Mehr tödliche Unfälle

„Der Worst Case“: Daimler AG macht Tests mit Unfallforscher - die Ergebnisse sind katastrophal

  • Marleen van de Camp
    vonMarleen van de Camp
    schließen

Die Daimler AG hat dem Unfallforscher Siegfried Brockmann mehrere Lastwagen für ein Experiment zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis ist katastrophal.

  • Die Daimler AG hat dem Unfallforscher Siegfried Brockmann mehrere Lastwagen für ein Experiment zur Verfügung gestellt.
  • Um die Sicherheit von Radfahrern an sogenannten „holländischen Kreuzungen" zu testen, bogen Lkw der Daimler Truck AG neben dem Unfallforscher auf seinem Fahrrad ab.
  • Viele glauben, dass diese Art der geschützten Kreuzung für Radfahrer und Fußgänger sicherer ist - doch das Ergebnis des Experiments war ernüchternd.

Stuttgart - Die Daimler AG hat dem Unfallforscher Siegfried Brockmann mehrere Lastwagen für ein Experiment zur Verfügung gestellt. Brockmann wollte herausfinden, ob eine sogenannte „holländische Kreuzung“ für Radfahrer sicherer ist als eine in Deutschland übliche Straßenkreuzung. Das Ergebnis des Tests mit den Lkw der Daimler Truck AG ist katastrophal, wie der Tagesspiegel berichtet.

Ein Fahrradfahrer fährt während einer Demonstration des neuen Abbiegeassistenten neben einem Daimler-Lkw.

Daimler AG: Unfall-Experiment mit Daimler-Lastwagen hat katastrophales Ergebnis

Das Ergebnis des Experiments mit den Lkw sei „der Worst Case“, sagte Unfallforscher Siegfried Brockmann. Es dürfte in Stuttgart und dem restlichen Deutschland so manchen Radfahrer desillusionieren. Denn wann immer es bisher zu einem Verkehrsunfall mit einem beteiligten Radfahrer an einer Kreuzung kam, forderten Aktivisten den Umbau der Kreuzung nach dem holländischen Modell. In den Niederlanden ist eine geschützte Kreuzung üblich, auf der Radfahrer und Fußgänger von Autos und Lastwagen durch eine Verkehrsinsel räumlich  getrennt sind. Darmstadt baute 2018 die erste holländische Kreuzung in Deutschland. Einige Städte in den USA und Kanada haben ebenfalls begonnen, Kreuzungen nach diesem Modell zu bauen, weil sie als sicherer gelten. Nun stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall ist. 

Radfahrer aus dem Führerhaus beim Abbiegen nicht sichtbar - die geschützte Kreuzung enttäuscht

Der deutsche Unfallforscher Siegfried Brockmann wollte es ganz genau wissen und stieg persönlich auf’s Fahrrad. Die Daimler AG mit Hauptstandort Stuttgart stellte für das Experiment mehrere Lkw der Unternehmenstochter Daimler Trucks zur Verfügung, die an einer mithilfe von Verkehrsleitkegeln simulierten holländischen Kreuzung neben Brockmann abbogen. Da der tote Winkel bei Lastwagen deutlich größer ist als bei Pkw, stellen diese Fahrzeuge beim Abbiegen für Radfahrer eine deutlich größere Gefahr dar. Daran änderte auch die geschützte Kreuzung nichts. Im Gegenteil. Siegfried Brockmann war beim Abbiegen aus der Fahrerkabine des Daimler Trucks nicht zu sehen.  

Die holländische Kreuzung verhindert, dass der Abbiegeassistent des Lkw den Radfahrer schützt

Auch der Abbiegeassistent, mit dem der Lastwagen der Daimler AG für das Experiment ausgestattet war, erkannte den Radfahrer nicht. Ein Abbiegeassistent erkennt mithilfe von Sensoren, ob sich ein Hindernis im toten Winkel des Lkw befindet und warnt den Fahrer beim Abbiegen mit einem Ton oder kann sogar abbremsen – unter normalen Umständen.

Doch der Abstand zwischen Fahrrad und Daimler-Lastwagen an der holländischen Kreuzung machte es dem Abbiegeassistenten unmöglich, den Radfahrer zu erkennen. Das ist dem Unfallforscher Siegfried Brockmann zufolge das schlimmste aller möglichen Ergebnisse. „Die Kreuzung funktioniert nicht, und der Assistent funktioniert auch nicht“, sagte er. Das wird viele Deutsche enttäuschen. Da zwei Drittel aller Unfälle mit Radfahrern an Kreuzungen geschehen, hatten viele Menschen ihre Hoffnung auf die holländische Kreuzung gesetzt. Nun stellt sich jedoch heraus, dass sich durch sie die Zahl der tödlichen Unfälle in Deutschland weiter erhöhen könnte.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare