Werk Sindelfingen

Daimler überwacht Mitarbeiter mit neuem System jede Sekunde - es macht Menschen bald überflüssig

  • Marleen van de Camp
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Daimler eröffnet im Werk Sindelfingen eine neue Fabrik. Die Mitarbeiter in der Produktion sollen mit einem neuen System in Echtzeit beobachtet werden. Das soll sie um 15 Prozent effizienter machen.

  • Die Daimler AG hat im Werk Sindelfingen eine neue Fabrik eröffnet - die Factory 56, deren System bald auf alle Daimler-Werke ausgeweitet werden soll.
  • In Sindelfingen wird die neue S-Klasse gebaut. Die Arbeiter in der Produktion werden dabei in Echtzeit überwacht.
  • Das neue System meldet Fehler automatisch an Werksarbeiter und Qualitätsbeauftragte und gibt Arbeitsanweisungen.

Stuttgart/Sindelfingen - Die Daimler AG eröffnete im Werk Sindelfingen die Mercedes-Benz-Fabrik der Zukunft - die Factory 56. Ein neues System namens MO360 soll dort die Produktion bis 2022 um 15 Prozent effizienter machen. Sein Einsatz ist für alle Daimler-Werke vorgesehen und läuft in 30 Werken bereits in Teilen.

Daimler AG: Produktion im Werk Sindelfingen bald „maximal effizient“ und maximal transparent

Die Daimler AG hat Standorte auf der ganzen Welt. Das größte Daimler-Werk ist mit rund 35.000 Mitarbeitern jedoch Sindelfingen. Dort lässt die Daimler-Tochter Mercedes-Benz ab September in der Factory 56 die neue S-Klasse bauen. Die Produktion in der neuen Fabrik sei durch das System MO360 „maximal effizient“, maximal transparent und hochdigitalisiert, wie es in der Pressemeldung der Daimler AG heißt.

Das ist Teil der neuen Strategie, die Daimler-CEO Ola Källenius dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart verordnet hat. Der Daimler-Chef will sich von beliebten Mercedes-Modellen wie der A-Klasse abwenden.  

Im Daimler-Werk in Sindelfingen wird die Mercedes S-Klasse gebaut - Arbeiter haben dabei bald weniger zu tun.

Mercedes-Benz S-Klasse wird unter Echtzeit-Überwachung der Mitarbeiter produziert

Durch die verstärkte Produktion von Luxuslimousinen wie Maybach und der Mercedes-Benz S-Klasse will Ola Källenius den Umstieg der Daimler AG auf das E-Auto finanzieren. Denn sie sind seit jeher die Bestseller in Stuttgart. Auf den Plan, den Vertrieb von Verbrennern zu verstärken, reagierte der Journalist Gabor Steingart mit einer heftigen Abrechnung, laut der Daimler die Bedeutungslosigkeit droht, da der Konzern veraltet und inzestuös sei. Alles andere als veraltet ist die Factory 56 im Werk Sindelfingen, so ab September die neue S-Klasse vom Band laufen soll. Die Beschreibung der Produktion in dieser Fabrik klingt eher nach top-moderner Überwachung.   

Das neue Produktionssystem der Daimler AG könnte die meisten Mitarbeiter in der Qualitätssicherung überflüssig machen

Die Verantwortlichen in den zukünftigen Werken der Daimler AG können jederzeit den sogenannten „Live-Status“ der Produktion einsehen. Dazu gehören beispielsweise die Produktionsziele jeder Schicht und der „Live-Zustand“ jedes einzelnen Mercedes-Benz Fahrzeugs in der Werkshalle. Fällt ihnen nichts auf, informiert das System MO360 notfalls den Qualitätsbeauftragten und den Werksarbeiter direkt per Smartphone über Fehler.

Die Arbeiter werden also zur Steigerung der Effizienz in der neuen Fabrik im Werk Sindelfingen jede Sekunde überwacht. Funktioniert das System wie geplant, könnten in Zukunft dadurch wohl auch Stellen wegfallen, da weniger Nacharbeiten erforderlich sind. 

Daimler-Werke der Zukunft funktionieren völlig ohne Papier

Mehr als 30 Mercedes-Benz-Werke werden durch das neue System untereinander vernetzt. Durch  Big-Data-Analysen und künstliche Intelligenz wird die Effizienz der Produktion überwacht. Jeder Werksarbeiter erhält in Echtzeit individuelle „Informationen und Arbeitsanweisungen“. Immerhin wird durch die extreme Digitalisierung alles Papier aus der Factory 56 verbannt, wodurch der Meldung der Daimler AG zufolge allein in dieser Fabrik in Sindelfingen „rund zehn Tonnen Papier pro Jahr“ gespart werden sollen.  

Für ein Werk in Untertürkheim hat ein Daimler-Betriebsrat außerdem große Pläne. Um das Werk in Stuttgart vor dem Aus zu bewahren, fordert der Daimler-Betriebsrat eine Auto-Revolution. Er will, dass dort künftig Batteriezellen für die neuen E-Modelle des Daimler-Konzerns hergestellt werden.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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