E-Auto extra für China

E-Auto von Daimler wird zum Mega-Flop

Der Denza X von vorne und mit „styles by Mercedes-Benz“-Logo
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Der Denza X sollte der Daimler AG Erfolg in China bringen
  • Julian Baumann
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Die Modelle der Mercedes-Benz AG erfreuen sich in China großer Beliebtheit. Ein extra für den dortigen Markt designtes E-Auto floppte jedoch und wurde zum Ladenhüter.

Stuttgart - Für die deutschen Autohersteller ist China seit langem der größte und wichtigste Absatzmarkt. Die Modelle der Mercedes-Benz AG erfreuen sich dort großer Beliebtheit und der Traditionskonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart verlagerte bereits ganze Produktionsschritte ins Reich der Mitte. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Einfluss Chinas auf die Daimler AG größer ist, als bisher angenommen. Mercedes-Benz setzt inzwischen stark auf das E-Auto und will ab 2025 nur noch batteriebetriebene Modelle bauen. Die elektrische Luxuslimousine EQS wurde zum Erfolg, die ersten Versuche der Marke mit dem Stern verliefen jedoch weniger erfolgreich.

Bevor die damalige Daimler AG, der Konzern, den es in dieser Form nicht mehr gibt, mit dem EQS auf eine eigene, vollständige E-Auto-Architektur setzte, veröffentlichten die Schwaben mehrere elektrische SUVs auf Basis einer umgerüsteten Verbrenner-Architektur. Der EQC wurde allerdings zum Flop; Mercedes entschied sich, das SUV nicht in China auf den Markt zu bringen. Stattdessen entwickelte Mercedes-Benz in Kooperation mit BYD unter der Marke „Denza“ ein E-Auto exklusiv für den chinesischen Markt. Doch dieses floppte ebenfalls. Nun reduzierte die Mercedes-Benz AG die Anteile an dem einst ehrgeizigen Projekt auf knapp zehn statt 50 Prozent. Und das, obwohl die Designer der Marke mit dem Stern das Modell entworfen hatten.

Mercedes-Benz: E-Auto, das in Stuttgart für China designt wurde, floppt als Ladenhüter

Neben den weltweit beliebten Modellen der Marke Mercedes-Benz bietet das Stuttgarter Unternehmen auch Fahrzeuge mehrerer Tochter-Unternehmen an. Dazu zählen beispielsweise die Kleinwagen von Smart, aber auch Autos der Tuning-Marke AMG und der Luxusmarke Maybach. Vor mehr als zehn Jahren, und damit deutlich vor dem aktuellen E-Auto-Boom, starteten die Schwaben in Kooperation mit BYD die Marke Denza. Ziel der Zusammenarbeit war es, der „erfolgreichste Hersteller von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben in China zu werden“, berichtet das Handelsblatt. Die vom chinesischen Mischkonzern BYD produzierten und von Mercedes-Benz designten E-Autos brachten jedoch nicht den erhofften Erfolg.

Der Denza X von Mercedes-Benz und BYD erinnert optisch nicht an die Baureihe EQ der Schwaben und trägt auch nicht den legendären Mercedes-Stern auf der Haube. Seit der Markteinführung im Jahr 2014 verkaufte die Gemeinschaftsmarke der beiden Konzerne gerade mal 23.000 Einheiten des E-Auto-Modells, schreibt das Handelsblatt. Damit rangiert die Marke Denza unter den rund hundert Automarken, die in China verkauft werden, auf dem 80. Platz. Aufgrund des mangelnden Erfolges distanziert sich der Traditionskonzern aus Stuttgart nun deutlich von dem China-Flop und reduziert die Anteile von bislang 50 Prozent auf zehn. Die restlichen 90 Prozent an der Marke Denza liegen demnach nun bei BYD.

Mercedes-Benz in China: Autobauer sagt sich nicht vollständig von BYD los

Daimler- und Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius verkündete erst kürzlich, den Autobauer noch stärker auf Luxus ausrichten zu wollen. Der Daimler-Chef will den Autobauer also massiv umkrempeln. Die Luxus-Strategie setzt den Fokus auf hochpreisige Modelle wie die S-Klasse und den EQS, für die entsprechend auch ein höherer Preis verlangt werden kann. Die Mercedes-Marken AMG und Maybach passen demnach in den Plan von Källenius, eine erfolglose Marke wie Denza dagegen nicht. Deshalb ist der Schritt der Schwaben, die Anteile an dem China-Flop zu kappen, nicht überraschend.

Obwohl die Reduzierung der Anteile von Mercedes-Benz an Denza um 40 Prozent ein großer Schritt ist, sagt sich der Autobauer demnach nicht vollständig von BYD los. Laut dem Handelsblatt will Mercedes die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern sogar weiter intensivieren, jedoch in einem anderen Bereich. Für die Transformation zum E-Autobauer ist auch Mercedes weiterhin auf Zulieferer von Batteriezellen angewiesen. Da BYD laut Daimlers Chinavorstand Hubertus Troska einer der größten Batteriehersteller der Welt ist, wollen die Stuttgarter die Kooperation wohl nicht vollständig beenden.

Die Mercedes-Benz AG wird im kommenden Jahr mit der Businesslimousine EQE ein neues E-Auto auf den Markt bringen. Laut dem Handelsblatt ist aber 2022 auch ein neues Denza-Modell geplant. Inwieweit die Mercedes-Designer bei dem Nachfolger des Denza X beteiligt sein werden, bleibt abzuwarten.

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