Folgen der Corona-Krise

Daimler brechen plötzlich die Kunden weg: „Wir erleben ein Unwetter“

Driving Experience: Der Neue Mercedes-Benz Intouro und Sprinter Minibusse Ulm/Deutschland, Juni 2021
+
Die Nachfrage nach Reisebussen von Daimler ist in der Corona-Krise gering.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Die Chipkrise in der Autobranche trifft die Daimler AG noch immer hart. In der Truck-Sparte brechen die Kunden weg.

Stuttgart - Im Oktober entschieden die Aktionäre der Daimler AG, den weltbekannten Konzern in zwei unabhängige Unternehmen aufzuspalten. Die Pkw-Sparte wird als Mercedes-Benz AG in der Landeshauptstadt Stuttgart weiterhin Autos und Vans produzieren, während die Truck-Sparte ihren Sitz nach Leinfelden-Echterdingen verlegt. Damit verschwindet der Name „Daimler“ aus Stuttgart. Die anhaltende Chipkrise macht seit Beginn des Jahres beiden Unternehmen mit dem Stern Probleme. Mercedes-Benz wollte beispielsweise unfertige Autos verkaufen und erlitt eine Bruchlandung.

Doch auch im Truck-Segment der Daimler AG fehlen seit Monaten wichtige Komponenten. Weil „wesentliche Bauteile“ fehlen, müssen Daimler-Kunden auf bestellte Fahrzeuge warten. Die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen sei weiterhin hoch, sagte Daimler Truck-Chef Martin Daum im Interview mit dem Handelsblatt. Besondere Probleme bereitet jedoch die Bus-Sparte, was auch auf die anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist.

Daimler AG: Truck-Sparte könnte ohne Chipkrise Umsatzrekord machen, sagt Daum

Die Chipkrise hat bei der Daimler AG bereits seit Jahresbeginn fatale Folgen. In mehreren Werken wurde die Produktion temporär gestoppt und Mitarbeiter immer wieder in die Kurzarbeit geschickt. Besonders betroffen waren die Standorte in Bremen und Rastatt, doch auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur zehn Monate nach der Eröffnung wieder still. Mercedes-Benz verlagerte den Fokus aufgrund des begrenzten Vorrats an Halbleiterkomponenten zunehmend auf das Premiumsegment und stoppte die Produktion der meistverkauften Modellreihe, der E-Klasse, temporär. Daimler machte trotz Chipkrise dennoch überraschend hohen Gewinn - zumindest die weltbekannte Auto-Sparte.

Bei der Daimler Truck AG sieht das ganze anders aus. „Ohne Chipmangel würden wir dieses und nächstes Jahr auf ein Rekordniveau beim Absatz zusteuern“, sagte Truck-Vorstandsvorsitzender Martin Daum dem Handelsblatt. „Die Nachfrage ist groß, umso ärgerlicher ist die aktuelle Situation.“ Bereits seit Monaten können die schweren Nutzfahrzeuge nicht an die wartenden Kunden ausgeliefert werden, da Bauteile fehlen. „Wir würden sie auch gerne ausliefern, warten aber auf die Teile“, so Daum schon vor mehreren Wochen. Ein Segment der Daimler Truck AG hatte jedoch bereits lange vor der Chipkrise mit Problemen zu kämpfen und eine Besserung ist aktuell nicht in Sicht.

Daimler Truck AG: Wichtiges Segment „am stärksten von der Corona-Krise betroffen“

Neben den schweren Nutzfahrzeugen wie Lastwagen stellt die Truck-Sparte der Daimler AG auch Reisebusse her. Die Busse von Daimler gerieten erst kürzlich in die Kritik, da ein elektrisches Modell offenbar Grund für den Bus-Depot-Brand in Stuttgart war. Das Segment hat laut Daum jedoch bereits seit langem Probleme. „Der Reisebus ist in der Tat jenes Segment, das am stärksten von der Coronakrise betroffen war und ist“, macht der CEO deutlich. „Wir haben im April 2020 auf einen Schlag keinerlei Bestellungen mehr bekommen.“ Auch die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Aufträge habe man nicht fertigstellen können.

Besonders betroffen war und ist das Daimler-Buswerk in Neu-Ulm an der Grenze zu Baden-Württemberg. Auch dort mussten die Mitarbeiter mehrere Monate lang in die Kurzarbeit. „Wir haben bis Oktober die wenigen Aufträge, die wir haben, fertiggestellt, und fahren die Produktion langsam wieder hoch“, sagte Daum dem Handelsblatt. „Aber das geht nur für eine endliche Zeit.“ Die ersten Daimler-Reisebusse, beispielsweise als Flixbus, seien bereits wieder auf den Straßen unterwegs, jedoch lange nicht in dem Ausmaß, wie vor der Corona-Krise.

Das Coronavirus hatte fatale Folgen für die Wirtschaft, das bemerken die Unternehmen noch heute. Viele Reiseunternehmen müssen demnach erst Gewinn machen, bevor sie neue Busse der Daimler AG ordern können. „Viele Kunden haben uns gesagt: Wenn ihr uns die bestellten Busse ausliefert, gehen wir bankrott“, beschreibt Daum die Situation bei den Unternehmen. Doch auch an den eigenen Standorten gibt es immer noch Probleme. „Wir erleben gerade ein Unwetter bei Reisebussen“, so der Vorstandsvorsitzende der Truck-Sparte. Das Bus-Werk in Neu-Ulm soll trotz der anhaltenden Krise jedoch nicht aufgegeben werden, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. „Wir sind sicher, dass wieder sehr gute, sonnige Zeiten kommen werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare