Ola Källenius nennt es „revolutionär“

Daimler AG feiert neues Multimediasystem auf Twitter - und kassiert Häme und Spott: „Das ist eine Schande“

  • Valentin Betz
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Im Rahmen der Hauptversammlung stellte die Daimler AG ihr neues Multimediasystem MBUX vor. Während Daimler-CEO Ola Källenius es als „revolutionär“ beschreibt, macht sich die Netzgemeinde darüber lustig.

  • Auf ihrer virtuellen Hauptversammlung hat die Daimler AG ihr neues Multimediasystem MBUX vorgestellt.
  • Daimler-CEO Ola Källenius will mit der neuen Generation das MBUX „revolutionieren“.
  • Das Feedback der Netzgemeinde auf die Präsentation ist allerdings alles andere als positiv.

Stuttgart - Die Daimler AG bemüht sich weiterhin, trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg positive Nachrichten zu verkünden. Erst Anfang Juli meldete der Fahrzeughersteller aus Stuttgart, ab 2024 alle Mercedes-Benz-Modelle mit Computern der US-Firma Nvidia ausstatten zu wollen. Auch sonst betont die Daimler AG, dass ihre Zukunft in der Digitalisierung und der Elektromobilität liegt. Zu dem Plan gehört auch die Kooperation der Daimler AG mit dem chinesischen Batteriehersteller Farasis.

Doch nicht alle sind mit der Arbeit der Daimler AG zufrieden. Auf der virtuellen Hauptversammlung musste sich Daimler-CEO Ola Källenius deshalb erstmals wütenden Anlegern stellen. Die Aktionäre machen sich Sorgen um die wirtschaftliche Lage des Fahrzeugherstellers. Denn: Auch die Daimler AG trifft das Coronavirus mit voller Wucht. Umso mehr ist das Unternehmen um Daimler-CEO Ola Källenius darauf bedacht, mit ihren Plänen für die Zukunft das Vertrauen wiederherzustellen. Auf der virtuellen Hauptversammlung feierte der Stuttgarter Autokonzern daher auch sein neues Multimediasystem MBUX, das zusammen mit der S-Klasse im Herbst 2020 kommen soll - doch die Netzgemeinde reagierte darauf anders als erwartet.

Daimler AG stellt neues Multimediasystem auf Twitter vor: Im Gegensatz zu Ola Källenius findet es das Internet alles andere als „revolutionär“

„Mit neuen und erweiterten Funktionen revolutionieren wir unser MBUX. In Sachen Performance, Lernfähigkeit, Design und Individualisierung des Systems gehen wir komplett neue Wege“, schwärmt Ola Källenius von der nächsten Generation des Multimediasystems. Auf Twitter postete die Daimler AG dazu einen Beitrag mit den Worten „Our future is digital and electric“, also „Unsere Zukunft ist digital und elektrisch.“

Daimler AG: Ola Kaellenius bezeichnete das neue Multimediasystem als revolutionär, doch auf Twitter erntet der Fahrzeughersteller nur Spott und Häme.

Die Kommentare der Twitter-Nutzer ließen daraufhin nicht lange auf sich warten - sie teilen die Meinung von Daimler-CEO Ola Källenius offenbar überhaupt nicht. Ein Nutzer schreibt zum Beispiel: „Well for other companies digital and electric vehicales are part of the present. Just a dinosaur like Daimler calles the state of the art ‚future‘. All electric not before 2039 IS A SHAME!“ - auf Deutsch: „Also für andere Unternehmen sind digitale und elektrische Fahrzeuge Bestandteil der Gegenwart. Nur ein Dinosaurier wie Daimler nennt den aktuellen Stand der Technik ‚Zukunft‘. Komplett elektrisch nicht vor 2039, das IST EINE SCHANDE!“. Viele schließen sich dieser Kritik an und stören sich vor allem daran, dass Daimler in seinem Tweet Elektromobilität und Digitalisierung als Zukunftsszenario beschreibt - obwohl beides ihrer Ansicht nach schon längst die Gegenwart sein sollte.

Besonders dürfte die Daimler AG folgender Seitenhieb auf Twitter schmerzen: „Tesla ist already there. For more than 10 years ....“, also „Tesla hat das längst erreicht. Vor mehr als 10 Jahren ...“ Denn mit dem neuen Betriebssystem MB.OS hatte Daimler jüngst dem Fahrzeughersteller Tesla den Kampf angesagt. In der Pressemitteilung zum neuen Multimediasystem MBUX preist die Daimler AG auch den großen OLED-Touchscreen zwischen Fahrer und Beifahrer an - den Tesla schon längst in seinen Modellen verbaut hat.

Multimediasystem von Daimler AG soll nicht nur schön aussehen, sondern auch für mehr Sicherheit sorgen

Das neue Multimediaystem MBUX der Daimler AG soll außerdem nicht nur "Infotainment" sein, sondern im Zusammenspiel mit dem Fahrassistenzsystem auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Erstmals soll MBUX in der neuen S-Klasse verbaut sein. Dann erkenne der Wagen nicht nur, dass sich ein anderes Fahrzeug nähert, sondern auch welches – im Screen werde angezeigt, ob es sich um ein Motorrad, einen Pkw oder einen Lkw handle.

Doch auch davon ist die Twitter-Gemeinde nicht überzeugt. Ein Nutzer schreibt: „Jaaa, leider ist Euer erneuertes ‚Abstand-Warnsysten‘ auf VW-Golf Niveau: Es nervt ohne Grund, und die Grafik mit dem Auto-Umriss ist auf Win95 Niveau.“ In der Pressemitteilung und dem kurzen Twitter-Video der Daimler AG ist auch das voraussichtliche Design des Multimediasystems zu sehen, das nicht nur für einen Nutzer „Windows 95-Niveau“ hat. Ein anderer kommentiert: „Das ist Windows Media Player Design von 2009. Und funktioniert wahrscheinlich auch so...“ Twitter-Nutzer Ben drückt sich etwas kryptischer in Bezug auf das Design aus: „1999 left the chat.“ - „1999 hat den Chat verlassen“.

Positives Feedback zum neuen Daimler-Multimediasystem oder der S-Klasse sucht man unter dem Tweet vergeblich. Ein Großteil der Kommentare geht erst gar nicht auf Details ein, sondern zeigt sich einfach nur enttäuscht und wenig optimistisch, was die Zukunft der Daimler AG angeht. Am radikalsten beschreibt es wohl dieser Nutzer: „In short: you are doomed!“ - „Kurz gesagt: ihr seid verloren!“

Doch die Daimler AG hat in Kooperation mit den Machern des Films Avatar ein E-Auto entwickelt, das klimaverträglich, vegan und regenwaldschonend ist. Das Showcar ist als positiver Blick nach vorne zu verstehen. Mit dem Mercedes Vision AVTR hat Daimler ein spektakuläres Auto der Zukunft gebaut - bei der Probefahrt zeigt sich nur ein Makel.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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