundsatzfragen seien auch bei der E-Mobilität noch nicht geklärt. Laut Michael Brecht gehört dazu beispielsweise die Frage, ob Batterien in ausreichender Stückzahl verfügbar seien, woher die Rohstoffe dafür kämen und wie die Ladeinfrastruktur für E-Autos vorankomme.

Daimler will wegen Fokus auf E-Mobilität Personal abbauen - der Betriebsrat hat dafür kein Verständnis

Neben der einseitigen Konzentration der Daimler AG auf E-Mobilität stört den Betriebsrat auch der damit verbundene Abbau von Stellen. Der Konzern muss auch wegen tiefroter Zahlen im zweiten Quartal sparen und will deshalb zwischen 10.000 und 15.000 Jobs streichen. Wie die dpa schreibt, berichten einzelne Medien sogar von bis zu 30.000 Stellen, die entfallen sollen - bei weltweit 300.000 Angestellten wären das 10 Prozent.

Dabei hatte jüngst eine Studie ergeben, dass die E-Mobilität Daimler & Co. weniger schaden könnte, als angenommen. Denn die Annahme, E-Autos seien weniger komplex und benötigten daher weniger Arbeitskräfte, erwies sich als falsch. Für Schritte, die im Vergleich zum Verbrenner wegfallen, kommen neue Prozesse hinzu. Das Problem: Daimler stellt bislang Batterien nicht selbst her, sondern verlagert diese Aufgabe ins Ausland.

Laut Michael Brecht machte die Personalkosten faktisch weniger als 15 Prozent der Gesamtkosten aus. „Da muss dem Unternehmen mehr einfallen, als uns jedes Mal die Personalkosten um die Ohren zu hauen“, erklärte Michael Brecht daher der dpa. (*Echo24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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