Reichweite reicht nicht aus

Daimler: Elektro-Krankenwagen von Mercedes kann ohne zweiten Akku nicht fahren

Ein Mercedes-Sprinter als Krankenwagen.
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Der zum Krankenwagen umgebaute E-Sprinter von Mercedes braucht zwei Akkus (Symbolbild)
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Daimler AG stellt neben Autos und Vans auch Nutzfahrzeuge für Rettungseinsätze her. Ein elektrischer Krankenwagen stellt die Mercedes-Ingenieure nun jedoch vor Probleme.

Stuttgart - Die Daimler AG ist weltweit vor allem für die Modelle von Tochter Mercedes-Benz bekannt. Durch die beschleunigte E-Autos Strategie des Konzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart sollen alle Autos der Marke ab 2025 auch in einer elektrischen Version verfügbar sein. Insgesamt priorisiert der Autobauer das E-Auto und will ab 2030 ausschließlich batteriebetriebene Fahrzeuge bauen. Mit der elektrischen Limousine EQS leiteten die Schwaben eine neue Ära ein, viele weitere E-Auto-Modelle sollen folgen.

Neben Autos und Vans baut die Daimler AG jedoch auch schwere Nutzfahrzeuge. Die Lkw-Sparte Daimler Truck AG wird nach der Konzern-Spaltung selbstständig. Das Unternehmen verkaufte die Marke „Daimler“ für rund 10 Millionen Euro. Neben klassischen Lkw und Transportern beinhaltet das Portfolio auch spezielle Fahrzeuge für den Rettungseinsatz. Daimler schickte beispielsweise spezielle Fahrzeuge in die Flut-Gebiete.

Als die Feuerwehr Stuttgart im vergangenen Jahr ihre Flotte auf E-Autos umstellte, ging der heimische Autobauer jedoch leer aus. Weil die elektrische Palette noch nicht groß genug war, steuerte Daimler nur E-Smart bei. Nun entwickelte Mercedes jedoch einen elektrischen Krankenwagen, der die Ingenieure vor große Probleme stellt, berichtet 24auto*.

Daimler AG entwickelte in Kooperation ersten elektrischen Krankenwagen

Die Daimler AG schloss sich für das erste batteriebetriebene Rettungsfahrzeug mit einem Aufbauhersteller für Sonderfahrzeuge aus Sachsen-Anhalt zusammen. Der Anbieter gilt als größter Hersteller von Kranken- und Rettungswagen in Europa und stellt jährlich rund 1.500 solcher Fahrzeuge her. Bei dem elektrischen Krankenwagen der beiden deutschen Unternehmen handelt es sich jedoch nicht um ein vollständig neu gebautes Fahrzeug. Stattdessen wurde ein Mercedes eSprinter zum Rettungswagen umgebaut. „Wir sind sehr stolz, dass Mercedes-Benz Vans mit uns dieses Projekt gestartet hat“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens laut der fnp*.

In Bezug auf die E-Autos der Daimler AG und anderer deutscher und internationaler Hersteller stellen sich mehrere Probleme. Zum einen ist die Infrastruktur für E-Ladesäulen noch nicht ausreichend ausgebaut. Auch Daimler-Chef Ola Källenius nannte das eine Voraussetzung für den Durchbruch der E-Autos. Zum anderen ist die Leistung der Akkus, und damit die elektrische Reichweite der Fahrzeuge, noch nicht mit der Reichweite eines Verbrenner-Modells vergleichbar. Dieser Umstand stellt auch die Ingenieure beim ersten vollelektrischen Krankenwagen vor Herausforderungen.

Daimler AG: Mercedes-Krankenwagen braucht für Einsätze zwei Akkupakete

Ein Krankenwagen muss nach der Alarmierung in der Einsatzzentrale schnellstmöglich zum Einsatzort gelangen. In großen Städten wie Berlin, Hamburg, München oder auch Stuttgart könnte die Akkukapazität bei einem Einsatz in den Außenbezirken schnell an ihre Grenzen kommen. Da es im schlimmsten Fall um Leben und Tod geht, haben die Fahrer jedoch keine Zeit, den elektrischen Mercedes-Krankenwagen zwischenzeitlich zu laden. Zudem wird auch für die medizinische Versorgung innerhalb des Fahrzeuges Strom benötigt.

Die medizinischen Gegenstände im elektrischen Krankenwagen der Daimler AG haben deshalb eine eigene Stromversorgung erhalten. Das Akkupaket musste demnach erweitert werden. „Sonst würde die elektrische Reichweite bei 30 oder 40 Kilometern liegen, wenn wir alle medizinischen Verbraucher angeschlossen und im Betrieb hätten“, sagte sagte Vertriebsleiter Frank Lundershausen laut der fnp*. Somit benötigt der E-Sprinter zwei Akkupakete, die auch mit zwei Steckern an der Ladestation geladen werden müssen. Die Stromversorgung der Krankenwagen-spezifischen Ausrüstung ist über einen Anschluss auf der Fahrerseite möglich. Der Akku für den Betrieb des elektrischen Motors befindet sich dagegen hinter dem Mercedes-Stern im Kühlergrill.

Bislang ist die Reichweite des elektrischen Krankenwagens der Daimler AG jedoch noch auf 120 Kilometer begrenzt. „Bis die Akkus für 300 Kilometer oder mehr halten, sehe ich ein solches Fahrzeug eher für Krankentransporte auf einem großen Klinikgelände oder in einer kleinen Stadt“, so Lundershausen. „Für eine Großstadt reicht das noch nicht. Aber es gibt bereits genügend Anwendungsfälle, wo es passt.“ *24auto und fnp sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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