Autohersteller auf Sparkurs

Daimler AG will Werk mit 1.600 Mitarbeitern verkaufen - und eines der beliebtesten E-Autos künftig in China produzieren

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Die Daimler AG konzentriert sich vermehrt auf Elektrifizierung und Digitalisierung. Um diese Ziele voranzutreiben, plant der Fahrzeughersteller jetzt den Verkauf eines PKW-Werks im französischen Hambach.

  • Die Daimler AG setzt in Zukunft auf Digitalisierung und Elektromobilität.
  • Um die Kosten dafür zu stemmen, will die Daimler AG einen Standort im französischen Hambach verkaufen.
  • In dem Werk wird der aktuelle Smart produziert, das neue Modell soll allerdings in China gebaut werden.

Stuttgart - Die Themen Elektromobilität und Digitalisierung werden auch für die Daimler AG immer wichtiger. Zuletzt hatte der Fahrzeughersteller verkündet, alle Mercedes-Benz-Modelle in Zukunft mit Computern der US-Firma Nvidia ausstatten zu wollen. Darüber hinaus will die Daimler AG bei der Batterieherstellung mit dem chinesischen Unternehmen Farasis kooperieren.

Die Orientierung nach China ist auch eine Entscheidung, die jetzt wohl einem PKW-Werk im französischen Hambach zum Verhängnis werden könnte. Die Daimler AG plant, „Kapazitäten an die zu erwartenden Marktentwicklungen anzupassen“ und das Werk deshalb zu verkaufen.

Daimler AG: Elektrifizierung, Digitalisierung und Coronavirus bedrohen PKW-Werk in Hambach

Um die Kosten für die Elektrifizierung und Digitalisierung bei Mecedes-Benz stemmen zu können, will der Fahrzeughersteller aus Stuttgart effizienter werden. „Zusätzlich führen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Wirtschaft zu neuen Rahmenbedingungen im Markt und in diesem Zusammenhang optimieren wir unser globales Produktionsnetzwerk", erklärt Daimler-CEO Ola Källenius außerdem in einer Pressemitteilung.

Daimler AG plant Verkauf des Werks in Hambach: Noch rollt hier der Smart EQ vom Band.

Von dieser Optimierung könnte jetzt das PKW-Werk im französischen Hambach betroffen sein, da Daimler wegen mickriger Verkäufe an dem einst beliebten Modell Smart verzweifelt. Das Werk mit 1.600 Beschäftigten produziert den Smart EQ fortwo, also die vierte Generation des Elektrofahrzeugs. Allerdings wird die nächste Generation von Smart-Elektrofahrzeugen vom Gemeinschaftsunternehmen der Daimler AG mit Großaktionär Geely in China produziert. Wie das Handelsblatt berichtet, wollen Daimler und Geely ab 2022 neue vollelektrische Smart-Modelle auf den Markt bringen und weltweit vertreiben.

Ob und wann der Verkauf des PKW-Werks in Hambach vollzogen wird, ist allerdings noch unklar. Vorstandsmitglied Markus Schäfer, unter anderem verantwortlich für Mercedes-Benz Cars, äußerte sich dazu kryptisch in der Pressemitteilung der Daimler AG: „Ein wichtiges Ziel ist für uns, die Zukunft des Standortes zu sichern. Weitere Prämisse: Die aktuellen smart Modelle sollen weiter in Hambach produziert werden", so Markus Schäfer. Wie die Zukunft des Standorts trotz eines Verkaufs und der künftigen Produktion in China gesichert werden soll, bleibt fraglich.

Möglicher Verkauf des PKW-Werks in Hambach durch Daimler: Frankreich zeigt sich wenig begeistert

Mit dem Verkauf des Werks in Hambach verbundene Bewertungseffekte würden zu einem negativen Sondereffekt im mittleren dreistelligen Millionenbetrag führen, die im zweiten Quartal zu Buche schlügen, heißt es außerdem in der Pressemitteilung der Daimler AG.

Laut Handelsblatt ist Frankreich von den Plänen der Daimler AG nur wenig angetan. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hat bereits auf das Vorhaben, das PKW-Werk in Hambach zu schließen, reagiert. „Der Standort Hambach ist ein Symbol für die deutsch-französischen industriellen Beziehungen“, sagte Bruno Le Maire laut Handelsblatt. An den Fahrzeughersteller aus Stuttgart gewandt sagte er: „Ich wünsche, dass die Zukunft dieses modernen und beispielhaften Standortes gesichert wird, der sich für die ökologische Wende entschieden hat, indem er E-Autos herstellt. Mit seiner Ankündigung hat sich Daimler bewusst oder ungewollt in einen Konflikt begeben, der gerade erst begonnen hat.“

Inzwischen ist der Verkauf der Smart-Fabrik in Hambach beschlossene Sache. Daimler stößt das Werk ab und hinterlässt bei den 1.600 Mitarbeitern Verzweiflung. Als möglicher Käufer gilt nach wie vor die britische Firma Ineos. Der Petrochemiekonzern könnte dort einen Allrad-Geländewagen mit Sechs-Zylinder-Verbrennungsmotor produzieren.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare