Mercedes-Benz für junge Leute

Große Pläne: Mercedes-Benz wollte Ruf als „Opa-Auto“ abschütteln - doch die Idee wurde zum Flop

Ein Mercedes-Benz GLK fährt auf einer Teststrecke in Baden-Württemberg
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Die Daimler AG verkauft besonders viele Autos an ältere Menschen - bliebt ist der Mercedes-Benz GLK
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG wagte im Jahr 2018 mit ihrer Tochterfirma Mercedes-Benz ein Experiment - eine völlig neue Art, Auto zu fahren. Doch das ehrgeizige Projekt wurde zum Flop.

  • Die Daimler AG startete mit ihrem Tochterunternehmen Mercedes-Benz ein ehrgeiziges Angebot in den USA
  • Das Abo-Modell schien vielversprechend: Für eine monatliche Gebühr konnten Kunden verschiedene Fahrzeuge der Marke Mercedes fahren - für bis zu 3.000 Euro.
  • Doch das Projekt wurde zum Flop - wegen mangelnder Nachfrage stellte Daimler das Abo-Modell nun ein

Stuttgart/USA - Die Daimler AG mit ihrem Tochterunternehmen Mercedes Benz würde gern attraktiver für junge Menschen werden. Immer noch kämpft Mercedes mit dem Ruf, Autos für Männer im gesetzten Alter zu bauen. Laut einer Umfrage von 2016 sind die Mercedes-Benz B-Klasse und der GLK bei Senioren die beliebtesten Autos. Der Anteil von Autofahrern über 70, die eine Versicherung für ein Auto der Daimler AG abgeschlossen haben, ist viermal so hoch wie bei den 20-Jährigen.

In Internet-Foren fragen mehrere Nutzer besorgt, ob ihr neuer Mercedes ein „Opa-Auto“ sei. „Ich bekomme es noch sehr oft zu hören und kann diese Meinung überhaupt nicht vertreten“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer schreibt, er hätte sich einen Mercedes E220 CDI zulegt. „Meine Frau meint, das wäre ein Opa-Auto“, klagt er. „Wer kann mich retten? Ich muss doch meiner Frau kontern!“

Dass die Premium-Marke der Daimler AG eher ältere Käufer anzieht, liegt unter anderem an dem hohen Kaufpreis, den sich viele junge Menschen nicht leisten können. Um dennoch jüngere Kunden anzulocken, startete die Daimler AG im Jahr 2018 ein Abo-Modell. Die „Mercedes-Benz Collection“ bietet Kunden aus den USA eine Auswahl von Fahrzeugen. Das Abonnement der Daimler AG ist ein „Monthly subscription service“ (Monatlicher Abo-Dienst).

Daimler AG: So funktionierte das gefloppte US-Abo von Mercedes-Benz

Die Daimler AG hat ihren Hauptsitz in Stuttgart, unterhält aber Daimler-Standorte auf der ganzen Welt. Mit dem ehrgeizigen Abo-Plan wollte der Fahrzeughersteller den US-Markt erobern. Das Modell für die USA ist vergleichbar mit dem „Mercedes me Flexperience“ für deutsche Kunden, es gibt auch einige Unterschiede. Doch der Plan der Daimler AG, mit dem Abo weitere Zielgruppen zu erschließen, ging nicht auf. Zum 31. Juli wird „Mercedes-Benz Collection" wegen mangelnder Nachfrage wieder eingestellt.

Laut der US-Seite des Daimler-AG-Tochterunternehmens Mercedes-Benz ist das Wechseln von Fahrzeug zu Fahrzeug im Abo sehr einfach. Benötigt wird die Mercedes-Benz Collection App. Über die App können die Kunden auswählen, welches Modell des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart sie wollen und wann sie es benötigen. Zusätzlich sind laut Mercedes-Benz viele Extraausstattungen buchbar. Dazu zählen beispielsweise mehr Sitze oder mehr PS.

Der Service der Daimler AG findet durch gespeicherte Vorlieben das perfekte Fahrzeug aus dem Angebot von Mercedes-Benz für den Kunden. Versprochen wird auch eine Lieferung bis vor die Haustür. Nach jedem Wechsel können die Kunden die Fahrt mit dem Auto bewerten, dadurch soll die Wahl des richtigen Fahrzeugs noch genauer erfolgen.

Abo der Daimler AG kostet stattliche Summe - bis zu 2.995 Euro für Premium-Modelle von Mercedes-Benz

Das Abo-Modell des Daimler AG-Tochterunternehmens Mercedes-Benz ist laut der Homepage in Nashville (Tennessee), Atlanta (Georga) und Philadelphia (Pennsylvania) verfügbar. Bei der Aktivierung ist eine einmalige Startgebühr von 495 US-Dollar zu zahlen. Zunächst gab es drei Abonnement-Stufen. Die Stufe „Signature“ kostete 1.095 US-Dollar, die Stufe „Reserve1.595 US-Dollar und für die dritte Stufe „Premier“ zahlten die Kunden 2.995 US-Dollar im Monat. Im Februar 2020 kam eine weitere Stufe dazu, in der standen erstmalig auch AMG-Modelle zur Verfügung.

Daimler AG: „Mercedes-Benz Collection“ wird zum Flop

Das Abo-Modell des Daimler AG-Tochterunternehmens Mercedes Benz wird wegen mangelnder Nachfrage zum 31. Juli eingestellt, wie das Fachmagazin Automotive news berichtete. Der Hersteller beschreibt das inzwischen zwei Jahre alte Modell noch immer als „Pilotprojekt“. Ursprünglich plante Mercedes-Benz, das Abo auf die ganze USA auszuweiten. Wegen geringen Verkaufszahlen blieb es jedoch nur bei den genannten Städten.

In einem Statement von Mercedes heißt es, das Modell „Mercedes-Benz Collections“ sei von Beginn an als Experiment konzipiert worden, um mehr über den Markt für Abo-Modelle und die Kunden zu lernen. Laut Automotive news sammelte das Unternehmen einen „Berg voll Daten" über die Kunden. Die Daimler AG versprach sich von dem Projekt, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Viele der Kunden des Abo-Modells seien im Durchschnitt zehn Jahre jünger gewesen als die normale Zielgruppe von Mercedes-Benz.

Daimler AG: Das Abo-Modell „Mercedes me Flexperience“ für den deutschen Markt

Auch für den deutschen Markt stellt das Daimler AG-Tochterunternehmen Mercedes-Benz ein Abo-Modell zur Verfügung. Das Modell mit dem Namen „Mercedes me Flexperience“ funktioniert grundsätzlich wie das amerikanische Pendant, es ist jedoch deutlich ausgefeilter. Das monatliche Abo umfasst laut Unternehmenshomepage flexible Fahrzeugwechsel innerhalb der Wunschkategorie, Versicherung, Steuer, Reifen, Wartung und Garantie-Reparaturen. „Am Wochenende ein Cabriolet, für den Familienurlaub einen SUV und für die Geschäftsreise eine Mercedes-Benz Limousine“, heißt es auf der Homepage.

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