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„Sollten sich abgrundtief schämen“ - Daimler AG postet Foto auf Twitter und sorgt für Empörung

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG hat wieder einmal Ärger: Ein Foto der Daimler-Tochter Mercedes AMG hat auf Twitter für viel Kritik gesorgt. Es gibt aber auch Twitter-Nutzer, die den Fahrzeughersteller aus Stuttgart verteidigen.

  • Die Daimler AG hat mit einem Foto von Mercedes AMG auf Twitter für Diskussionen gesorgt.
  • Auf dem Foto bei Twitter ist das ausschließlich männliche neue Führungsteam der Mercedes AMG HPP zu sehen.
  • Die ehemalige Sprecherin des SPD-Parteivorstands schrieb, Männer sollten sich für dieses Foto „abgrundtief schämen“ - doch manche Nutzer verteidigten den Fahrzeughersteller aus Stuttgart.

Stuttgart/Brixton - Die Daimler AG aus Stuttgart hat mehrere Tochterunternehmen, zu denen auch die Mercedes AMG High Performance Power Trains zählt. Die Firma stellt leistungsstarke Motoren für die Formel 1 her und gehört zur Daimler-Tochter Mercedes-Benz.

Nun bringt ein Tweet des Unternehmens der Daimler AG Ärger ein. Auf dem Foto bei Twitter ist das ausschließlich männliche neue Führungsteam der Mercedes AMG HPP zu sehen. Vier der fünf Männer werden ab dem 1. Juli das Unternehmen zur Entwicklung von Rennmotoren leiten. Der fünfte unterstützt sie in der Übergangsphase.

Daimler AG: Foto von Mercedes AMG sorgt auf Twitter für Streit über Diversity

Bei der Daimler AG sind Frauen in Führungspositionen immer noch recht selten - wie bei allen Dax-Konzernen. Das trifft auch auf den Vorstand der Daimler AG in Stuttgart zu: Nur zwei von acht Vorstandsmitgliedern sind Frauen: Renata Jungo Brüngger (58)
und Britta Seeger (50).

Noch schlechter ist es im Führungsteam der Mercedes AMG HPP um den Frauenanteil bestellt: Das Tochterunternehmen der Daimler AG hat für die neue Führungsriege fünf weiße Männer ausgewählt. Ein Umstand, der durch das unglücklich gewählte Foto noch betont wird. Auf dem Bild stehen die fünf Männer in Reihe und Glied, haben das gleiche Outfit und die gleiche Pose. Besser hätte man den Mangel an Vielfalt kaum darstellen können. Das Foto stieß auf Twitter eine Debatte über Diversity an.

Dieses Foto des neuen Führungsteams von Mercedes AMG HPP sorgte für eine Diskussion auf Twitter.

Daimler AG und andere Großkonzerne: Debatte um Frauen in Führungspositionen entfacht

„Ich möchte gerne in einer Welt leben, in der Männer sich abgrundtief für solche Fotos schämen“, schrieb Elena Pieper, ehemalige Sprecherin des SPD-Parteivorstands, zu dem Foto des Daimler-AG-Tochterunternehmens. Der Tweet über die Neubesetzungen bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart sammelte in drei Tagen mehr als 8.000 Likes und 900 Retweets. Mehr als 1.600 Kommentare wurden zu der neuen Führungsriege in der Entwicklung von Formel 1 Motoren bei Mercedes AMG hinterlassen.

Der Frauenanteil bei Großkonzernen wie der Daimler AG ist ein heiß diskutiertes Thema. Sowohl weibliche als auch männliche Twitter-User stimmten der Ex-SPD-Sprecherin Elena Pieper zu. Andere fragten, warum sich Männer für dieses Foto schämen sollten. Ein Nutzer antwortete: „Ich möchte gerne in einer Welt leben, in der Frauen sich abgrundtief für solche Fotos schämen.“ Das angehängte Bild zeigt die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission.  

Daimler AG: Mercedes AMG als „Männerspielzeug“ oder „Potenzsubstitut“

Ein Mann, der sich mit Elena Pieper solidarisierte, schrieb, Frauen könnten mit Mercedes AMG nichts anfangen, weil sie zu klug seien, um sich automobile Dinosaurier der Daimler AG zu kaufen und auch keine Potenzsubstitute bräuchten. Für AMG und Formel 1 müsse man sich aus ökologischen Gründen schämen, lauteten mehrere Kommentare. Nutzer fragten auch, ob Frauen überhaupt Interesse an diesem clichébelasteten Produkt der Daimler AG hätten. In der Mercedes AMG und Formel-1-Sparte würden bei dem Fahrzeughersteller aus Stuttgart schließlich „Spielzeuge für Männer“ von Männern hergestellt. 

Andere Twitter-Nutzer solidarisierten sich mit der Daimler AG und wiesen darauf hin, dass sich niemand beschwere, wenn wenige Frauen auf der Baustelle oder bei der Müllabfuhr arbeiteten. Jemand schrieb, er habe Informatik studiert und der Frauenanteil in seinem Jahrgang habe bei fünf Prozent gelegen. Das hätte er sehr schade gefunden, aber sich zu schämen hätte auch nicht geholfen. Sascha Pallenberg, Head of Digital Transformation bei der Daimler AG ,stimmte dem zu und schrieb, Diversity werde nur ein Schlagwort bleiben, solange die Politik nicht Strukturen schaffe, um Mädchen schon in der Schule für technische Berufe zu interessieren. 

Daimler AG hält sich streng an die gesetzliche Frauenquote 

Was das Thema Diversity und Frauenquote im Aufsichtsrat angeht, hält die Daimler AG sich streng an die gesetzliche Regelung. Laut der Unternehmenswebsite erreichte im Dezember 2019 der Frauenanteil im Daimler-Aufsichtsrat exakt die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Frauenquote gilt nur für den Aufsichtsrat, nicht für den Vorstand.

Für die Managementebenen unterhalb des Vorstands dürfen Unternehmen wie die Daimler AG selbst eine Frauenquote festlegen. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart hat sich für die erste und zweite Managementebene unterhalb des Vorstands das Ziel gesetzt, bis zum 31. Dezember dieses Jahres einen Frauenanteil von 15 Prozent zu erreichen.

Ende 2019 lag der Anteil dort bei 12,5 bzw. 23,8 Prozent. In der Führungsriege von Mercedes AMG High Performance Power Trains liegt der Frauenanteil bei 0 Prozent. Über die fehlende Diversity unter den neuen Verantwortlichen für die Produktion von Rennmotoren für die Formel 1 sind die Meinungen im Netz jedenfalls äußerst… divers. 

Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart hat auf die Diversity-Debatte reagiert. Die Daimler AG setzt mit dem Mercedes Formel-1-Rennwagen ein Zeichen gegen Rassismus - die neue Lackierung des legendären Silberpfeil soll aber auch als öffentliches Versprechen verstanden werden, mehr Frauen ins Mercedes Formel-1-Team zu holen. Nun bekam die Daimler AG auch ein eindeutiges Angebot von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

Die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg betreffen auch die Daimler AG massiv. Daimler zittert um seine Zukunft, wie eine emotionale Botschaft an die Mitarbeiter zeigt. Der Betriebsrat fordert einen genaueren Fahrplan zur Überwindung der Krise.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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