Kooperation mit Nvidia

Daimler baut ab 2024 alle Mercedes-Benz-Modelle mit einer Technologie, die das Fahren für immer verändert

Ein Mercedes-Benz-Auto fährt bei einem Test autonom durch ein Parkhaus
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Die Daimler AG will das Autonome Fahren durch eine Kooperation mit Nvidia voranbringen
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Die Daimler AG arbeitet weiter am Auto der Zukunft. Jetzt hat der Konzern eine neue Kooperation vereinbart. In alle Mercedes-Benz-Modelle werden ab 2024 Computer der US-Firma Nvidia eingebaut.

  • Die Daimler AG verbaut ab 2024 Computer der Firma Nvidia in allen Mercedes-Benz-Autos.
  • Die US-Firma ist eigentlich für Grafikkarten bekannt, beschäftigt sich aber auch mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen.
  • Künftig sollen Fahrzeuge von Mercedes-Benz einfach via Software-Update aktualisiert werden können.

Stuttgart/Santa Clara - In den Fahrzeugen der Daimler AG ist immer mehr Technik verbaut. Erst Anfang Juni hatte die Daimler AG Tesla mit einem eigenen Betriebssystem den Kampf angesagt. Allerdings sorgt der Fokus auf neue Technologien in Autos auch für Ärger. Der Daimler AG droht sogar ein Verkaufsverbot für Mercedes-Benz-Autos, weil sich der Konzern mit Nokia um Patentrechte für Mobilfunkstandards streitet. Die Standards werden von Chips genutzt, die in Fahrzeugen von Mercedes-Benz verbaut sind.

Trotzdem setzt die Daimler AG auch weiterhin auf technologischen Fortschritt. In Zukunft kooperiert die Tochterfirma der Daimler AG Mercedes-Benz deshalb mit der US-Firma Nvidia. Daimler will ab 2024 in allen Fahrzeugen von Mercedes-Benz Computer von Nvidia verbauen.

Kooperation von Daimler und Nvidia: Bekommen Fahrzeuge in Zukunft einfach ein Software-Update?

Die Computer der Firma Nvidia sollen in den Fahrzeugen der Daimler AG Fahrassistenz-Systeme, teilweise automatisiertes Fahren sowie komplett eigenständiges Navigieren auf Parkplätzen ermöglichen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur soll das erste Modell von Mercedes-Benz mit der gemeinsam entwickelten Fahrzeug-Architektur Ende 2024 auf die Straße kommen. Mit der Zeit soll die Technologie in allen Modellreihen des Fahrzeugherstellers eingesetzt werden.

Die Daimler AG und Nvidia haben große Ziele für ihre Zusammenarbeit. „Das Geschäftsmodell der Autoindustrie wird sich verändern“, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang zu der Kooperation gegenüber der dpa. Denn: Durch die in Mercedes-Benz-Autos verbauten Computer besteht für die Daimler AG die Möglichkeit, es einfach mit neuen Funktionen und Fähigkeiten zu aktualisieren.

Früher sei ein Auto beim Kauf am besten gewesen, jetzt könne es mit der Zeit dank Software besser werden. „Gemeinsam wollen wir den Autobesitz über den Lebenszyklus revolutionieren, indem wir die Fahrzeugsoftware kontinuierlich via Over-the-Air-Updates aktualisierbar machen“, so Jensen Huang in einer Pressemitteilung der Daimler AG. „Es ist eine neue Ära für die Automobilindustrie, die traditionell lange Entwicklungszyklen hatte“, betonte auch Danny Shapiro, Chef von Nvidias Autogeschäft.

Daimler AG und Nvidia: Alle Mercedes-Benz-Autos ab 2024 mit künstlicher Intelligenz ausgestattet

Wenn es nach der US-Firma Nvidia geht, liegt die Zukunft der Daimler AG und anderer Fahrzeughersteller in der Software. „Es ist Software, die Produkte besser und besser machen kann“, erklärt Danny Shapiro. In alle Mercedes-Benz-Autos soll künftig deshalb - unabhängig von der Modellklasse und den von Kunden erworbenen Funktionspaketen - Nvidias Ende vergangenen Jahres vorgestellter Autocomputer „Orin“ eingebaut sein. „NVIDIAs KI-Rechnerarchitektur soll dabei helfen, unseren Weg zum autonomen Fahren weiter zu beschleunigen. Neue Funktionen und Upgrades können aus der Cloud heruntergeladen werden“, schwärmte auch Daimler-CEO Ola Källenius von der neuen Kooperation.

Der Autocomputer verarbeitet in Fahrzeugen der Daimler AG künftig nicht nur die Daten verschiedener Sensoren, sondern die Software läuft auch mit künstlicher Intelligenz. Der Chef von Nvidias Autogeschäft, Danny Shapiro, beugte in seinem Statement auch direkt möglichen Kritikpunkten vor: Auch wenn das System 2024 schon fünf Jahre alt sei, werde es noch auf dem aktuellen Stand der Technik sein, so Danny Shapiro.

Fans der Daimler AG und vor allem von Mercedes-Benz fragen sich jetzt natürlich, in welcher Modellreihe der neue Computer von Nvidia zuerst verbaut wird. Dazu machten die beiden Kooperationspartner allerdings keine Angaben. Es steht jedoch jetzt schon fest: Vorherigen Modelle wird man nicht nachrüsten können, da eine komplett neue Fahrzeugarchitektur notwendig sei.

Neue Computer für Mercedes-Benz: Kooperation mit Nvidia sticht Zusammenarbeit mit BMW aus

Die Kooperation zwischen der Daimler AG und Nvidia bedeutet gleichzeitig, dass Mercedes-Benz eine andere Partnerschaft vorerst aussetzt. Bis vor kurzem loteten nämlich Mercedes-Benz und BMW eine gemeinsame Entwicklung von Technologie zum automatisierten Fahren aus. Weil BMW aber mit der Intel-Tochter Mobileye kooperiert, die mit ihren Computern und Software als ein Konkurrent von Nvidia auftritt, wird diese Partnerschaft auf Eis gelegt.

Ähnlich wie die Firma Nokia, mit der sich die Daimler AG aktuell wegen Patentrechten streitet, hat auch Nvidia einen Wandel in Bezug auf ihr Hauptgeschäftsfeld vollzogen. Nvidia war ursprünglich vor allem als Grafikkarten-Spezialist bekannt. Doch seit sich zeigte, dass sich Grafikkarten gut für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz eignen, setzt die Firma aus dem Silicon Valley verstärkt auch auf Technologie für maschinelles Lernen, darunter auch beim autonomen Fahren.

Die Daimler AG Tochter Mercedes-Benz startete 2018 mit einem großen Plan. Ein Auto-Abo sollte dem Fahrzeughersteller eine jüngere Kundschaft sichern, der Plan ging zumindest für den US-Markt nicht auf. Zum Monatsende wird das Abo-Modell „Mercedes-Benz Collection" wieder eingestellt.

An anderer Stelle hat die Daimler AG zudem großen Ärger: In einem Gerichtsverfahren zwischen Daimler und Nokia hat das Landgericht Mannheim jetzt ein erstes Urteil verkündet - und Nokia recht gegeben. Das Gerichtsurteil bringt Daimler in Bedrängnis, der Konzern setzt alles daran, es rückgängig zu machen. Dem Fahrzeughersteller droht zwar wohl kein Verkaufsverbot für seine Autos, wohl aber die Zahlung von Schadenersatz.

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