„Keine gemeinsame Basis“

Daimlers Technik-Chef erklärt, warum die Kooperation mit BMW scheiterte

Das Logo der Automobilkonzerne BMW (links) und Daimler (rechts).
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BMW und Daimler lassen ihre Zusammenarbeit im Bereich autonomes Fahren vorerst ruhen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Eigentlich sollte die Zusammenarbeit der Stuttgarter Daimler AG und BMW in Sachen E-Mobilität ein großer Erfolg werden. Ein Manager spricht nun Klartext über die Trennung.

Stuttgart - Anfang 2019 gab die Daimler AG eine Kooperation mit BMW bekannt. Beide Fahrzeughersteller legten ihre Kompetenzen zusammen, um gemeinsam die Mobilität von Morgen zu entwickeln, wie es damals hieß. Kurzerhand folgte die Fusion ihrer Carsharing-Töchter „Drive now“ und „Car2go“ zu „Share now“. Ziel war es, ausländischen Wettbewerbern Paroli zu bieten. Auch im Bereich des autonomen Fahrens wollten die deutschen Fahrzeughersteller Daimler und BMW gemeinsame Sache machen.

Die Daimler AG ging beim autonomen Fahren dann aber doch eigene Wege: Sie schloss sich mit der US-Firma Nvidia zusammen und kündigte die Kooperation mit BMWAb 2024 werden nun alle Mercedes-Benz-Modelle mit Computern von Nvidia ausgerüstet. BMW war von diesem Schritt offenbar alles andere als angetan. Bereits nach einem Jahr stand das Joint Venture von Daimler und BMW vor dem Aus. Ehemalige Top-Manager des Joint Ventures klagten gegenüber dem Startup-Magazin Gründerszene über absurde Zielvorgaben, die nichts mit der Realität zu tun gehabt hätten. Angesichts ausbleibender Gewinne herrschte Uneinigkeit über die Strategie von Daimler, die laut der Beteiligten „chaotisch“ und „unrealistisch“ gewesen sein soll.

Daimler AG und BMW: „keine gemeinsame technologische Basis“

Im Juni 2020 gaben BMW und die Daimler-Tochter Mercedes-Benz bekannt, die Zusammenarbeit ruhen zu lassen. „Im Rahmen der gemeinsam geplanten Kooperation konnten beide Unternehmen erst nach Vertragsunterschrift 2019 detaillierte Gespräche auf Expertenebene führen“, begründet Daimlers Chief Technology Officer (CTO) Sajjad Khan nun in einem Interview mit der Wirtschaftswoche die Entscheidung. „In diesen Gesprächen kamen beide Seiten nach intensiver Prüfung zu dem Ergebnis, dass angesichts des hohen Aufwands für eine gemeinsame technologische Basis in 2020 der richtige Zeitpunkt für eine erfolgreiche Kooperation nicht gegeben ist.“

Als Grund für das Scheitern des Joint Ventures mit BMW nennt Daimlers Technik-Chef im Interview mit der Wirtschaftswoche auch „gesamtunternehmerische und konjunkturelle Rahmenbedingungen“, die 2020 nicht gepasst hätten. Kooperationen wolle man vor allem dann eingehen, wenn es für Daimler und die Daimler-Kunden sinnvoll erscheint, so Khan.

Daimler AG: Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre Jobs - Spaltung beunruhigt zusätzlich

Fakt ist: Das Coronavirus hat fatale Folgen für die Wirtschaft, die auch an der Auto-Industrie nicht spurlos vorbeigehen. Während Daimler-Chef Ola Källenius einen strengen Sparkurs fährt, sind auch noch die Prognosen für viele Angestellte der Daimler AG düster: Laut Arbeitsagentur-Chef droht Daimler und Co. ein massiver Stellenabbau.

Auch die nun angekündigte Spaltung der Daimler AG traf die Mitarbeiter „wie vom Blitz“, wie einige sagen. Der Plan, dass sich die Daimler AG in zwei neue Unternehmen aufspalten will, sorgt für einigen Angestellten für neue Ängste.

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