Kritik von Umweltschützern

Daimler will das größte Problem von Hybrid-Autos lösen

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG baut bisher kaum reine E-Autos. Stattdessen kündigte der Konzern zuletzt neue Plug-in-Hybride an. Doch die Modelle haben eine entscheidende Schwäche.

Stuttgart - Die Daimler AG sieht die Zukunft des Konzerns in der E-Mobilität. Allerdings hat der Konzern aus Stuttgart den Strukturwandel bislang weitestgehend verschlafen, reine E-Autos sind in der Fahrzeugflotte Mangelware.

Der Betriebsrat sieht die Pläne des Konzerns kritisch. Aus seiner Sicht demütigt Daimler die Mitarbeiter mit den E-Auto-Plänen. Denn seit Jahren Arbeiten die Daimler-Ingenieure auch daran, die Verbrenner zu optimieren und deren CO2-Ausstoß zu senken. Klar ist aber auch, dass der Strukturwandel hin zur E-Mobilität nicht schlagartig passiert.

Ein Mittel für einen stufenweisen Übergang sind bei der Daimler AG daher Plug-in-Hybride. Während der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung sogar eine Prämie für den Kauf dieser Antriebsart ausgelobt. Daimler reagierte darauf mit drei neuen Modellen. Doch was die Klimabilanz betrifft, haben Hybridautos eine entscheidende Schwäche.

Daimler AG setzt auf Plug-in-Hybride - doch der Mix aus E-Auto und Verbrenner wird heftig kritisiert

Auf dem Papier hört sich die Kombination aus E-Auto und Verbrenner eigentlich vielversprechend an. Der elektrische Antrieb der Autos von Daimler bietet immerhin eine Reichweite von 100 Kilometern. Doch bei Umweltschützern stößt das Prinzip auf Kritik.

Daimler setzt auf Plug-in-Hybride: Die neue S-Klasse soll ebenfalls als Kombination aus E-Auto und Verbrenner erscheinen.

Der europäische Umweltdachverbands Transport & Environment (T&E) hatte kürzlich erst der Daimler AG ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, was das Erreichen der Ziele für die CO2-Grenzwerte betrifft. Daimler schneidet da im Vergleich zu anderen Autobauern schlecht ab. Mitverantwortlich dafür sind laut T&E auch Plug-in-Hybride.

Der Verband bezeichnet viele Modelle als „Fake“, da der E-Antrieb der Autos kaum genutzt werde und der Verbrennungsmotor eine deutlich schlechtere CO2-Bilanz hat als klassische Verbrenner. Die Daimler AG weiß um dieses Problem - wehrt sich aber vehement gegen eine Generalkritik an Plug-in-Hybriden und will diese Schwäche stattdessen auflösen.

Plug-in-Hybride der Daimler AG: CEO Ola Källenius gibt Kritikern recht - verteidigt die Technologie aber trotzdem

Auch Daimler-CEO Ola Källenius ist sich der Schwächen von Plug-in-Hybriden durchaus bewusst und hat Verständnis für die Kritik von Umweltschützern. „Für die erste Generation, in der die Reichweiten niedriger waren, gibt es jetzt Studien. Sie sagen: Na ja, die laden zu wenig“, so Ola Källenius bei einem Treffen der Internationalen Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Deshalb will der Vorstand der Daimler AG Plug-in-Hybride aber nicht pauschal verdammt sehen. „Mit steigender E-Reichweite nutzen die Kunden eher das Produkt, so wie es im Sinne des Erfinders ist“, erklärte Ola Källenius. Die aktuelle Reichweite von Modellen der Daimler-Tochter Mercedes-Benz hält der CEO für ausreichend. „Mit einer solchen Reichweite können fast alle Kunden Montag bis Freitag CO2-frei fahren. Und das tun auch viele“, so Ola Källenius.

Falsch genutzte Plug-in-Hybride von Daimler: Ola Källenius will Anreize für häufiges Laden schaffen

Auch wenn der Daimler-CEO persönlich vom Konzept der Plug-in-Hybride bereits überzeugt ist, will er dafür sorgen, dass noch mehr Kunden hauptsächlich den E-Antrieb der Modelle nutzen. „Wir werden auch eine Art Punktesystem einführen, wo wir unsere Kunden dafür belohnen werden, wenn die so laden, wie sie laden sollten“, erklärte Ola Källenius bei dem Treffen der Internationalen Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Mit den gesammelten Punkten könnten Fahrer von Plug-in-Hybriden dann etwa Zubehör erwerben. BMW hatte ein ähnliches Programm angekündigt. Daimler-CEO Ola Källenius wies darüber hinaus auf die Bedeutung von Plug-in-Hybriden für den Strukturwandel hin zur E-Mobilität hin. „Wir werden das Konzept Plugin-Hybride als Technologie-Minimum dieses Jahrzehnt brauchen, also sollten wir es nicht jetzt kaputtreden“, sagte Ola Källenius.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG

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