Limousine für Staatsmänner

Das Auto des Bösen: Der Mercedes 600 war bei Diktatoren überaus beliebt - „apokalyptisch“

  • Valentin Betz
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Der Mercedes-Benz 600 war wegen seiner Ausmaße auch als „Großer“ bekannt. Die Limousine war der Liebling zahlreicher umstrittener Staatsmänner.

Stuttgart - Die Daimler AG gibt es in ihrer heutigen Form seit 1926. Damals fusionierten die Unternehmen der beiden Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz. Letzterer ist Gründer der heutigen Daimler-Tochter Mercedes-Benz.

Inzwischen hat die Daimler AG Standorte auf der ganzen Welt. Der Firmensitz in Stuttgart ist allerdings geblieben. Ansonsten hat sich bei dem Konzern inzwischen Vieles gewandelt. Der Fahrzeugbauer setzt in Zukunft auf die E-Mobilität. Unlängst hat Daimler Konkurrent Tesla im Kampf ums E-Auto den Krieg erklärt.

Dabei ist Daimler ohnehin dazu gezwungen, in Zukunft auf E-Autos zu setzen. Fahrzeughersteller müssen weltweit strenge CO2-Grenzwerte einhalten. Die EU will den Verbrenner sogar verbieten - Stand heute ein Albtraum für Daimler. 1963 galten solche Pläne noch als utopisch. Damals brachte Mercedes-Benz das Modell 600 auf den Markt. Es war besonders bei Menschen beliebt, die eher keine Sympathieträger waren: Diktatoren und Autokraten.

Mercedes-Benz 600: Teurer Oldtimer mit „apokalyptischen“ Ausmaßen

Der Mercedes-Benz 600 wurde 1963 auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert und bis 1981 gebaut. Heute gilt die Limousine also als „Oldtimer“ - allerdings ist der Mercedes-Benz damals wie heute nur für Menschen mit großem Geldbeutel erschwinglich.

Für ein völlig verrostetes und schrottreifes Modell des 600 werden im Internet noch über 25.000 Euro verlangt. Je nach Ausstattung und Baujahr muss man ansonsten sogar über 200.000 Euro auf den Tisch legen. Der Mercedes-Benz war 1963 eines der teuersten Autos der Welt. Die Limousine ist fast 6,5 Meter lang, wiegt vier Tonnen und wird von einem Motor angetrieben, „mit dem man ein Kreuzfahrtschiff vor Anker legen könnte“, so das Männermagazin GQ.

Die Ausmaße des Mercedes-Benz 600 waren so „apokalyptisch kolossal“, dass der traditionelle Mercedes-Stern auf der Motorhaube um 20 Prozent vergrößert werden musste, um zu den Proportionen zu passen. Alleine dieses imposante Erscheinungsbild machte den Mercedes-Benz 600 wohl bei zahlreichen Diktatoren und Autokraten der damaligen Zeit zur beliebten Staatslimousine.

Der Mercedes-Benz 600 kam bei Diktatoren sehr gut an

Maßgeschneidert für Diktatoren: Der Mercedes-Benz 600 war schon in Werksausstattung extravagant

Laut Mercedes-Benz war bereits die „fünf- bis sechssitzigen Ausführung vor allem für sehr anspruchsvolle private Kunden konzipiert“. Staatsmänner wie Leonid Brezhnev, Nicolae Ceauşescu, Idi Amin Dada, Enver Hoxha, Saddam Hussein, François Duvalier, Mao Zedong, Josip Broz Tito, Kim Il-sung, Kim Jong-il, und Ferdinand Marcos besaßen eine Variante des Mercedes-Benz 600.

Schon ohne Sonderwünsche hatte die Limousine eine besondere Ausstattung. Beispielsweise wurde der Fensterheber hydraulisch betrieben, damals noch eine äußerst teure Technik. Die Geschwindigkeit konnte verstellt werden - bis zur Stärke eines industriellen Hochdruckreinigers. Mit diesem Druck konnte das Fenster problemlos einen Arm abtrennen.

Eine Rarität: Mercedes-Benz 600 war quasi kugelsicher - weniger als 3.000 Stück wurden gebaut

Die wohl wichtigste Eigenschaft des Mercedes-Benz 600 für Diktatoren war aber wahrscheinlich, dass die Limousine praktisch kugelsicher war. Das Fahrgestell war aus so dickem Stahl konstruiert, das man im inneren des Mercedes sogar die Explosion einer Haftmine überleben konnte, schreibt GQ.

Insgesamt baute Mercedes-Benz nur 2.677 Stück des 600. Von diesen bekamen 41 sogar eine Panzerung in der Werksausstattung. Obwohl der Mercedes-Benz 600 eine Limousine war, kam das Auto auch im Gelände gut zurecht. Ideal, um sich bei einem Volksaufstand mit dem „Bunker auf Rädern“ vom Acker zu machen, so die GQ.

Als wäre das alles nicht schon genug für den Prototyp eines Diktatoren, hatte der Mercedes-Benz 600 laut GQ auch eine Hupe „so laut wie ein Güterzug“. Laut genug, um damit Menschen auf der Strauße taub zu machen.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz

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